Wer in den vergangenen Monaten für eine neue Konsole tiefer in die Tasche greifen musste, erlebt gerade ein Lehrstück in moderner Konzern-Arroganz. Sony und Microsoft weisen aktuelle Sammelklagen von Spielern entschieden zurück. Beide Branchenriesen argumentieren vor US-Gerichten, dass sie absolut nicht verpflichtet seien, die vom Staat erstrittenen Rückzahlungen für rechtswidrige Importzölle an ihre eigene Kundschaft weiterzugeben.
Doppelt abkassieren als neues Geschäftsmodell
Die Dreistigkeit der Argumentation hat System und folgt einem Drehbuch, das Nintendo bereits im Juli vorgelegt hat. Nachdem der US Supreme Court die verhängten Sonderzölle mit 6 zu 3 Stimmen für illegal erklärte, klagten sich die Hersteller hunderte Millionen Dollar an gezahlten Abgaben vom Staat zurück. An der Ladenkasse bleibt davon allerdings nichts hängen. Die Konzerne kassieren schlicht doppelt: erst über den saftigen Aufpreis beim Endkunden und danach über die Rückerstattung des Finanzministeriums.
Dass Sony im Vorfeld massiv die Kosten für die Hardware anhob, will das Unternehmen heute am liebsten vergessen machen. Vor Gericht behaupten die Anwälte nun allen Ernstes, die Teuerung habe überhaupt nichts mit den Zöllen zu tun gehabt. Man habe die Preise schließlich nach dem Ende der Zölle einfach noch weiter erhöht. Wenn das eigene Preisschild so unverschämt eskaliert, dass man es selbst als Gegenbeweis nutzt, erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar.
Microsoft schlägt in dieselbe Kerbe und fertigt klagende Spieler mit juristischer Arroganz ab. Wer eine Xbox zum ausgeschriebenen Preis gekauft habe, habe exakt das bekommen, wofür er bezahlt habe. Welche internen Kostenkalkulationen der Konzern anstelle, gehe den Kunden schlicht nichts an. Erst den Konsumenten als Prellbock für handelspolitische Reibereien benutzen und sich danach hinter juristischen Nebelkerzen verschanzen – das ist die neue Realität am Markt.
Kein rechtlicher Schaden für freiwillige Zahler
Der eigentliche Schlag ins Gesicht der Community findet sich im juristischen Kleingedruckten der Abweisungsanträge. Sonys Rechtsabteilung formuliert es in ihrem aktuellen Schriftsatz schonungslos: Wer freiwillig einen geforderten Marktpreis für Konsumgüter bezahlt, habe per Definition überhaupt keinen rechtlich greifbaren Schaden erlitten. Auf gut Deutsch: Ihr wart bereit, den Wucher an der Kasse zu blechen, also haltet jetzt gefälligst die Füße still.
Damit kopieren die PlayStation-Macher das Vorgehen von Nintendo im Fall Hoffert. Auch dort hieß es lapidar, Käufer hätten ja schließlich verzichten können, wenn ihnen das Preisschild zu hoch war. Dass Spieler seit Jahren mit künstlicher Hardware-Knappheit, gestrichenen Bundles und teurerem Zubehör konfrontiert werden, spielt vor den Schranken des Gerichts keine Rolle. Ein erzwungener Marktpreis wird im Nachhinein einfach als freie Entscheidung deklariert.
508 Millionen Dollar für die eigene Kriegskasse
Dass es hier nicht um juristische Spitzfindigkeiten, sondern um gigantische Summen geht, verriet die Führungsetage bereits vor Wochen. Wie ein Bericht von Game File aufdeckte, rechnet Sony-Finanzchefin Lin Tao mit satten 508 Millionen Dollar an Rückzahlungen aus Washington. Der überwiegende Teil dieses Geldregens soll direkt in die PlayStation-Sparte wandern. Während der Staat die Kassen füllt, bleibt der Zocker auf den Mehrkosten sitzen.
Diese Praxis passt nahtlos ins Bild einer Industrie, die die Konsole zur Cashcow umbaut und jede moralische Hemmung längst abgelegt hat. Wenn Zölle steigen, werden sie innerhalb von Stunden über teurere Hardware an die Kundschaft weitergereicht. Fließen dieselben Gelder vom Staat zurück, deklariert das Management den Betrag als strategischen Sondergewinn und bunkert ihn in den eigenen Bilanzen.
Für die klagenden Spieler dürfte der Rechtsstreit zwar noch monatelang durch die Instanzen wandern, die Botschaft der Hersteller ist aber schon jetzt unmissverständlich. Die großen Drei der Konsolenwelt halten zusammen, wenn es darum geht, die eigene Beute gegen die Spieler zu verteidigen. Wer gehofft hatte, ein Stück vom 500 Millionen-Kuchen abzubekommen, darf sich stattdessen auf die nächste Preiserhöhung im Zubehörregal einstellen.