Die Debatte um den Einsatz generativer KI in der Spieleentwicklung nimmt kein Ende – und ein weiteres Studio hat nun seine Position klar dargelegt. Owlcat Games, bekannt für tiefgründige Rollenspiele wie Rogue Trader und die Pathfinder-Reihe, hat bestätigt, dass The Expanse: Osiris Reborn während der Entwicklung auf KI-Werkzeuge zurückgegriffen hat. Was genau dabei genutzt wurde und was ausdrücklich nicht, beschreibt PR-Managerin Katarina Popp in bemerkenswerter Klarheit.
KI als internes Werkzeug – nicht als Endprodukt
Popp betonte in einem Pressegespräch, dass generative KI bei The Expanse: Osiris Reborn ausschließlich für interne Prozesse wie Prototypenentwicklung und Platzhalter-Assets eingesetzt wurde. Diese Inhalte werden vor dem finalen Release vollständig durch menschlich erstellte Arbeiten ersetzt. Kein einziges KI-generiertes Asset soll im veröffentlichten Spiel zu finden sein – weder in der Grafik noch bei Texten, noch bei Synchronsprechern.
Der konkrete Einsatzbereich: das schnellere Durchlaufen iterativer Entwicklungsphasen. Ob eine zweidimensionale Bildidee dreidimensional funktioniert, ob eine Farbpalette stimmig ist – für solche technischen Überprüfungen, bei denen es um Geschwindigkeit und nicht um Kreativleistung geht, kam die Technologie zum Einsatz. Diese klar definierte Eingrenzung ist wichtig, weil sie den Unterschied zwischen KI als Produktionshilfe und KI als Ersatz für menschliche Kreativarbeit verdeutlicht.
Keine Neuigkeit – Owlcat hatte das bereits 2024 kommuniziert
Das Thema ist für Owlcat Games nicht ganz neu. Bereits 2024 hatte das Studio in einer Stellenausschreibung den Einsatz von KI bei der Konzeptentwicklung erwähnt – was damals eine Diskussion ausgelöst hatte. Die damalige Stellungnahme deckt sich inhaltlich mit dem, was Popp nun bestätigt: KI als Beschleuniger früher kreativer Suchprozesse und zur schnelleren Abstimmung innerhalb des Teams, aber niemals als Quelle für finales Bildmaterial. Auf den damaligen Projekten Rogue Trader und Pathfinder wurde KI demnach gar nicht eingesetzt.
Ein Trend in der Branche – und eine klare Grenzziehung
Owlcat reiht sich damit in eine wachsende Gruppe von Studios ein, die ihren Umgang mit generativer KI transparent kommunizieren. Todd Howard von Bethesda betonte die Unantastbarkeit künstlerischer Intention; Take-Two-Chef Strauss Zelnick versicherte, dass Grand Theft Auto 6 keine KI für kreative Aspekte nutzt; Krafton schloss generative KI für Project Windless aus. Die Tendenz ist erkennbar: Studios setzen KI als internes Effizienzwerkzeug ein, grenzen aber klar ab, was im fertigen Spiel landet.
Für The Expanse: Osiris Reborn, das im Frühjahr 2027 erscheinen soll und einen geschlossenen Betatest ab Ende April ermöglicht, ist diese Positionierung ein Signal an eine Community, die nach der Crimson-Desert-Kontroverse besonders sensibel für das Thema geworden ist. Owlcat kommuniziert offen – und das dürfte der richtige Ansatz sein.