Stuntman: Hollywood verwandelt die Gamescom 2026 in ein explosives Filmset und zwingt uns im ersten Gameplay-Material zur halsbrecherischen Flucht vor den Zähnen eines ausgewachsenen T-Rex. Mit qualmenden Reifen und aufheulenden Motoren rasen Muscle-Cars und Geländemaschinen durch die Kulissen von Jurassic World, während fallende Scheinwerfer und unberechenbare Trümmerteile jede Sekunde zur potenziellen Bruchlandung machen. Wer hier überleben und die Regie begeistern will, muss Fahrphysik und Set-Choreografie absolut blind beherrschen.
Fluchtmanöver zwischen Requisiten und CGI-Dinosauriern
Das Gaspedal liegt voll am Bodenblech, während aufgewirbelter Sand die Sicht vernebelt und ein animierter T-Rex bedrohlich nah im Rückspiegel auftaucht. Auf der Piste zählt jede Millisekunde: Wer die Haarnadelkurve zu weit außen anreißt, touchiert die Kameraschienen der virtuellen Filmcrew und riskiert den sofortigen Abbruch des Drehtags. Die Regie verlangt ein millimetergenaues Abfahren der Markierungen, damit die pyrotechnischen Explosionen exakt vor der Stoßstange detonieren und den maximalen Multiplikator auf das Punktekonto spülen.
Die größte spielerische Reibung entsteht jedoch durch das integrierte Off-Script-Feature, das euch aktiv zum Ungehorsam ermutigt. Weicht ihr bewusst von den gelben Markierungen ab, driftet haarscharf an teuren Scheinwerfer-Masten vorbei oder springt über ungeplante Rampen, steigen Ansehen und Highscore steil an. Diese Mechanik verwandelt jeden Take in einen nervenaufreibenden Kupplungs-Drahtseilakt, bei dem ein einzelner millimeterfalscher Lenkimpuls die gesamte Aufnahme entwertet. Genau dieses unbarmherzige Spielgefühl fängt das Comeback der PS2-Kultreihe im modernen Gewand ein.
Durch diese ständige Risikobereitschaft hebt sich das Gameplay spürbar von gewöhnlichen Quick-Time-Events ab. Statt starre Tastenkombinationen abzuarbeiten, entscheidet allein die Fahrzeugbeherrschung über den Erfolg. Wer die Schikanen am Set meistert und die Fluchtwege im letzten Moment korrigiert, erlebt ein erfrischend anspruchsvolles Geschicklichkeitsspiel, das von der ersten bis zur letzten Sekunde volle Konzentration am Gamepad erzwingt.
Sabers Balanceakt zwischen Schlamm und Hochgeschwindigkeit
Bislang hat sich das Studio vor allem mit physiklastigen Schwerlast-Simulationen einen Namen gemacht, die durch extrem entschleunigtes Fahrverhalten geprägt waren. Ein temporeiches Stunt-Abenteuer erfordert jedoch eine radikal andere Philosophie am Controller, die sofortige Rückmeldung verlangt und keinerlei träge Eingabeverzögerung verzeiht. Das Portfolio von Saber Interactive beweist zwar enorme Erfahrung mit dynamischer Trümmer- und Schlammberechnung, doch das präzise Zirkeln von Sportwagen auf engstem Raum verlangt eine drastisch direktere Lenkrad-Übersetzung.
Die im Rahmen der Messe-Präsentation in Köln gezeigten Szenen punkten optisch mit dichter Atmosphäre, lassen aber noch mechanische Fragen offen. Wenn das Fahrgefühl zu behäbig ausfällt, mutiert der Reiz der filmreifen Stunts blitzschnell zu nervtötendem Frust. Vor allem der Wechsel auf das Zweirad stellt das Physikgerüst auf eine harte Probe, da instabile Gewichtsverlagerungen auf rutschigen Studioböden schnell in unkontrollierbaren Rutschpartien enden.
Die Dinosaurier-Jagd liefert zweifellos spektakuläre Schauwerte, doch die eigentliche Bewährungsprobe findet an den analogen Triggern statt. Wenn das Entwicklerteam die träge Masse bisheriger Offroad-Trucks nicht in ein messerscharfes, direktes Arcade-Handling übersetzen kann, wird aus der erhofften Stunt-Fantasie blitzschnell ermüdender Frust. Es bleibt die berechtigte Skepsis, ob das Team die nötige Griffigkeit für dieses Tempo findet – oder ob der Ausflug nach Hollywood bei der ersten engen Kurve an der Betonwand zerschellt.
