Seit dem triumphalen Comeback mit Crash Bandicoot 4: It’s About Time ist es gespenstisch still geworden um unseren Lieblings-Beuteldachs. Gerüchte um ein eingestelltes Crash Bandicoot 5 waberten zwar durch die digitalen Korridore, doch handfeste Beweise blieben aus – bis jetzt. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist nun Konzeptkunst aufgetaucht, die uns einen schmerzlich faszinierenden Blick auf das Spiel gewährt, das wir nie bekommen werden. Aufgespürt durch die investigative Arbeit von Liam Robertson und verbreitet von aufmerksamen Fans, werden die Artworks dem Entwicklerstudio Toys for Bob, Microsoft und dem talentierten Künstler Nicholas Kole zugeschrieben. Sie malen das Bild eines Abenteuers, das nicht nur neue Welten, sondern auch die tiefsten Abgründe der Cortex-Familie erkundet hätte.
Willkommen in der Akademie des Bösen
Unter dem mutmaßlichen Titel Crash Bandicoot 5: The Academy of Evil hätte uns das Spiel an einen einzigen, aber dafür umso facettenreicheren Schauplatz entführt: die titelgebende Akademie des Bösen. Eine der Konzeptzeichnungen zeigt einen beeindruckenden Hub-Level, das zentrale Nervensystem der Spielwelt, von dem aus wir in die verschiedensten thematischen Level hätten eintauchen können. Man kann sich bildlich vorstellen, wie man durch die unheilvollen Hallen dieser Schurkenschule schleicht, hinter jeder Ecke ein neues, verrücktes Experiment oder eine finstere Unterrichtsstunde vermutend. Ein Setting, das vor kreativem Potenzial nur so strotzt.
Eine schrecklich nette Familie: Die Cortex-Saga
Doch das wahre Gold dieser Enthüllung liegt im Stammbaum des langjährigen Erzfeindes Dr. Neo Cortex. Die Konzeptkunst stellt uns eine ganze Riege neuer Charaktere vor, die allesamt zur schillernden Sippschaft des größenwahnsinnigen Wissenschaftlers gehören. Wir sehen Entwürfe für Mama Cortex, die matriarchale Herrscherin des Clans, seine Schwester Cerebella Cortex, den älteren Bruder Hugh G. Cortex und seinen Neffen mit dem simplen Namen ID. Auch eine gewisse Madame Amberly taucht auf, deren genaue Verbindung zur Familie jedoch im Dunkeln bleibt. Diese neuen Figuren deuten darauf hin, dass die Story tief in die Vergangenheit und das Familienleben von Cortex eingetaucht wäre – eine psychologische Tiefenbohrung, die dem ikonischen Bösewicht eine völlig neue Dimension verliehen hätte.
Eine Reise durch die Gedankenwelten der Schurken
Die Konzeptzeichnungen entführen uns auf eine Tour de Force durch die Gedankenwelten verschiedener Charaktere. Wir bekommen Einblicke in Tiny Tigers „Mindscape Castle“ – eine mentale Festung mit Thronsaal, Verlies und Schatzkammer. Pinstripe Potoroo hingegen hätte uns in Level entführt, die ästhetisch stark von düsteren Mafia- und Noir-Filmen inspiriert sind. Das wohl faszinierendste Artwork deutet jedoch auf eine schier undenkbare Wendung hin: Es zeigt einen jungen Crash und einen jungen Neo Cortex, die scheinbar als Freunde versuchen, aus einem albtraumhaften Zirkus-Mindscape zu entkommen. Eine Story über eine zerbrochene Freundschaft? Die Möglichkeiten lassen die Fantasie Purzelbäume schlagen.
Ein Funke Hoffnung mit einer Prise Salz
Bei aller Faszination muss man einen kühlen Kopf bewahren: Es handelt sich um Kunst für ein Projekt, das letztendlich eingestampft wurde. Die Gerüchte um das intern als „Project Dragon“ bezeichnete Spiel verdichteten sich letztes Jahr, als der beteiligte Künstler Nicholas Kole die Einstellung seines Projekts bekannt gab. Besonders schmerzhaft ist ein weiteres Gerücht, das im August 2024 die Runde machte: Es gab interne Pitches und Konzepte, dass in diesem Spiel auch Spyro the Dragon als zweiter spielbarer Charakter auftreten und die beiden Universen hätten kollidieren sollen. Ein Traum für jeden Fan der PlayStation-Ära, der nun wohl für immer ein Traum bleiben wird.