Es klingt wie das Drehbuch zu einem dieser Filme, in denen ein Team gegen die eigene Firma kämpft. Aber was bei Quantic Dream gerade passiert, ist keine Fiktion. Während eine Delegation von LucasFilm durch die Pariser Studioflure ging, standen draußen die Mitarbeiter auf der Straße und streikten. Nicht gegen das Spiel – für das Spiel. „Das ist weit davon entfernt, Sabotage zu sein“, sagt Jules, Game Builder bei Quantic Dream, dem französischen Medium Gamekult. „Im Gegenteil – wir versuchen, Star Wars Eclipse zu retten.“ 115 Jobs sind bedroht, ein ganzes Projekt steht auf der Kippe, und der größte Star Wars Traum der letzten Jahre könnte platzen, bevor er richtig begonnen hat.
Streik im Schatten des Todessterns – wie Quantic Dream den LucasFilm-Besuch zur Bühne macht
Der Zeitpunkt war kein Zufall. Als die LucasFilm-Delegation am Pariser Hauptsitz von Quantic Dream den Fortschritt von Star Wars Eclipse begutachten wollte, stand vor der Tür ein Streikposten der Gewerkschaft STJV. Die Botschaft: „So kann das Spiel nicht fertig werden.“ Théo, ein Mitarbeiter, der namentlich genannt werden will, erklärt die Lage: „Wir sind der Meinung, dass das Spiel in seinem aktuellen Zustand buchstäblich nicht fertiggestellt werden kann, wenn der Stellenabbau wie geplant durchgeführt wird.“
Die Rechnung ist einfach: 115 Entwickler, die nach dem Scheitern des MOBAs Spellcasters Chronicles entlassen werden sollen, sind genau die Leute, die Eclipse jetzt braucht. Quantic Dream hat nach eigenen Angaben bereits Überstunden auf dem Star Wars Projekt angeordnet, seit die Entlassungen bekannt wurden. Dass das Studio laut Insider-Berichten schon seit Monaten in der Entwicklungshölle steckt, macht die Sache nicht besser.
115 Entwickler, die niemand arbeiten lässt – das bizarre Paradox von Quantic Dream
Spellcasters Chronicles war der große Wurf, der nie einer wurde. Acht Jahre Entwicklung für ein Free-to Play MOBA, das im Februar 2026 startete und mit 888 gleichzeitigen Spielern als Allzeit-Peak spektakulär scheiterte. Jetzt sitzen 115 Entwickler dieses Projekts seit einem Monat ungenutzt im Studio. „Wir könnten es mit 115 zusätzlichen Leuten schaffen“, sagt Jules. „Das wäre nicht ‚überbesetzt‘ – es ist das, was nötig ist. Wir sind unterbesetzt.“ Ein Monat, in dem diese Leute hätten eingearbeitet werden können – verloren. Quantic Dream steht vor dem Paradox, dass genau die Mitarbeiter, die das Studio als angeblich nicht tragfähig ansieht, die Einzigen sind, die das Prestige-Projekt retten könnten.
NetEase hat kein Interesse – und Quantic Dream verhindert die Rettung
Hinter den Kulissen spielt sich ein zweites Drama ab. NetEase, der chinesische Konzern, der Quantic Dream 2022 übernahm, hat laut Insider-Berichten bereits signalisiert, dass man das Studio loswerden will. Die Mitarbeiter wissen das. Sie haben NetEase explizit an den Verhandlungstisch gebeten – aber das Management von Quantic Dream blockt ab. „Wir haben bereits signalisiert, dass wir mit NetEase reden wollen“, sagt Théo, „aber das Management von Quantic Dream verhindert das.“ Laut den Mitarbeitern war es NetEase, der den Stecker bei Spellcasters Chronicles zog, während die Studioleitung weitermachen wollte. Ausgerechnet die Rettung, die von außen kommen könnte, wird von innen heraus blockiert.
Ein Studio, ein Projekt und die Frage nach dem Überleben
Die nächsten Monate werden entscheiden, ob Star Wars Eclipse jemals das Licht der Welt erblickt. Das „Summer Strike Fest“ – eine Protestkampagne, die bis September läuft – soll den Druck auf die Führungsebene erhöhen. Théo bringt es auf den Punkt: „David Cage wiederholt ständig, dass Star Wars Eclipse ein besonders ambitioniertes Projekt ist. Dann soll er uns auch die Mittel geben, seine Ambitionen zu verwirklichen.“ Fünf Jahre nach der Ankündigung, ein Studio in der Krise, ein chinesischer Investor, der die Geduld verloren hat – und eine Belegschaft, die streikt, um ihr eigenes Spiel zu retten. Schon im April war klar, dass Eclipse noch Jahre entfernt ist. Was damals wie eine Insider-Warnung klang, ist heute die offizielle Position der Belegschaft.