Ein US-Bundesstaat macht ernst beim Jugendschutz im digitalen Raum, und diesmal betrifft es nicht nur eine App oder Plattform, sondern buchstäblich jedes Betriebssystem. Was Gouverneur Gavin Newsom im vergangenen Jahr unterzeichnet hat, könnte die Art, wie wir uns in der digitalen Welt ausweisen, grundlegend verändern.
Das Gesetz: Was AB 1043 konkret verlangt
Der Digital Age Assurance Act, kurz AB 1043, verpflichtet Anbieter von Betriebssystemen dazu, eine Altersabfrage bei der Kontoerstellung einzubauen. Nutzer werden dabei in vier Kategorien eingeteilt: unter 13 Jahre, 13 bis 16 Jahre, 16 bis unter 18 Jahre und ab 18 Jahren. Diese Einstufung soll über eine Echtzeit-Programmierschnittstelle an App-Entwickler weitergegeben werden, sobald diese die Daten für ihre Inhalte anfordern. Das Gesetz gilt für alle Geräte mit Betriebssystem, also PCs, Mobilgeräte und Spielkonsolen. Anbieter wie Microsoft, Apple und Google wären damit direkt betroffen. Das Gesetz tritt am 1. Januar 2027 in Kraft, wurde aber bereits im Oktober 2025 von Gouverneur Newsom unterzeichnet, nachdem es einstimmig durch beide Kammern des kalifornischen Parlaments verabschiedet worden war.
Keine Gesichtserkennung, aber neue Pflichten für Entwickler
Anders als bei manchen anderen Altersverifikationssystemen, etwa dem umstrittenen Gesichtsscan bei Roblox, verlangt AB 1043 lediglich die Eingabe des Geburtsdatums bei der Kontoerstellung. Die erhobenen Daten dürfen ausschließlich zur Altersverifikation genutzt werden und nicht an Dritte weitergegeben werden. Dennoch ist der Verwaltungsaufwand für Entwickler erheblich: Wer die übermittelten Altersdaten ignoriert oder gegen AB 1043 verstößt, muss mit Bußgeldern zwischen etwa 2.300 Euro und knapp 6.900 Euro pro Fall rechnen. Gouverneur Newsom selbst hat bereits eingeräumt, dass Ergänzungen für Mehrbenutzersysteme und Streaming-Dienste notwendig sein dürften, da Familien und geteilte Konten das Modell komplizieren. Bislang wurden jedoch noch keine konkreten Änderungen vorgeschlagen.
Linux, SteamOS und die Tücken der Umsetzung
Besonders brisant ist die Situation für Linux-Distributionen wie Ubuntu, die keine zentralisierte Kontoinfrastruktur besitzen. Ohne entsprechende Anpassung wären diese Betriebssysteme automatisch als nicht konform eingestuft, was in Kalifornien faktisch ihre Nutzung erschweren würde. Ein möglicher Ausweg wäre ein Hinweis, dass das jeweilige System nicht für die Nutzung unter AB 1043 vorgesehen sei, doch wie das in der Praxis gehandhabt werden soll, ist noch vollkommen offen. Auch Valves SteamOS, das im Steam Deck und der kommenden Steam Machine zum Einsatz kommt, fiele unter das Gesetz. Für Valve bedeutet das zusätzlichen Anpassungsbedarf in einer ohnehin schon herausfordernden Phase, geprägt von RAM-Engpässen und verschobenen Hardware-Launches.
Altersverifikation als wachsender Trend
AB 1043 steht nicht allein. Discord hatte ursprünglich geplant, sein globales Altersverifikationssystem bereits Anfang März einzuführen, ruderte nach starker Gegenwehr der Nutzerbasis jedoch zurück. Die Einführung wurde auf die zweite Jahreshälfte 2026 verschoben, wobei Discord nun nach weniger invasiven Methoden sucht, darunter Kreditkartenabfragen statt Gesichtsscans. Insgesamt zeichnet sich eine deutliche Tendenz ab: Plattformen und Gesetzgeber weltweit rücken dem anonymen Zugang zu digitalen Inhalten zu Leibe. Ob die Balance zwischen Jugendschutz und Datensparsamkeit dabei gelingt, bleibt die zentrale Frage der kommenden Jahre.