Runes Studio hat auf der PC Gaming Show 2026 ein neues ARPG aus der Vogelperspektive enthüllt, das die Artussage so düster interpretiert, wie man es sonst nur aus FromSoftware-Titeln kennt. Camelot ist gefallen, die Ritter der Tafelrunde sind korrumpiert – und ihr als Mitglied der Twilight Knights sollt das Königreich Avalon wieder aufbauen. Der Clou: Der erste Trailer zeigt nicht nur knackige Bosskämpfe, sondern auch eine Festung, die ihr hochziehen und gegen feindliche Angriffe verteidigen müsst. Ein ARPG mit Basisbau? Das klingt riskant – aber der Haken liegt im Detail.
Ein Kampfsystem ganz ohne Klassenkorsett
Statt euch in die klassischen Rollen von Krieger, Jäger oder Magier zu pressen, verzichtet Wardens of Avalon komplett auf feste Charakterklassen. Ihr bastelt euren Twilight Knight frei nach Spielstil und passt die Ausrüstung jederzeit an die anstehende Herausforderung an. Wer morgens mit dem Hammer Gegner betäubt, kann nachmittags mit heiliger Rüstung Feuerbälle schleudern – die Entwickler nennen das einen „Eid“, den ihr brechen und neu schwören könnt.
Dieses System ist eine direkte Kampfansage an die starren Klassenbäume, wie sie Diablo 4 oder Path of Exile 2 vorgeben. Wo Blizzard auf den „Necro-Build der Season“ setzt und Grinding Gear Games euch durch einen Dschungel aus Skillpunkten schickt, verspricht Runes Studio radikale Freiheit.
Dazu kommen mehrphasige Bosskämpfe, die laut Entwicklerteam präzises Ausweichen, kluges Ausdauermanagement und die Fähigkeit erfordern, Angriffsmuster zu lesen. Elementare Kräfte lassen sich im Kampf nutzen – ein weiteres System, dessen Tiefe der Trailer nur andeuten kann. Im Koop mit bis zu vier Spielern sollen die Begegnungen dann noch einmal eine ganz andere taktische Dimension bekommen.
Aus der zerstörten Festung wird euer wichtigstes Projekt
Der zweite große Pfeiler des Spiels ist der Aufbau und die Verteidigung eurer Basis. Ihr sammelt in der Spielwelt Ressourcen, kehrt in eure Festung zurück und errichtet neue Stadtviertel. Schmiede, Alchemisten, Kräuterkundige und Druiden siedeln sich an und schalten neue Handwerksoptionen frei. Klingt nach dem typischen Gameplay-Loop aus Valheim oder Under a Rock – nur dass hier zusätzlich die korrumpierten Ritter der Tafelrunde regelmäßig angreifen.
Genau dieser Tower-Defense-Einschlag macht den Unterschied. Eure Festung ist kein gemütliches Housing-Feature für zwischendurch, sondern ein aktiver Teil der Herausforderung. Wer seine Mauern nicht ausbaut, bekommt früher oder später ein massives Problem. Die Parallelen zu V Rising sind offensichtlich, aber Wardens of Avalon wirkt im Trailer deutlich ambitionierter, was die schiere Menge an Gebäuden und Handwerksdisziplinen angeht.
Zusätzlich könnt ihr eure Ausrüstung über ein Siegelsystem veredeln und durch Schwüre mächtige Segnungen freischalten. Wie tief diese Systeme mit dem Basisbau verzahnt sind – ob etwa bestimmte Siegel nur durch eine voll ausgebaute Alchemistenwerkstatt zugänglich werden – bleibt eine der spannendsten offenen Fragen.
Ein mutiger Erstling mit starkem Rückhalt
Bevor die Skepsis gegenüber einem unbekannten Studio überhandnimmt: Hinter Wardens of Avalon steht nicht nur Runes Studio, sondern als Publisher The Arcade Crew – und damit indirekt Dotemu. Ja, das Dotemu, das mit Streets of Rage 4 und TMNT: Shredder’s Revenge bewiesen hat, dass sie ein Händchen für hochwertige Actionspiele haben. The Arcade Crew ist Dotemus Indie-Label, unter dem zuletzt Abyssus erschien. Das macht Hoffnung, dass hier mehr dahintersteckt als ein ambitioniertes Konzeptpapier.
Dazu passt auch der Zeitplan: Seit April 2023 ist das Spiel auf Steam gelistet, bis zum Release 2027 wird die Entwicklung dann etwa vier Jahre gedauert haben. Runes Studio betont auf seiner Website öffentlich eine Anti-Crunch-Philosophie – wer will, kann das als naives Ideal für ein Erstlingswerk abtun oder als Zeichen, dass hier niemand mit heißer Nadel strickt.
Die entscheidende Bewährungsprobe kommt noch diesen Monat: Der Playtest auf Steam startet im Juni 2026. Wer selbst Hand anlegen will, kann sich auf der Steam-Seite anmelden. Spätestens dann wird sich zeigen, ob der Genre-Mix aus Action, Survival und Basisbau tatsächlich rund läuft oder an der eigenen Ambition zerschellt.
