Nach dem überraschenden Comeback von The Lord of the Rings: War in the North hat Aspyr offiziell bestätigt, dass weitere „Herr der Ringe“-Klassiker für moderne Systeme zurückkehren werden. Während das Action-RPG nach Jahren im Lizenz-Limbo den Anfang macht, richtet sich der Blick der Community nun unweigerlich auf die ikonischen PlayStation-2-Ära-Titel von Electronic Arts. Ob Strategie-Meilensteine wie Schlacht um Mittelerde oder das Rollenspiel Das Dritte Zeitalter tatsächlich aus der Versenkung geholt werden können, hängt jedoch an einer komplexen juristischen Lage.
Der erste Dominostein ist mit War in the North gefallen
Das texanische Studio Aspyr Media hat sich in den letzten Jahren als Spezialist für die Portierung alter Star Wars-Spiele etabliert, betritt mit Tolkiens Universum jedoch Neuland. Die Aussage in der offiziellen Ankündigung von Aspyr, dass Fans sich auf „noch mehr klassische Veröffentlichungen“ aus dem Franchise freuen dürfen, ist ein massives Signal an die Retro-Community. Dieser Schritt wurde überhaupt erst realistisch, nachdem die Muttergesellschaft Embracer Group im Jahr 2022 die Rechteholding Middle-earth Enterprises übernahm und damit die literarischen Videospiel-Rechte am Herr der Ringe Universum zentralisiert hat.
Der plötzliche Release der Legacy Edition von War in the North zeigt exemplarisch, wie Aspyr operiert: Das 2011 von den Snowblind Studios entwickelte Spiel wurde 2019 aufgrund abgelaufener Lizenzen von allen digitalen Marktplätzen entfernt. Dass Aspyr die Publishing-Rechte nun offenbar mit Warner Bros. neu verhandeln konnte, weckt berechtigte Hoffnungen für weitaus prominentere Spiele der 2000er-Jahre, die aktuell auf moderner Hardware schlichtweg nicht legal spielbar sind.
Die Rückkehr von Schlacht um Mittelerde bleibt ein Drahtseilakt
Während jüngere Titel wie Middle-earth: Shadow of Mordor vergleichsweise reibungslos auf anstehende Systeme wie die Nintendo Switch 2 portiert werden könnten, da sie ohnehin dem Kooperationspartner Warner Bros. gehören, ist die Lage bei älteren Kultspielen deutlich komplizierter. Die frühen 2000er-Jahre wurden von Electronic Arts dominiert, die im Zuge der Peter Jackson-Trilogie Meilensteine wie The Lord of the Rings: Return of the King veröffentlichten. Das absolute Kronjuwel dieser Ära ist für viele PC-Spieler jedoch die Echtzeit-Strategie-Reihe Battle for Middle-earth.
Diese Spiele sind seit über einem Jahrzehnt in einem rechtlichen Niemandsland gefangen, da EA die Herr der Ringe-Lizenz verlor und den Vertrieb der alten Spiele einstellen musste. Damit Aspyr diese Titel als Legacy Editionen neu auflegen kann, reicht die reine Zustimmung von Embracer nicht aus; es muss eine geschäftliche Einigung mit EA über den originalen Quellcode und die damaligen Publishing-Verträge erzielt werden. Dass Aspyr den Mund nun öffentlich so voll nimmt, lässt zumindest darauf schließen, dass hinter verschlossenen Türen bereits an genau solchen branchenübergreifenden Kooperationen gearbeitet wird.
Technische Kompromisse bei der ersten Legacy Edition
Wer sich die Wartezeit auf weitere Ankündigungen mit dem aktuellen Remaster vertreiben möchte, muss sich auf seiner Plattform jedoch auf einige Abstriche einstellen. War in the North bietet in der Neuauflage für 19,99 Euro zwar moderne Features wie die Möglichkeit, per Knopfdruck nahtlos zwischen den drei Helden Eradan, Andriel und Farin zu wechseln, doch nicht alle Konsolen liefern das volle Paket.
Wie Aspyr einräumt, müssen Besitzer der Nintendo Switch und der Switch 2 sowohl auf die 60-Bilder-pro-Sekunde-Option als auch auf den lokalen Splitscreen-Koop-Modus verzichten. Während PC-, PS5- und Xbox-Spieler gemeinsam auf der Couch in den Kampf gegen den Schwarzen Númenórer Agandaûr ziehen können, bleibt Nintendo-Nutzern nur der Online-Modus. Solche drastischen Feature-Kürzungen auf Nintendos Hardware werfen unweigerlich die Frage auf, wie Aspyr potenzielle Remaster weitaus anspruchsvollerer Titel wie Shadow of Mordor in Zukunft technisch skalieren wird.