Nick Baynes ist das ewige Vergleichsspiel satt. Der Präsident von Hangar 13 sagte gegenüber IGN, dass GTA in der Entwicklung von Mafia schlicht nie vorkomme – nicht als Inspiration, nicht als Strategie, nicht einmal als Gesprächsthema. „Ich glaube nicht, dass da eine reiche Ader an Antworten für euch drinsteckt“, schloss er seine Antwort beinahe entschuldigend. Die eigentliche Pointe liefert der Kalender: The Old Country läuft seit einem Jahr über die Erwartungen von Publisher Take-Two hinaus – ausgerechnet in dem Sommer, in dem Rockstars Gigant zum dritten Mal verschoben wurde.
„Es ist ein Internet-Ding“ – was Baynes wirklich sagt
Der Kern der Aussage ist erstaunlich schlicht. „Ich glaube, im Studio haben wir unseren eigenen Weg“, sagt Nick Baynes über die immer wieder aufkeimenden Vergleiche. „Das kommt wirklich nie in Gesprächen vor – nicht als Bezugspunkt, nicht als Steuerung unserer Strategie oder irgendwie so.“ Dann kommt der Satz, der die ganze Antwort zusammenfasst: „Ich glaube, es ist ein Internet-Ding. Es ist nichts, worauf das Studio schaut.“
Bemerkenswert ist nicht der Inhalt, sondern die Konsequenz. IGN notiert, dass Baynes den Namen des Konkurrenzspiels partout nicht ausspricht – die Redaktion vergleicht ihn mit dem Branchen-Äquivalent von Lord Voldemort. Kein „GTA 6″ über die Lippen, nirgends. Das ist mehr als Höflichkeit gegenüber dem Haus Rockstar. Es ist die Weigerung, die eigene Serie überhaupt noch in den Schatten des anderen zu stellen.
Wer hier PR-Vorführung vermutet, liegt daneben. Baynes hätte den Vergleich mit ein paar freundlichen Sätzen ad acta legen können. Stattdessen macht er deutlich, dass er die Frage als lästig empfindet – und dass das Studio sie längst beantwortet hat, indem es sie ignoriert. Für das eigene Produkt spricht das mehr als jedes Dementi.
Zwei Spiele, 2002 noch Zwillinge – heute fremd
Der Vergleich stammt aus einer Zeit, in der er berechtigt war. Mafia und GTA 3 erschienen fast zeitgleich, beide drehten sich um Verbrechen, Waffen und begehbare Städte. „Mechanisch waren sie sehr ähnliche Spiele“, räumt Game Director Alex Cox ein. Dann hört die Gemeinsamkeit auf.
„Sie sind verschiedene Spiele – und zwar umso mehr im Laufe der Zeit.“ Cox beschreibt, wie Mafia immer linearer wurde, während Rockstar nach eigener Aussage die „industriell beste Qualität“ bei offenen Sandkästen liefert. Wo GTA zur Parodie auf Amerika wurde, blieb Mafia ein ernstes Stück Kriminaldrama. Goodfellas gegen ein Amerika-Zerrbild – mehr Trennlinie geht kaum.
Das Beste daran: Der Markt hat die These bereits bewiesen, die Studios und Fans seit Jahren debattieren. 2K verkaufte The Old Country zum 50-Dollar-Preis – und die Rechnung ging auf. Das Spiel verzeichnete über 800.000 Verkäufe in vier Tagen, Take-Two-Chef Strauss Zelnick bestätigte, dass es die Erwartungen übertraf. Ein kompaktes, lineares Spiel, das sich gegen den Trend zu breiteren Welten verkauft – das ist mehr als ein Ausrutscher.
Der Salieri-DLC ist der Beweis für den eigenen Weg
Wer immer noch glaubt, Hangar 13 träume heimlich von Rockstar-Größen, sollte sich Man of Honor ansehen. Der erste bezahlte DLC zu The Old Country erschien am 14. August und bringt kein neues Spektakel: Zwei Story-Kapitel, in denen Enzo Favara für Ennio Salieri alte Rechnungen begleicht. Der Bösewicht aus Mafia 1, spätestens seit 2002 ein Verräter in den Augen jedes Fans, sitzt plötzlich in einer Lagerhalle in Port Almaro und gibt Arbeit.
Eine solche Entscheidung fällt kein Studio, das mit den Augen auf dem Rivalen liegt. Design Director Josh Zammit setzt auf einen Charakter, den nur kennt, wer die Serie wirklich gespielt hat – statt auf einen neuen Paten, der alle ansprechen soll. Dazu kommt das Rimbalzu, ein Wurfmesser, das von einem Ziel abprallt, ein zweites erledigt und aus einer einzigen Linie zwei Bewegungen macht. Zwei Ziele, ein Wurf.
Der DLC trägt damit dieselbe Handschrift wie das Hauptspiel: Tiefe über Breite. Und er trägt sie zu einem Zeitpunkt, den niemand hätte planen können. GTA 6 wurde verschoben, der neue Termin ist November 2026. Mafia hat den Sommer für sich – nicht weil es schneller war, sondern weil es in einer anderen Liga unterwegs ist.