Ubisoft hat seit der Ankündigung 2022 fast nichts zu Assassin’s Creed Codename Hexe gesagt. Jean Guesdon, der Creative Director, ließ im März lediglich durchblicken, dass man leise sein werde, eine ganze Weile noch. Dieses Schweigen füllt seit Jahren ein einziger Leaker: RogueTx. Und dessen jüngster Fund hat es in sich – nicht weil er bahnbrechende Enthüllungen bringt, sondern weil er erstmals konkrete Zahlen liefert. Preis, Editionen, Map-Struktur, sogar einen Grafik-Vergleich zu Shadows. Es ist der bislang detaillierteste Blick auf ein Spiel, das noch nicht offiziell existiert. Und er zeichnet das Bild eines Assassin’s Creed, das anders sein will als alles, was Ubisoft zuletzt abgeliefert hat.
70 Dollar, drei Editionen und ein Bonus-Quest – der Preis der Finsternis
Fangen wir mit dem an, was am handfestesten ist: dem Preis. Laut RogueTx wird die Standard Edition von Assassin’s Creed Codename Hexe auf Xbox Series X|S, PS5 und PC 69,99 US-Dollar kosten. Dazu gesellen sich eine Deluxe Edition für 89,99 und eine Collector’s Edition für 119,99 US-Dollar. Wer vorbestellt, bekommt eine Bonus-Quest gratis dazu – eine Methode, die Ubisoft bereits bei Shadows gefahren hat und die mit gemischten Reaktionen aufgenommen wurde.
Die Deluxe Edition wird vermutlich Zugang zu bestimmten Items oder kosmetischen Extras enthalten. Die Collector’s Edition dürfte, wenn man den Preis als Maßstab nimmt, neben dem Spiel auch eine Figur, ein Artbook oder ähnliches physisches Beiwerk liefern. Genaue Inhalte der höheren Editionen sind bislang nicht durchgesickert.
Dazu kommen ein Expansion Pack und ein Booster Pack – beides kostenpflichtig. Die Expansion soll in Würzburg spielen, genauer gesagt in den „tiefen Wäldern des Taubertals“, wo die Spieler ein „mächtiges Isu-Artefakt“ vor den Hexenjägern bergen müssen. Dass Würzburg ursprünglich als Hauptschauplatz des Spiels gehandelt wurde, sorgte zuletzt für Verwirrung. Der Leak stellt klar: Nürnberg ist der zentrale Hub, Würzburg das Ziel der Erweiterung.
Lineare Dörfer statt Open World – wie sich Hexe von Shadows abhebt
Der interessanteste Punkt des Leaks betrifft die Spielwelt. Anders als Shadows, das auf eine klassische Open World setzt, wird Hexe eine „großflächige, aber lineare Karte“ bieten. Mehrere Dörfer, ausgedehnte Wälder und „viel mehr“ – aber alles in einer klar strukturierten Abfolge, nicht im frei erkundbaren Sandkasten.
Das erinnert eher an ältere Assassin’s Creed-Teile oder an das City Hub Design von Unity oder Syndicate. Nur eben in einem düsteren, deutschen Wald-Setting zur Zeit der Hexenverfolgung.
Noch spannender: RogueTx behauptet, dass Magie zwar ursprünglich eine größere Rolle spielen sollte, aber „in der einen oder anderen Form“ immer noch vorhanden ist – vermutlich über das Isu-Artefakt. Statt übernatürlicher Kräfte liegt der Fokus wohl auf einem ausgefeilten Kampf- und Bewegungssystem. Frühere Leaks von Insider Gaming deuteten an, dass Ubisoft professionelle Kontorsionisten für die Motion-Capturing-Sessions engagiert hat. Das Bewegungsystem soll „flüssiger als je zuvor“ sein.
Und dann ist da noch der Grafik-Vergleich. Der Leaker formuliert es deutlich: „Hexe ist grafisch düster und eine ganze Ecke besser als Shadows.“ Das klingt nach einem Statement, das man bei Ubisoft nicht gerne hören wird – impliziert es doch, dass Shadows in diesem Bereich hinter den Erwartungen zurückblieb. „Sie haben die Negativpunkte von Shadows genommen und daraus ein Meisterwerk gemacht“, heißt es weiter. Große Worte für ein Spiel, das noch niemand gesehen hat.
Juni 2027 als Platzhalter – ob der Termin hält
Zum Release-Datum bleibt RogueTx vage: Juni 2027 ist weiterhin das Ziel, aber „höchstwahrscheinlich ein Platzhalter“. Insider Gaming hatte ebenfalls den Juni 2027 genannt – doch die Einschränkung des Leakers ist bezeichnend: „Das kann sich jederzeit ändern. Glaub nicht, dass das hält.“
Das ist ehrlich – und notwendig. Ubisofts Track Record bei großen Releases ist in den letzten Jahren durchwachsen. Shadows kam nach mehreren Verschiebungen im März 2025 auf den Markt, das Black Flag-Remake erschien pünktlich, aber unter Zeitdruck. Und Hexe hat bereits einen kreativen Wechsel hinter sich: Clint Hocking verließ das Projekt, Jean Guesdon übernahm. Solche Umbrüche kosten Zeit.
Sollte der Juni 2027 tatsächlich halten, wäre eine Ankündigung noch dieses Jahr oder Anfang 2027 wahrscheinlich. Black Flag Resynced wurde nur Monate vor dem Release angekündigt – ein ähnlich kurzer Vorlauf wäre für Hexe nicht ausgeschlossen, passt aber nicht zur „stillen“ Strategie, die Guesdon im März skizzierte.
Bis dahin bleibt Hexe das, was es seit 2022 ist: das spannendste Mysterium der Assassin’s Creed-Reihe. Nur dass wir jetzt wissen, wie viel wir dafür bezahlen werden.