MIMESIS war schon zum Early Access Start im Oktober 2025 ein ungewöhnliches Experiment: Ein Koop-Horror, in dem sich eine KI in die Runde der Spieler schleicht, Stimmen und Bewegungen kopiert – und niemand weiß, wer noch Mensch ist. Jetzt liefert ReLU Games das erste große Update und adressiert genau die Baustellen, die sich nach den ersten Monaten abzeichneten. Das Kernversprechen des Spiels steht dabei im Mittelpunkt.
Individuelle KI-Gegner: Keine auswendig gelernten Muster mehr
Bislang funktionierte die Mimesis nach erkennbaren Verhaltenslogiken – wer oft genug spielte, konnte Muster ableiten und die KI-Kreatur früher enttarnen. Das Update reißt diese Sicherheitsnetze ein. ReLU Games hat die Situationswahrnehmung der Monster-KI grundlegend überarbeitet. Jede Mimesis verfügt jetzt über eigene Verhaltensmerkmale, die während des Spiels aus den Aktionen der Spieler lernen. Im Gegensatz zu Gegnern in vielen Koop-Horrorspielen, die festen Pfaden folgen, muss sich hier jedes Team jedes Mal neu auf die Täuschungsmanöver einstellen. Wer mit auswendig gelernten Strategien kommt, fliegt raus.
Das ist ein entscheidender Unterschied zu Titeln wie Deathground, wo KI-Gegner zwar dynamisch agieren, aber keinem lernenden Profil folgen. MIMESIS setzt hier konsequent auf das, was das Spiel von Anfang an ausgezeichnet hat: KI nicht als Werkzeug, sondern als Spielmechanik.
Überarbeiteter Spielfortschritt und neuer Schwierigkeitsgrad
Der alte Drei-Tages-Zyklus ist Geschichte. ReLU Games ersetzt ihn durch eine flexiblere Fortschrittsstruktur, die den Einstieg für neue Spieler senkt, ohne die Spannung für erfahrene Teams zu verwässern. Die Neubalance zielt darauf ab, die Vorhersehbarkeit bei wiederholten Durchläufen zu reduzieren – ein kluger Schachzug für ein Spiel, das von sozialer Dynamik und Überraschung lebt. Wer Reanimal kennt, weiß, wie wichtig dieser Spagat zwischen Zugänglichkeit und Härte für Koop-Horror ist.
Größere Karten, neues Equipment und ein smarter Zuschauer-Modus
Das Update erweitert zudem die drei existierenden Karten: Fabrik, U-Bahn-Station und Villa bekommen neue Innenraum-Layouts, während die Außenbereiche mit veränderten Routen aufwarten. Die Möglichkeit, Schrott zu werfen, eröffnet strategische Optionen bei Erkundung und Begegnung – ein kleines Feature mit potenziell großer Wirkung in einem Spiel, das von Timing und Täuschung lebt.
Besonders gelungen: der überarbeitete Zuschauer-Modus. Ausgeschiedene Spieler können von der Mimesis Besitz ergreifen und mit den Überlebenden kommunizieren. Das löst ein Grundproblem vieler Koop-Horror-Spiele – wer tot ist, schaut meist nur zu. MIMESIS hält eliminierte Spieler aktiv im Geschehen, ohne die Spannung für die Überlebenden zu killen. Ein ähnliches Prinzip verfolgt The Mound: Omen of Cthulhu, wo ebenfalls die Grenze zwischen Teamwork und Misstrauen verwischt wird.
Was der CEDEC-Award bedeutet
Dass MIMESIS Anfang Juni 2026 als erste koreanische Original-IP den Excellence Award in der Kategorie Game Design bei den CEDEC Awards eingeräumt hat, ist eine direkte Folge dieses KI-Ansatzes. Die japanische Fachkonferenz würdigte genau das, was ReLU Games mit diesem Update weiter vertieft: KI als zentralen Bestandteil des Spielerlebnisses, nicht als technische Spielerei. Min-jung Kim, CEO von ReLU Games, formuliert es im Rahmen der Ankündigung so: „MIMESIS hat gezeigt, wie KI über ein Entwicklungswerkzeug hinausgehen und zu einem zentralen Bestandteil des Spielerlebnisses selbst werden kann.“
Das Spiel ist seit Oktober 2025 im Early Access auf Steam und Epic Games Store erhältlich und hat innerhalb von 50 Tagen die Marke von einer Million verkauften Exemplaren geknackt. Zum Vergleich: inZOI, ein weiteres KRAFTON Early Access Projekt, setzt ebenfalls auf kontinuierliche Updates – aber mit völlig anderer Ausrichtung.