Die Ankündigung kommt überraschend schnell nach der großen Guild Wars 3-Enthüllung: Mit Mistbound bekommt die Franchise ihren ersten digitalen Card-Game-Ableger. Free-to-Play, entwickelt vom koreanischen Studio NC in Zusammenarbeit mit bilibili, lizenziert von ArenaNet. Der offizielle Reveal Trailer zeigt, was das Besondere an diesem CCG sein soll: Karten, die sich auf einem taktischen Raster bewegen, statt starr auf dem Tisch zu liegen.
Dynamisches Bewegungssystem statt statischer Spielbretter
Der zentrale Unterschied zu Klassikern wie Hearthstone oder Magic: The Gathering Arena ist das Movement. Statt Karten auszuspielen und sie dann auf dem Brett liegen zu lassen, können Spieler ihre Einheiten auf einem 5×3-Raster pro Zug in mehrere Richtungen verschieben. Klingt simpel, verändert aber die komplette Taktik. Aus den Rohdaten gehen Mechaniken wie Knockbacks, Flanking-Manöver und Positionswechsel hervor – Dinge, die man eher aus taktischen Strategiespielen kennt als aus klassischen Kartenspielen.
„Eine Herausforderung bei tiefgreifenden strategischen Kombinationen in Kartenspielen ist, dass die Karten selbst schnell übermäßig komplex werden“, erklärt Hwang Sunwoo, Producer von Mistbound bei NC. „Statt diese Komplexität auf einzelne Karten zu legen, wollten wir sie über das Schlachtfeld ausdrücken.“
Design-Verantwortung liegt bei einem prominenten Namen: Baek Hakjun, besser bekannt als „Kranich“, ehemaliger Hearthstone-Profi und World-Championship-Teilnehmer. Er weiß also genau, wo konkurrierende Spiele haken – und wo Mistbound ansetzen will.
Commander und Professionen aus Guild Wars 2
Mistbound setzt auf bekannte Gesichter. Figuren wie Marschall Trahearne, Gräfin Anise und Knut Weißfell aus Guild Wars 2 treten als spielbare Kommandeure an, ebenso wie Nika aus Guild Wars Factions. Jeder Commander bringt eigene Fähigkeiten mit, die durch ein Professionen-System ergänzt werden – direkt inspiriert von den neun Klassen aus Guild Wars 2 Visions of Eternity.
Die Idee: Commander und Profession lassen sich frei kombinieren, was für taktische Tiefe sorgen soll. Dazu kommen Original-Musik aus dem Guild Wars-Universum und vertonte Zwischensequenzen. Wer sich an die Ästhetik der Reihe erinnert – insbesondere an das kürzlich veröffentlichte Guild Wars Reforged –, wird sich hier optisch sofort zuhause fühlen.
„Zunächst ist das Spiel zugänglich“, sagt Baek Hakjun. „Einheiten auf einem Schlachtfeld zu platzieren und in den Kampf zu ziehen, ist intuitiv. Aber je länger man spielt, desto mehr konzentriert man sich auf die Bedeutung jedes Zuges und jeder Entscheidung.“
Ein ungewöhnliches Bündnis: ArenaNet, NC und bilibili
Dass Mistbound überhaupt existiert, liegt an einer Dreier-Konstellation, die man so nicht erwartet hätte: ArenaNet lizenziert die IP, NC (ehemals NCSoft) entwickelt, und bilibili – in China oft als „das YouTube der Spiele-Community“ bezeichnet – übernimmt den globalen Publisher-Job.
bilibili ist im Westen noch relativ unbekannt, bringt aber beeindruckende Zahlen mit: über 107 Millionen täglich aktive Nutzer und eine Community, die Games nicht nur spielt, sondern aktiv durch Livestreams und Content begleitet. Dass ein Guild Wars-Spiel nun ausgerechnet von einem chinesischen Publisher vertrieben wird, ist bemerkenswert – zumal mit Guild Wars 3 ohnehin schon das nächste Großprojekt der Franchise in den Startlöchern steht.
Colin Johanson, Studio Head bei ArenaNet, erklärt den Schritt so: „Wir fanden, es sei Zeit, Guild Wars-Fans eine neue Art des gemeinsamen Spielens zu geben, inspiriert von den Kartenspiel-Wurzeln der Franchise.“
Ob sich Mistbound gegen etablierte Größen wie Hearthstone oder Marvel Snap durchsetzen kann? Das Movement-System ist tatsächlich eine echte Neuerung im Genre. Und die Kombination aus kompetitivem PvP, Single-Player-Content und einer Free-to-Play-Schwelle senkt die Einstiegshürde deutlich. Ein Release-Termin steht noch aus – das Spiel soll für PC und Mobile erscheinen.
