Eigentlich wäre jetzt der Moment für den Abgesang gewesen. Nach Entlassungen, nach einer gemischt aufgenommenen Erweiterung, nach einem stillen PS5-Start schien Starfield in der Versenkung zu verschwinden – ein weiteres Spiel, das zwischen den Prioritäten eines Publishers zerrieben wird, der seine Blicke längst auf The Elder Scrolls 6 und Fallout 5 gerichtet hat. Doch dann kam die Nachricht aus Bethesda: Starfield lebt. Über 17 Millionen Spieler, fast eine Milliarde Stunden Spielzeit, Year 3 bestätigt. Und mittendrin ein Satz, der die Gemüter spaltet: „New Starborn content“ für 2027. Was ist das wert?
17 Millionen Spieler, fast eine Milliarde Stunden – die Starfield-Bilanz
Fangen wir mit den harten Zahlen an, denn die sind tatsächlich beeindruckend. Über 17 Millionen Spieler haben seit dem Launch im September 2023 die Besiedelten Systeme erkundet – und sie haben das nicht nur nebenbei getan. Fast eine Milliarde Spielstunden hat die Community in Starfield versenkt, eine Zahl, die man erstmal verdauen muss. Selbst wenn ein Großteil dieser Spieler über den Game Pass eingestiegen ist: Wer fast eine Milliarde Stunden in ein Spiel investiert, hängt daran.
Bethesda hat diese Zahlen jetzt zum Anlass genommen, um ein klares Signal zu senden. Wie IGN aus der internen Notiz von Todd Howard zitiert, bezeichnete der Studio-Chef Starfield als „important part of our future“ – und das ist mehr als eine Floskel, wenn man bedenkt, wie viele Gerüchte um eine mögliche Einstellung des Supports kursierten. Mit 40 Prozent der Spieler, die inzwischen die Creations-Funktion nutzen, und über 10 Millionen Dollar an Lizenzgebühren, die an die Creator-Community geflossen sind, hat sich neben dem Hauptspiel ein eigenes Ökosystem entwickelt. Das ist kein Spiel, das man einfach sterben lässt.
Bemerkenswert ist aber auch, was Bethesda nicht gesagt hat. Kein Wort zu Verkaufszahlen (die 17 Millionen sind Spieler, nicht verkaufte Einheiten), keine konkrete Roadmap über das nächste Jahr hinaus, kein Hinweis auf ein großes 2.0-Update, das sich viele Fans gewünscht hatten. Die Bilanz ist also: positiv, aber vorsichtig.
Year 3 zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Was genau bekommt Starfield jetzt im dritten Jahr? Die Antwort von Bethesda ist ebenso vielversprechend wie unspezifisch: „Neue Geschichten, gezielte Gameplay-Verbesserungen und zusätzliche Updates“ – dazu die Vorbereitung auf „neue Starborn-Inhalte“ für 2027. Das klingt nach einem Plan, aber nicht nach einem großen Wurf.
Der Kontext ist hier entscheidend. Shattered Space, die erste Story-Erweiterung, bekam gemischte bis negative Kritiken. Terran Armada, der zweite Content-Drop, setzte bewusst auf kleinere Erzählstrukturen – und ließ Fans dennoch unbefriedigt zurück. Nach den Entlassungen bei Bethesda wurde gleichzeitig bekannt, dass der Publisher den Fokus auf seine stärksten Franchises legt: Fallout, The Elder Scrolls – und eben nicht vorrangig Starfield.
Die Creations-Ökonomie spielt hier eine große Rolle. Dass 40 Prozent der Spieler sie nutzen und die Creator bereits zweistellige Millionenbeträge verdient haben, ist für Bethesda ein starkes Argument, diesen Weg weiterzugehen. Der Haken: Paid Creations sind kein Ersatz für handgemachte Erweiterungen. Sie können ein Spiel am Leben halten, aber sie ersetzen nicht die Vision eines Studios. Was Bethesda hier also wirklich sagt, ist: „Wir geben das Spiel nicht auf – aber die großen Budgets fließen woanders hin“, wie Kotaku in seiner Analyse der Studio-Prioritäten feststellt.
Was vom Starborn-DLC 2027 zu erwarten ist
Der interessanteste Satz in Howards Statement ist der letzte: „…while preparing for the launch of new Starborn content next year.“ Die Formulierung ist bewusst offen gehalten. Es könnte ein klassisches Story-DLC werden, das thematisch an die Starborn-Lore anknüpft – die Dimensionen-übergreifende Fraktion aus dem Hauptspiel, die Todd Howard in einem früheren Interview als philosophische Frage nach Loslassen und Neuanfang beschrieben hat. Es könnte aber auch ein Creations-Paket sein, das die Starborn-Ästhetik und -Mechaniken für die Community zugänglich macht.
Drei Szenarien zeichnen sich ab. Das optimistische: Ein handgemachtes DLC, das die Starborn-Geschichte erzählt, die Bethesda immer erzählen wollte – mit neuer Handlung, neuen Fraktionen und der handwerklichen Qualität, die man von einem Studio erwartet, das jahrelang an diesem Universum gearbeitet hat. Das realistische: Ein kleinerer Content-Drop, vielleicht eine Quest-Reihe oder ein neues Gebiet, finanziert aus dem laufenden Budget, ohne die Ressourcen eines Hauptprojekts. Das pessimistische: Ein Creations-Bundle, das Starborn-Waffen, Raumanzüge und Schiffsdesigns enthält – kommerziell sinnvoll, erzählerisch enttäuschend.
Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen Szenario zwei und drei. Bethesda hat mit Terran Armada gezeigt, dass sie kleinere, fokussierte Inhalte liefern können. Aber der Hunger der Community nach einem großen, substanziellen Content-Drop – nach einem echten „Year 3“-Highlight – ist nach Shattered Space und den Layoff-Meldungen größer denn je.