Hell Let Loose: Vietnam peilt 60 FPS auf PS5 und Xbox Series X/S an – das klingt nach einem Traum für Mil-Sim-Fans. Doch wie das technisch funktionieren soll, bleibt offen. Das Studio nennt keine interne Auflösung, keine Benchmarks, keine Bedingungen. Stattdessen: eine Verschiebung vom Juni in den August und die Ankündigung, dass PSSR auf der PS5 Pro erst nach Launch per Update kommt. Wer die Shooter-Branche kennt, weiß: Das sind Signale, die zusammenpassen. Und zwar nicht im positiven Sinne.
Das Versprechen – 60 FPS für alle Konsolen
Expression Games hat im Interview mit GamingBolt klare Worte gefunden: 60 FPS auf allen Konsolen – auch auf der Xbox Series S. Klingt solide. Nur: Die interne Auflösung bleibt offen. Keine dynamischen Skalierungsbereiche, kein Vergleich zwischen PS5 und Series X.
Call of Duty erreicht auf Konsolen stabile 60 FPS – aber nach jahrelanger Optimierung und auf deutlich kleineren Maps. Hell Let Loose: Vietnam will 100 Spieler gleichzeitig (mit der Unreal Engine 5) in dichten Dschungel-Umgebungen mit dynamischer Vegetation. Das ist eine exponentiell schwerere Aufgabe. UE5 ist bekannt für seine hohen Anforderungen – erst recht bei 50-gegen-50-Gefechten. Auf GameStar heißt es, das Spiel setze auf „großflächige Karten“. Kombiniert mit Hardware Lumen und Raytracing-Effekten, die auf dem PC optional sind, stellt sich die Frage: Läuft das auf Konsolen wirklich mit der gleichen visuellen Qualität? Das Studio sagt dazu nichts.
Die Signale – PSSR zu spät, Auflösung unklar
Der technische Director Kieran D’Archambaud bestätigte: PlayStation Spectral Super Resolution (PSSR) kommt auf der PS5 Pro – aber nicht zum Launch. Erst „in den Monaten nach der Veröffentlichung“ per kostenlosem Update. Zuvor wurde der Release bereits vom 18. Juni auf den 13. August verschoben. Begründung: Nach Closed und Open Beta hätten interne Tests „mehrere Bereiche“ identifiziert, die „zusätzliche Entwicklungszeit“ brauchen. Das ist eine direkte Folge aus dem Beta-Feedback.
Das heißt konkret: Zum Launch gibt es weder PSSR-Upscaling auf der PS5 Pro noch eine Angabe zur internen Auflösung auf den Standard-Konsolen. Wer die Framerate-Ziele überprüfen will, kann das nicht. Das Studio antwortet nicht auf die entscheidenden Fragen.
Der Track Record – Expression Games und die Konsolen-Optimierung
Expression Games hat mit Hell Let Loose auf PS5 und Xbox Series kein makelloses technisches Fundament gelegt. Der Umstieg von UE4 auf UE5 für Vietnam ist ein massiver Schritt – kein Engine-Wechsel verlief in der jüngeren Gaming-Geschichte reibungslos. Wer unseren Release-Bericht gelesen hat, erinnert sich: Schon die Open Beta Ende Mai zeigte laut ersten Spielerberichten Schwankungen in der Framerate und Mikroruckler. Dass das Studio jetzt nachschiebt, mehr Zeit braucht und zentrale Optimierungs-Features erst nachreicht, spricht nicht für einen entspannten Entwicklungsstand.
Der Wettbewerb – woran andere gescheitert sind
Battlefield 2042 startete mit 128 Spielern auf einer eigens entwickelten Engine – und kollabierte technisch. Die Framerate brach ein, die CPU-Auslastung war desaströs, Spieler berichteten von unspielbaren 128-Spieler-Modi. Dice brauchte über ein Jahr, um die Performance auf ein akzeptables Niveau zu bringen, und reduzierte schließlich die Spielerzahl im Breakthrough-Modus wieder auf 64. Hell Let Loose: Vietnam hat nicht nur die gleiche Ambition, sondern setzt obendrauf noch UE5 – eine Engine, die selbst erfahrene Studios an ihre Grenzen bringt.
Expression Games hat weniger Ressourcen als Activision oder EA. Kein hauseigenes Performance-Team, keine jahrelange Konsolen-Erfahrung mit dieser Engine. Das muss nicht scheitern – aber es macht die 60-FPS-Ansage riskant. Vor allem, weil derzeit niemand überprüfen kann, ob sie eingehalten wird.
Was das für den Launch heißt
Call of Duty und Battlefield haben gezeigt, wie 60 FPS auf Konsolen funktionieren – mit kleineren Maps, geringeren Spielerzahlen und jahrelanger Iteration auf derselben Engine. Hell Let Loose: Vietnam versucht etwas, das in dieser Kombination noch kein Spiel erreicht hat: 100 Spieler, UE5, dichte Vegetation, große offene Karten, Raytracing-Features – und das alles auf Konsolen-Hardware, die 2020 entwickelt wurde. Die Verschiebung in den August, die fehlenden Auflösungs-Details und der nachgelagerte PSSR-Support sind klassische Signale dafür, dass die Optimierung nicht da ist, wo sie sein sollte. Das muss nicht bedeuten, dass der Launch misslingt. Aber es bedeutet: Wer blind vorbestellt, geht ein Risiko ein.
Expression Games hat die Messlatte hochgelegt. 60 FPS auf allen Konsolen inklusive Series S ist ein starkes Ziel – aber ohne Transparenz zur Umsetzung bleibt es ein Versprechen ohne Beweis. Die klügere Strategie: Reviews abwarten, die ersten Tage nach Launch beobachten und dann entsc


