Zwei Millionen Menschen haben Resident Evil Veronica auf die Wunschliste gesetzt, bevor sie auch nur eine Sekunde Gameplay gesehen haben. Kein Preis, kein Datum, kein zweiter Trailer – nur ein Name, ein Team und die Erinnerung an ein unterschätztes Original von 2000.
Die Zahl, die Capcom ernst nehmen muss
Zwei Millionen Wishlists. Das ist kein netter Meilenstein, den man mit ein paar Emojis abhakt – das ist ein Signal. Resident Evil Veronica steht auf Steam aktuell auf Platz 8 der meistgewünschten Spiele, und das Monate vor dem geplanten Release irgendwann in der ersten Hälfte 2027. Capcom selbst hat die Zahl auf Social Media bestätigt, inklusive einer charmant schrägen Dankesgeste: zwei Millionen Kekse für zwei Millionen Wunschlisteneinträge.
Was Wishlists in echte Verkäufe übersetzen, ist nie eine exakte Wissenschaft. Aber die Faustregel der Branche – zwischen 20 und 50 Prozent Conversion je nach Hype und Preis – würde selbst im konservativsten Szenario über 400.000 Day-One-Käufe bedeuten. Im optimistischen Fall bewegt sich das Richtung einer Million. Für ein Remake, von dem wir keine Sekunde Gameplay gesehen haben.
Capcom weiß das. Der Publisher hat im letzten Geschäftsbericht klargemacht, dass Remakes keine Lückenfüller sind, sondern das Rückgrat einer Strategie, die neue IPs wie Pragmata überhaupt erst möglich macht. Veronica ist kein Nebenprojekt. Es ist die nächste Rate auf einen Kredit, den Capcom bei seinen Fans aufgenommen hat – und den das Studio bisher immer zurückgezahlt hat.
Schneller als Requiem – und das ohne Gameplay
Jetzt wird es interessant. Resident Evil Requiem – das letzte große Serien-Original, das im Februar 2026 mit einem Metacritic-Nutzerscore von 9,5 einschlug und in fünf Tagen über fünf Millionen Einheiten verkaufte – brauchte für die Zwei-Millionen-Wishlist-Marke etwa vier Monate. Und das mit mehreren Trailern, Entwickler-Interviews und einem massiven Marketing-Apparat im Rücken.
Veronica hat denselben Meilenstein schneller geknackt. Mit exakt einem Trailer. Einem Trailer, der zum Großteil in der Ego-Perspektive gefilmt war, obwohl das Spiel in der Third-Person-Ansicht gespielt wird.
Dieser Vorsprung ist kein Zufall und keine Laune des Algorithmus. Es ist ein Vertrauensvorschuss, den kein Marketing-Budget kaufen kann. Als Capcom 2019 das Remake zu Resident Evil 2 veröffentlichte, war die Skepsis noch greifbar – kann man einen PS1-Klassiker wirklich in die Moderne holen? Die Antwort: 16,8 Millionen verkaufte Einheiten später ist Resident Evil 4 Remake das erfolgreichste Remake aller Zeiten. Die Leute wissen inzwischen, was sie bekommen. Oder besser: von wem sie es bekommen.
Das Team, dem die Leute blind vertrauen
Yasuhiro Anpo und Kazunori Kadoi. Die beiden Namen sind der eigentliche Grund, warum zwei Millionen Menschen auf einen Knopf gedrückt haben, ohne Gameplay, ohne Preis, ohne festes Datum.
Anpo war Co-Director bei Resident Evil 2 Remake und Resident Evil 4 Remake – zwei Spielen, die nicht nur kommerziell alles gesprengt haben, sondern auch die Messlatte dafür verschoben, was ein Remake leisten kann. Bei Veronica übernimmt er erstmals die alleinige Regie. Kadoi, der bei RE2 Remake ebenfalls Co-Director war, rückt als Associate Director an seine Seite. Capcom hat Anpo parallel zum General Director von Pragmata befördert – ein Signal, wie hoch der Mann intern gehandelt wird.
Dass dieses Team jetzt Code Veronica anpackt, ist bemerkenswert. Das Original von 2000 gilt unter Fans als das vielleicht unterschätzteste Spiel der Hauptreihe – ein Übergangswerk zwischen der klassischen Tank-Steuerung und dem Action-orientierten RE4, das nie die Aufmerksamkeit bekam, die es verdiente. Die Geschichte um Claire und Chris Redfield auf einer entlegenen Gefängnisinsel war düsterer, seltsamer und ambitionierter als vieles, was die Serie davor oder danach versuchte.
Dusk Golem, der in der Resident-Evil-Leak-Szene eine notorisch gute Trefferquote hat, will außerdem wissen, dass Capcom für Veronica einen großen Story-DLC plant – als Ersatz für die fehlenden Spin-Offs, die früher den Raum zwischen den Hauptteilen füllten. Sollte das stimmen, wäre Veronica nicht nur ein Remake, sondern ein vollwertiger neuer Eintrag ins erweiterte Resident-Evil-Universum.
Ob das erste Gameplay bei der Gamescom Opening Night Live oder der Tokyo Game Show gezeigt wird, ist Spekulation. Aber wenn Capcoms Zeitplan hält – Release in der ersten Hälfte 2027, möglicherweise sogar bis zum 31. März zum Ende des Fiskaljahres –, dann werden wir nicht mehr allzu lange raten müssen. Bis dahin wächst die Wishlist-Zahl weiter. Und mit jedem Tag ohne Trailer wird das Vertrauen, das dahintersteht, nur noch beeindruckender.