Embark Studios stellt die Weichen für eine radikale Kehrtwende und erwägt in ARC Raiders eine dauerhafte Trennung zwischen PvE und PvP. Statt feindliche Trupps im Schneesturm des Pendola-Passes misstrauisch durchs Zielfernrohr zu beobachten, fordern immer mehr Plünderer ein reines Miteinander gegen die übermächtigen Maschinen. Executive Producer Aleksander Grøndal räumt nun offen ein, dass zwei getrennte Warteschlangen sehr wahrscheinlich sind, obwohl die interne Belegschaft erbittert über die Zerreißprobe für das Matchmaking streitet.
Embark öffnet die Tür für reine Koop-Raids
Executive Producer Aleksander Grøndal hält eine dauerhafte Aufteilung von ARC Raiders in separate PvE- und PvEvP-Modi für sehr wahrscheinlich. Im Gespräch mit GamesRadar erklärte der leitende Entwickler, dass das Studio die Wünsche der Community respektieren müsse, selbst wenn dies der ursprünglichen Ausrichtung des Extraction-Shooters widerspricht. Das Team diskutierte diesen Schritt bereits monatelang hinter verschlossenen Türen. Viele Spieler meiden den offenen Schlagabtausch und suchen auf der Oberfläche gezielt nach Zweckbündnissen.
Bereits der anstehende Testlauf vom 13. bis 20. Oktober kappt den Schaden zwischen menschlichen Raidern vorübergehend komplett. Wer den PvE-Schalter in ARC Raiders umlegt, zieht ohne Angst vor Hinterhalten los, muss dafür jedoch Abstriche bei der Ausbeute hinnehmen. Embark nutzt die Testphase als gezielten Feldversuch, um belastbare Telemetriedaten über das tatsächliche Spielerverhalten zu sammeln.
Gespaltene Lobbys gefährden das operative Matchmaking
Zwei getrennte Spielmodi halbieren die aktive Spielerbasis und verlängern die Wartezeiten in schwächer besetzten Regionen spürbar. Grøndal räumt unumwunden ein, dass innerhalb von Embark Studios keineswegs jeder Mitarbeiter Beifall klatschte, als die Idee des Tests auf den Tisch kam. Skeptiker im Studio fürchten eine Verwässerung des Grundkonzepts, bei dem die Paranoia vor anderen Plünderern den eigentlichen Nervenkitzel ausmacht. Neben zähen Wartezeiten droht vor allem eine Entwertung der Beute-Ökonomie, wenn risikoarme Koop-Durchläufe die Tresore mühelos füllen.
Reine PvE-Spieler verlangen nach härteren Maschinenbossen und unerbittlichen Angriffswellen. Zeitgleich drohen die gemischten PvEvP-Lobbys zur reinen Arena für unbarmherzige Hardcore-Schützen zu veröden. Genau diese Kluft zwingt die Entwickler dazu, das Beute-Gefüge im Vorfeld rigoros abzuschotten.
Die Kluft zwischen friedfertigen Sammlern und aggressiven Jägern existiert in der Community ohnehin längst. Embark vollzieht mit dem Test lediglich nach, was die Spielerbasis seit dem Start der Erweiterung Frozen Trail 2.0 im Pendola-Pass lautstark einfordert. Ob beide Lager auf Dauer im selben Spiel koexistieren können, entscheiden die nackten Serverdaten nach dem 20. Oktober.
Konkurrenzdruck zwingt das Genre zum Umdenken
Konkurrierende Extraction-Shooter wie Marathon weichen ihre PvP-Fokussierung mit dauerhaften Koop-Modi auf und setzen traditionelle Genre-Grenzen unter Zugzwang. Ursprünglich begann ARC Raiders seine Entwicklung als reines Koop-Projekt gegen Killer-Roboter, bevor das Studio den Kurs kurz vor dem Release Richtung PvEvP korrigierte. Nun schlägt das Projekt eine bemerkenswerte Schleife. Wenn selbst Bungie für seinen Extraction-Titel einen dauerhaften PvE-Modus vorbereitet, verliert das starre Festhalten an Zwangskonfrontationen im gesamten Genre an Boden.
Embark steht vor der Grundsatzfrage, wie viel Kompromissbereitschaft das eigene Konzept überhaupt verträgt. Aleksander Grøndal hat die Tür zur Trennung aufgestoßen – zuschlagen lässt sie sich nach diesem Bekenntnis kaum noch.


