Es ist ein zweischneidiges Schwert, das Microsoft und Bethesda da schwingen. Einerseits hat The Elder Scrolls 4: Oblivion Remastered auf der PlayStation 5 beachtliche 1,1 Millionen Exemplare verkauft – eine respektable Zahl für einen Remaster eines beinahe zwei Jahrzehnte alten Rollenspiels. Andererseits offenbart eine Analyse von Alinea Analytics eine beunruhigende Wahrheit: Etwa die Hälfte aller PS5-Spieler hat das Spiel nach gerade einmal 15 Stunden wieder beiseitegelegt. Das wirft Fragen auf. Liegt es an den technischen Unzulänglichkeiten, die das Remaster auch Monate nach dem Launch noch plagen? Oder hat die moderne Spielerschaft schlichtweg keine Geduld mehr für das gemächliche Tempo und die etwas antiquierten Mechaniken eines Klassikers aus dem Jahr 2006?
Der Schatten der technischen Mängel
Wer sich in den Weiten von Cyrodiil verloren hat, weiß: Oblivion war schon damals ein technisches Minenfeld. Abstürzende Physik-Engines, durch die Luft segelnde NPCs und Questbugs, die ganze Spielstände ruinieren konnten – all das gehörte zum Charme der ursprünglichen Veröffentlichung. Doch während man solche Eskapaden 2006 noch mit einem müden Lächeln quittierte, sind die Erwartungen heute deutlich höher. Das Remaster sollte diese Probleme eigentlich ausmerzen, doch Berichte über Performance-Einbrüche, Grafikfehler und Bugs häufen sich auch Monate nach der Veröffentlichung.
Es ist schwer zu ignorieren, dass genau diese technischen Schwierigkeiten einen erheblichen Anteil daran haben könnten, dass so viele Spieler vorzeitig das Handtuch werfen. Wer möchte schon in ein episches Fantasy-Abenteuer eintauchen, wenn er ständig von Framedrops und Abstürzen aus der Immersion gerissen wird?
Game Pass frisst die Verkaufszahlen
Während Oblivion Remastered auf der PS5 solide Zahlen vorweisen kann, bietet der Blick auf ein anderes Xbox-Franchise interessante Einblicke in die Mechaniken von Microsofts Strategie. Gears of War Reloaded, eine aufpolierte Neuauflage von Gears of War: Ultimate Edition, verkaufte sich laut Alinea Analytics 572.000 Mal auf der PS5. Auf der Xbox hingegen kamen nur magere 202.000 Exemplare über den Ladentisch, während Steam immerhin 73.000 Verkäufe verzeichnen konnte.
Der Grund für diese Diskrepanz? Game Pass. Rund 1,6 Millionen Spieler haben Gears of War Reloaded über das Abo-Modell gespielt, ohne einen Cent für das Spiel selbst auszugeben. Das zeigt deutlich, wie der Subscription-Service die klassischen Verkaufszahlen kannibalisiert. Für Microsoft mag das strategisch Sinn ergeben, doch es wirft die Frage auf, wie nachhaltig dieses Modell langfristig ist – besonders für Entwickler, die auf solide Verkaufszahlen angewiesen sind.
PlayStation Spieler entdecken alte Schätze zum ersten Mal
Ein weiterer faszinierender Aspekt ist die Tatsache, dass viele PlayStation-Spieler zum ersten Mal mit diesen Franchises in Berührung kommen. Gears of War war jahrzehntelang eine Xbox-Exklusivmarke, und für viele Sony-Fans ist Reloaded die erste Gelegenheit, Marcus Fenix und seine Truppe in Aktion zu erleben. Das erklärt die überproportionalen Verkaufszahlen auf der PS5 im Vergleich zur Xbox, wo die Reihe längst zum alten Eisen gehört.
Ob diese Erstkontakte ausreichen, um Appetit auf den kommenden Titel Gears of War: E-Day zu machen, der später in diesem Jahr erscheinen soll, bleibt abzuwarten. Doch Microsoft setzt offenkundig darauf, dass ein Appetithäppchen auf fremden Plattformen langfristig neue Fans generiert.
Forza Horizon 5 und die Macht der Multiplattform-Strategie
Zum Vergleich: Forza Horizon 5 hat auf der PS5 angeblich über fünf Millionen Exemplare verkauft – eine astronomische Zahl, die zeigt, wie hungrig die PlayStation-Community nach hochwertigen Rennspielen ist. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Microsofts Entscheidung, seine großen Marken auch auf konkurrierende Plattformen zu bringen, finanziell durchaus Sinn ergibt. Ob das jedoch auf lange Sicht die Identität der Xbox als Plattform verwässert, ist eine Debatte, die in der Community hitzig geführt wird.