Manche Spiele kommen leise, erobern dann aber im Sturm alles, was in ihrer Reichweite liegt. Pokémon Pokopia gehört offenbar genau zu dieser Sorte – kaum jemand hatte den Titel wirklich auf dem Schirm, doch seit seiner Veröffentlichung reissen sich Spieler weltweit um physische Exemplare, und selbst die Börse hat die Wucht des Releases zu spüren bekommen. Was hinter dem unerwarteten Triumphzug des Nintendo-Switch-2-Exklusivtitels steckt, ist eine Geschichte über viralen Erfolg, ein frisches Spielkonzept und einen Markt, der offenbar hungrig auf genau das war.
Aktien hoch, Regale leer
Seit dem Launch von Pokémon Pokopia sind Nintendos Aktien um satte zehn Prozent gestiegen – ein Sprung, der selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt. Laut dem Analysten Atul Goyal von Jefferies hat das Spiel dem Schwung der Nintendo Switch 2 erheblichen Auftrieb verliehen und dabei Bedenken rund um gestiegene Speicherkosten erfolgreich in den Hintergrund gedrängt, die Investoren zuletzt beschäftigt hatten. Hideki Yasuda von Tokyo Securities brachte es auf den Punkt: Pokémon Pokopia sei ein echtes „Dark Horse“ gewesen – vollständig unter dem Radar der Öffentlichkeit, umso überraschender dann der Einschlag. Die globale Strahlkraft des Titels, die sich von Japan bis Kanada erstreckt, lässt Yasuda von einem Phänomen mit weltweiter Anziehungskraft sprechen. Physische Exemplare sind in großen Einzelhandelsketten bereits vergriffen, was den Hype um den Titel zusätzlich befeuert.
Ein Pokémon-Spiel wie kein anderes
Was Pokémon Pokopia so besonders macht, ist seine vollständige Abkehr von der gewohnten Serienformel. Anstatt als Trainer auf Fangexpedition zu gehen, schlüpfen Spieler in die Rolle eines Dittos, das sich in eine menschenähnliche Gestalt verwandelt hat. Von dort aus erkunden sie eine lebendige Welt, sammeln Ressourcen und bauen sich ein eigenes Zuhause – ein Spielprinzip, das deutlich mehr mit Animal Crossing gemeinsam hat als mit klassischen Pokémon-Abenteuern. Pokémon können angefreundet werden und ziehen daraufhin beim Spieler ein, wo sie mit einzigartigen Fähigkeiten helfen: Bisasam legt etwa neue Grünflächen an, während Glumandas Flammen dabei helfen, Gebiete urbar zu machen. Das klingt einfach, entfaltet aber offensichtlich eine enorme Sogwirkung.
Kritiker und Spieler sind gleichermassen begeistert
Pokémon Pokopia hält auf Metacritic derzeit einen aggregierten Wertungsschnitt von 89 Punkten, basierend auf 68 Fachkritiken – ein starkes Ergebnis, das von der Spielergemeinde bestätigt wird: 726 Nutzerbewertungen ergeben einen Schnitt von 8,5 von 10 Punkten. Spielleiter Takuto Edagawa hat sich zur Spiellänge geäussert und betont, dass der Titel nach dem Ende der Hauptgeschichte noch reichlich zu bieten hat. Die Hauptstory dauere im Schnitt zwischen 20 und 40 Stunden, je nach Spielweise – doch was danach kommt, soll Spieler weiter motivieren, in der Welt zu verweilen und neue Erfahrungen zu machen. Passend dazu bietet der Titel einen Koop-Modus, der zuletzt in einem Trailer vorgestellt wurde, sowie Figuren wie Professor Tangrowth und Greedent, die beim Aufbau der eigenen Stadt unterstützen. Für alle, die den Pokémon-Hunger nach dem Durchspielen noch nicht gestillt haben, sind inzwischen auch Pokémon Feuerrot und Blattgrün für die Nintendo Switch 2 erhältlich.