Crimson Desert hat sich seit seinem Launch millionenfach verkauft – doch hinter den Kulissen soll es während der Entwicklung alles andere als harmonisch zugegangen sein. Anonyme Berichte, die mutmaßlich von ehemaligen Pearl-Abyss-Mitarbeitern stammen, zeichnen ein beunruhigendes Bild eines Studios, in dem Machtspiele, fehlgeleitete Führung und eine dysfunktionale Hierarchie das Projekt nachhaltig beeinflusst haben sollen. Was dabei ans Licht kommt, lässt einiges erklärbar erscheinen – von der kritisierten Steuerung bis hin zu inhaltlichen Ungereimtheiten im fertigen Spiel.
Anonyme Stimmen aus der Branche
Die Berichte stammen aus dem sogenannten Game Industry Lounge auf der anonymen Plattform Blind, die ausschließlich verifizierten Branchenprofis mit einer bestätigten Unternehmens-E-Mail-Adresse zugänglich ist. Ein mutmaßlicher ehemaliger Entwickler schreibt, Crimson Desert sei ursprünglich ein anderes Spiel gewesen – eines, das sich im Laufe der Entwicklung fundamental verändert habe. Als Kuriosität wird dabei erwähnt, dass der titelgebende Begriff „Crimson Desert“ im fertigen Spiel selbst nicht vorkommt, weil die Geschichte angeblich erst kurz vor der Veröffentlichung finalisiert wurde.
Machtgefüge und ein umgekehrtes Organigramm
Besonders drastisch klingen die Schilderungen rund um interne Machtkämpfe. Einem Bericht zufolge wurde ein Spieledirektor durch einen Mitarbeiter mit künstlerischem Hintergrund verdrängt, der zum General Manager aufgestiegen ist und anschließend bereits getroffene Entscheidungen des Direktors systematisch rückgängig gemacht haben soll. Dieser General Manager wird dabei als jemand beschrieben, der in der Praxis lediglich als gefügiger Untergebene fungiere – ohne eigenen Gestaltungswillen, ohne eigenständige Meinung.
Ein weiterer anonymer Poster beschreibt die Hierarchie bei Pearl Abyss als umgekehrte Pyramide: mehr Führungspositionen als ausführende Entwickler. Wer nicht die exakt gleiche Denkweise wie die Führungsebene teile, finde schlicht kein Gehör. Kritische Stimmen seien unterdrückt worden, Ideen von außen wurden ohne Kontext übernommen und planlos ins Spiel gestopft – ein Flickenteppich aus Features, wie es ein Betroffener formulierte, der zu dem kaotischen Steuerungslayout geführt habe, das nun von der Community beklagt wird.
Bitterer Nachgeschmack und Schuldzuweisungen
Die emotionale Komponente dieser Berichte ist kaum zu übersehen. Zu sehen, wie Crimson Desert gespielt wird, fühle sich bittersüß an, schreibt einer der Poster – ein Spieler erlebt ein Endprodukt, das nicht dem entspricht, was einst angedacht war. Noch aufschlussreicher ist die Befürchtung, die dabei geäußert wird: Pearl Abyss werde versuchen, die Verantwortung auf einzelne Personen abzuwälzen, statt die strukturellen Ursachen anzuerkennen. Ob diese Einschätzung zutrifft, bleibt abzuwarten – Pearl Abyss hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.
Was diese Berichte unabhängig von ihrer Verifizierbarkeit deutlich machen: Hinter einem Spiel stecken Menschen, Prozesse und Strukturen, die das Endprodukt maßgeblich formen. Crimson Desert mag trotz allem Millionen Spieler gefunden haben – doch das Potenzial, das darin steckte, scheint nach Ansicht derer, die dabei waren, bei Weitem nicht ausgeschöpft worden zu sein.


