Frictional Games hat Ontos offiziell auf 2027 verschoben. Das Studio spricht von seinem ambitioniertesten Projekt aller Zeiten – und will es nicht verheizen, nur weil der Kalender 2026 sagt. Wir erinnern uns: SOMA, Amnesia – Frictional hat noch nie ein Spiel rausgebracht, das nicht saß. Jetzt kommt mit Ontos ein Sci-Fi-Thriller, der traditionellen Horror hinter sich lässt und auf existenziellen Terror, monströse Experimente und Stellan Skarsgård setzt. Der Summer of Gaming lief ohne Frictional, und viele haben sich genau das schon gedacht. Die Stille war der Vorbote.
Ein Jahr mehr für ein Spiel, das keiner verheizen will
Frictional Games macht aus dem Delay keine Staatsaffäre. In einem knappen Statement auf X begründet das Studio die Verschiebung mit schlichter Ehrlichkeit: Umfang, Größe, Tiefe – alles größer als je zuvor bei einem Frictional-Spiel.
„Ontos ist unser ambitioniertestes Spiel aller Zeiten – sowohl was Umfang und Größe angeht als auch die Tiefe und Vielschichtigkeit unserer Geschichte und des Gameplays“, schreibt das Studio. „Um diese Vision umzusetzen, haben wir uns entschieden, den Release auf 2027 zu verschieben.“
Dass der Delay erst nach dem Summer of Gaming kommuniziert wird, war absehbar. Wer das Line-up der großen Shows verfolgt hat, dem ist das Fehlen von Ontos nicht entgangen – Frictional hat einfach still durchgehalten, bis die Entscheidung stand. Ursprünglich bei den Game Awards 2025 für 2026 angekündigt, zieht das Spiel jetzt weiter Richtung 2027. Versprochen wird immerhin: „Wir freuen uns darauf, bald mehr über Ontos, unsere Charaktere und unsere Welt zu erzählen.“ Gamescom Opening Night Live im August wäre der logische nächste Auftritt.
Die Colossus-Formel – kein Horror, sondern Kopfkino
Was Ontos von Amnesia und SOMA unterscheidet, hat Creative Director Thomas Grip schon vor Monaten klargemacht: Das Spiel zielt nicht auf den Puls, sondern auf den Verstand. Statt vor unsichtbaren Monstern davonzurennen, bereitest du dich auf sogenannte „Experimente“ vor – monumentale Rätsel-Sequenzen, die Grip mit den Bosskämpfen aus Shadow of the Colossus vergleicht.
Der Großteil der Spielwelt dient als Vorbereitung auf diese Experimente. Du sammelst Ressourcen, kalibrierst Maschinen, versuchst die Mechanismen zu verstehen, bevor du dich an die eigentliche Prüfung wagst. Und die hat es in sich: Grip spricht von „zerebralem Fokus“, von Situationen, die so grotesk sind, dass sie sich ins Gedächtnis brennen – wie ein „Mann, der in einem Computer aus Ratten gefangen ist“.
Das Ziel ist existenzieller Terror, der nachhallt, nicht der billige Jumpscare. Ob das aufgeht, wird sich zeigen – aber das Konzept klingt nach genau dem, was man von den SOMA-Machern erwarten darf: mutig, seltsam, anders.
Stellan Skarsgård, ein Mondhotel und die Freiheit zu scheitern
Neben der ungewöhnlichen Spielstruktur hat Ontos noch ein Ass im Ärmel: Stellan Skarsgård. Der schwedische Schauspieler, den die meisten als Luthen Rael aus Andor kennen, ist in einer noch geheim gehaltenen Rolle an Bord. Das allein verleiht dem Projekt cineastische Gravitas – und passt zu einem Studio, das Story immer ernster genommen hat als die meisten seiner Kollegen.
Schauplatz des Ganzen ist Samsara, ein stillgelegtes Mondhotel auf den Ruinen einer gescheiterten Bergbaukolonie. Als Ingenieurin Aditi Amani suchst du nach deinem verschollenen Vater, reparierst Maschinen, analysierst Systeme und triffst Entscheidungen, deren Konsequenzen du erst später begreifst. Lineare Lösungen gibt es nicht – du kannst Wege gehen, und du kannst scheitern.
Und Scheitern bedeutet hier kein Game Over. Es verändert die Erzählung, treibt die Geschichte in neue Richtungen. Entwickelt wird das Ganze mit der neuen HPL4-Engine, die Licht, Klang und Interaktion als narrative Werkzeuge nutzt. Ontos erscheint 2027 für PS5, Xbox Series X/S und PC – ein Jahr später als geplant, aber mit einem Konzept, das kein zweites Studio so umsetzen würde.