16,8 Millionen verkaufte Einheiten, 560 Millionen Dollar Umsatz – und der offizielle Capcom-Wert liegt noch einmal drei Millionen drunter. Alinea Analytics hat ein Ranking der erfolgreichsten Remakes dieser Generation veröffentlicht, und es bestätigt, was viele geahnt haben: Resident Evil 4 Remake ist der unangefochtene Spitzenreiter. Aber die eigentliche Geschichte steht nicht auf Platz 1.
16,8 Millionen – und die drei Millionen Lücke
Capcom selbst hat das Resident Evil 4 Remake zuletzt mit 13,6 Millionen Einheiten beziffert – Stand März 2026. Alinea Analytics geht jetzt von 16,8 Millionen aus, basierend auf eigenen Berechnungen und Marktdaten. Die Differenz von über drei Millionen Einheiten in vier Monaten klingt erstmal viel, ist aber realistisch: Als das Remake die 10 Millionen Marke knackte, war das im Frühjahr 2025. Seitdem hat Capcom konsequent Rabattaktionen gefahren und das Separate Ways-DLC ausgeliefert. Dass sich das Spiel im zweiten Jahr noch einmal sechs Millionen Mal verkauft hat, passt ins Bild. Der Umsatz von 560 Millionen Dollar unterstreicht: RE4 Remake ist nicht nur ein künstlerischer Volltreffer mit einem Metacritic-Score von 94 – sondern auch ein kommerzieller.
Trotzdem gilt: Die 16,8 Millionen sind eine Schätzung, kein offizieller Capcom-Wert. Das Unternehmen selbst meldet seine Zahlen in der Regel nach Quartalsabschlüssen. Alinea Analytics hat sich in der Vergangenheit aber als zuverlässig erwiesen – auch bei Oblivion Remastered lagen die Analysen des Instituts nah an den offiziellen Angaben.
Dinosaurier, Zombies und ein Überraschungs-Podium
Dass RE4 Remake führt, überrascht niemanden. Spannend wird das Ranking erst ab Platz 2. Dort steht mit ARK: Survival Ascended ein Spiel, das auf den ersten Blick wie ein Fehler in der Statistik wirkt. Sieben Millionen verkaufte Einheiten für ein Remaster eines Survival-Klotzes, der selbst in der Ursprungsversion schon wie ein Early Access Projekt aussah? Doch genau das ist der Punkt: ARK: Survival Evolved hatte eine riesige, treue Community, die auf eine technisch bereinigte Version gewartet hat. Der Erfolg von Ascended zeigt, dass Remakes nicht immer Meisterwerke modernisieren müssen – manchmal reicht es, ein geliebtes Produkt von seinen technischen Altlasten zu befreien.
Platz 3 geht an The Last of Us Part 1 mit 6,3 Millionen Einheiten. Das Remake von Naughty Dogs Klassiker galt bei Release als überflüssig – das Original war gerade erst für die PS4 remastered worden. Die Zahlen geben den Kritikern allerdings Unrecht: Die zeitliche Nähe zur HBO-Serie hat die Verkäufe offenbar massiv befeuert. Naughty Dog selbst betont immer wieder die kreative Kontrolle über die Marke – und die Verkaufszahlen geben ihnen recht.
Oblivion Remastered folgt mit 4,5 Millionen auf Platz 4 – eine solide Zahl, wenn man bedenkt, dass der Titel monatelang mit technischen Problemen zu kämpfen hatte und Digital Foundry ihn als einen der schlechtesten PC-Ports aller Zeiten bezeichnete. Assassin’s Creed Black Flag Resynced schafft es mit 3,5 Millionen in zwei Wochen ebenfalls in die Liste – Tendenz stark steigend.
Was das Ranking über die Remake-Strategie der Publisher verrält
Drei Dinge fallen auf, wenn man sich das gesamte Ranking anschaut. Erstens: Die erfolgreichsten Remakes sind nicht die, die das meiste Geld in die Optik gesteckt haben. The Last of Us Part 1 sah schon auf der PS4 fantastisch aus – das Remake war ein „Luxus-Remake“, ein audiovisuelles Upgrade ohne inhaltliche Änderungen. ARK: Survival Ascended hingegen hat ein technisch marodes Spiel auf zeitgemäßen Standard gebracht. Zwei komplett unterschiedliche Philosophien, beide erfolgreich.
Zweitens: Die Verkaufszahlen zeigen, wie sehr die Markenstärke des Originals den Erfolg des Remakes bestimmt. Resident Evil 4 war schon 2005 ein Meilenstein. The Last of Us war 2013 ein Meilenstein. Oblivion war 2006 ein Meilenstein. Die Remakes dieser Generation verkaufen sich nicht trotz, sondern wegen des hohen Bekanntheitsgrads ihrer Vorlagen. Das klingt banal, ist es aber nicht: Es erklärt, warum Publisher lieber gesicherte Marken neu auflegen, als neue IPs zu riskieren.
Drittens – und das ist die eigentliche Pointe: Capcom hat mit dem RE4 Remake die Nase vorn, aber gleichzeitig das größte Problem. Das Unternehmen hat sich mit seinen Remakes so hoch gehangen, dass die Messlatte für Resident Evil Code: Veronica und das geplante Zero Remake enorm hoch liegt. Und während Capcom taktisch pausiert, preschen andere vor – mit Silent Hill 2, mit MGS Delta, mit Black Flag Resynced. Der Remake-Markt wird enger, die Konkurrenz besser. Dass das RE4 Remake jetzt offiziell das erfolgreichste Remake aller Zeiten ist, könnte der Moment sein, in dem Capcom sich fragt: Was kommt danach?