Stell Dir vor, jemand serviert Dir eine kulinarische Kreation, die auf den ersten Blick absolut verstörend wirkt – roher Fisch auf Reis. Absurd, oder? Genau diese Analogie nutzt Koshi Nakanishi, Regisseur von Resident Evil Requiem, um sein neuestes Werk zu beschreiben. Capcoms kommender Grusel-Blockbuster verbindet zwei scheinbar unvereinbare Spielstile zu einem Ganzen, das mehr sein soll als die bloße Addition seiner Bestandteile. Doch während manche Fans skeptisch die Stirn runzeln, beharrt Nakanishi darauf: Sein Team hat das Gaming-Äquivalent zu Sushi erfunden. Vertrauen sei gefragt – und der Mut, sich auf etwas völlig Neuartiges einzulassen.
Die Sushi-Metapher: Zwei Welten verschmelzen
In einem Gespräch mit Eurogamer erläutert Nakanishi seine ungewöhnliche Analogie folgendermaßen: Gäbe es kein Sushi, würden Fischliebhaber ausschließlich Sashimi verlangen, während Reis-Enthusiasten empört wären, wenn jemand ihren geliebten Reis mit rohem Fisch „verunreinigt“. Resident Evil Requiem funktioniere ähnlich – Grace Ashcrofts Kampagne orientiert sich am klassischen Survival-Horror von Resident Evil 2, mit sparsamen Ressourcen und beklemmender Atmosphäre. Leon Kennedy hingegen bietet actionlastiges Gameplay im Stil von Resident Evil 4, inklusive spektakulärer Hinrichtungen und Kettensägen-Kills. Diese Dichotomie mag zunächst befremden, doch laut Nakanishi entsteht der wahre „Geschmack“ von Requiem erst durch die Kombination beider Ansätze. Das Studio präsentiert sich selbst als Erfinder dieser spielerischen Fusion und fordert die Community auf, den Sprung ins Ungewisse zu wagen.
Leons Gameplay ist mehr als pure Action
Nachdem jüngste Präsentationen Leons Abschnitte als pausenloses Action-Feuerwerk zeigten, befürchten manche Puristen, seine Kampagne könnte Substanz zugunsten von Spektakel opfern. Nakanishi zerstreut diese Bedenken jedoch explizit: „Wir realisieren, dass einige Spieler den Eindruck gewonnen haben, das wäre Leons gesamtes Erlebnis im Spiel. Dem ist nicht so. Leon hat Erkundungsszenen, er hat grauenerregende Momente, er hat Backtracking.“ Diese Aussage deutet auf eine weitaus nuanciertere Erfahrung hin als zunächst vermutet – möglicherweise inklusive jener größeren Level, für die Leon angeblich Transportmittel nutzt, auch wenn Requiem kein echtes Open-World-Spiel darstellt. Das bewusste Design beider Protagonisten zielt darauf ab, komplementäre Spielstile zu schaffen, die sich gegenseitig verstärken statt zu kannibalisieren. Während Grace methodisch Ressourcen verwaltet und jede Ecke absucht, darf Leon temporär die Zügel schießen lassen – wobei beide Ansätze letztlich demselben narrativen Ziel dienen.
Die Story: Mysterien um Elpis und Victor Gideon
Inhaltlich dreht sich Requiem um Grace Ashcroft, die eine Serie makabrer Morde untersucht. Verantwortlich soll eine Entität namens Elpis sein, wobei der ehemalige Umbrella-Forscher Victor Gideon behauptet, Grace sei der Schlüssel zum Verständnis dieser Bedrohung. Leon kreuzt ebenfalls Gideons Weg und hütet ein „Geheimnis“ bezüglich Elpis – eine erzählerische Verflechtung, die typisch für die Franchise ist. Durch den Perspektivwechsel zwischen beiden Charakteren verspricht Capcom eine emotionale Bandbreite, die bisherige Serieneinträge übertreffen soll. Die wechselnden Tonalitäten – von beklemmender Stille bis zu adrenalindurchfluteten Gefechten – sollen eine kathartische Wirkung entfalten, die durch das reine Erleben nur eines Spielstils unmöglich wäre.
Release steht unmittelbar bevor
Am 27. Februar 2026 erscheint Resident Evil Requiem für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC und die brandneue Nintendo Switch 2. Die plattformübergreifende Veröffentlichung unterstreicht Capcoms Ambition, eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen – von Hardcore-Survival-Horror-Fans bis zu Action-affinen Gelegenheitsspielern. Ob Nakanishis gewagtes „Sushi-Konzept“ tatsächlich aufgeht, wird sich spätestens Ende Februar zeigen, wenn Millionen Spieler weltweit ihre Urteile fällen. Die bisherigen Reaktionen auf Showcases und Previews fallen jedenfalls überwiegend positiv aus, auch wenn Skeptiker weiterhin Zweifel äußern. Fest steht: Capcom nimmt sich die Freiheit, etablierte Formeln aufzubrechen – und fordert uns auf, mit offenen Sinnen mitzukommen.



