Kaum ein Trailer auf dem Summer Games Fest 2026 ließ die Controller-Finger stärker jucken: Swords of Legends präsentierte einen kompletten Bosskampf gegen Kong Kong Ji – und der Kerl entfesselt buchstäblich ein Feuerwerk. Doch hinter der Hochglanz-Fassade des neuen Action-Rollenspiels von Aurogon Shanghai steckt eine Franchise mit ernster Altlast.
Der Bosskampf als Visitenkarte
Was die Entwickler auf dem Summer Games Fest zeigten, war kein klassischer Trailer mit schnellen Schnitten und epischer Musik – sondern ein kompletter, ungeschnittener Bosskampf. Der sogenannte Arbitrer, offiziell Si Pan genannt, tritt gegen Kong Kong Ji an, den Meister der Zaubertricks. Und der Name ist Programm: Der Gegner schleudert glühende Speere aus der Distanz, führt eine Klinge, die förmlich die Luft um sich herum zerschneidet, und zündet zur Krönung eine Attacke, die aussieht wie ein tödliches Feuerwerk.
Das Kampfsystem selbst setzt auf Tempo und Präzision. Der Protagonist tanzt regelrecht um den Boss herum, weicht Attacken mit knappen Ausweichmanövern aus und chippt geduldig an der Lebensleiste. Der entscheidende Twist kommt, als Si Pan eine Seele beschwört – konkret einen redseligen Minotaurus, der nicht nur massiven Schaden einsteckt, sondern den Feind mit seinen eigenen Hieben ins Straucheln bringt. Diese Fähigkeit, besiegte Gegner als kampftaugliche Verbündete herbeizurufen, ist das zentrale Alleinstellungsmerkmal, das das ausführliche FAQ der Entwickler als Kernmechanik hervorhebt. Flankiert wird das Ganze von göttlichen Artefakten – darunter ein explosiver Schirm für Flächenschaden oder bindende Wickel, mit denen sich Feinde festsetzen lassen.
Vom MMO-Aus zum Singleplayer-Neustart
Jetzt kommt der Teil, den die schicken Trailersequenzen elegant umschiffen. Der Name Swords of Legends tauchte im Westen bereits 2021 auf – damals als Swords of Legends Online, ein von Gameforge veröffentlichtes MMORPG. Das Projekt wurde im Sommer 2023 eingestellt, die Server sind Geschichte. Dass Aurogon Shanghai nun mit einem reinen Einzelspielertitel an den globalen Markt zurückkehrt, ist eine strategisch konsequente Kehrtwende. Statt auf ein wackliges Live-Service-Gerüst setzt das Studio auf das, was es seit 18 Jahren beherrscht: handwerklich solide Einzelspieler-Rollenspiele.
Und handwerklich ist hier wörtlich zu nehmen. Die Gujian-Reihe, zu der Swords of Legends als jüngster Ableger gehört, verkaufte in China über sechs Millionen Einheiten und gilt als eine der prestigeträchtigsten RPG-Marken des Landes. Laut der offiziellen Ankündigung von der Gamescom 2025 ist dies der erste globale Launch der 15-jährigen Franchise-Geschichte. Die Story ist ein eigenständiger Neustart: Man braucht null Vorwissen, um als Si Pan durch die Unterwelt zu streifen und verlorene Seelen ins Jenseits zu geleiten. Das Setting schöpft dabei aus dem „Klassiker der Berge und Meere“, einem 2.000 Jahre alten chinesischen Mythenkompendium – optisch und atmosphärisch meilenweit entfernt von westlicher Fantasy-Kost.
Kein Soulslike – und das ist Absicht
In einem Markt, in dem chinesische Actionspiele fast reflexartig mit dem Soulslike-Stempel versehen werden – Black Myth: Wukong hat diesen Vergleich ebenso ertragen müssen wie Phantom Blade Zero –, stellt Aurogon Shanghai unmissverständlich klar: Swords of Legends ist kein Soulslike. Die Entwickler betonen, dass das Spiel für alle Schwierigkeitsgrade zugänglich sein soll und nicht auf bestrafende Begegnungen setzt. Stattdessen definiert sich der Titel über taktische Vielfalt: die Seelenbeschwörung, flexible Waffen-Skill-Loadouts und Artefakte, die weit über stumpfes Nahkampf-Gekloppe hinausgehen.
Auch bei der Weltstruktur geht das Studio einen eigenen Weg. Keine offene Welt – stattdessen ein „Wide Linear“-Ansatz mit großen, kunstvoll designten Arealen, die nahtlos miteinander verbunden sind. Das erinnert strukturell eher an das, was das Wuxia-Epos Where Winds Meet vorgemacht hat, als an die uferlosen Open-World-Karten westlicher Produktionen. Unter der Haube werkelt die Unreal Engine 5, was die gezeigten Partikeleffekte und die dichte Atmosphäre der düsteren Unterwelt-Szenarien erklärt. Das Projekt befindet sich nach eigener Aussage seit etwa zwei Jahren in Vollproduktion – ein Investment Anfang 2024 hat dem Team die nötigen Ressourcen verschafft. Einen konkreten Release-Termin oder Preis für PS5, Xbox Series X|S und PC gibt es allerdings weiterhin nicht.
