Aspyr Media hat The Lord of the Rings: War in the North – Legacy Edition ohne Vorwarnung als Shadow Drop veröffentlicht. Das 2011 von Snowblind Studios entwickelte Action-RPG ist ab sofort für PC, PS4, PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch und Switch 2 erhältlich. Das Spiel wurde im Februar 2019 von Steam entfernt – wer es legal auf modernen Systemen spielen wollte, griff bis gestern ins Leere.
4K, 60 FPS und neue Kampf-Mechaniken – aber die „brandneuen Inhalte“ bleiben nebulös
Die Legacy Edition bringt das Hack-and-Slash Abenteuer mit technischen Modernisierungen und spürbaren Quality of Life Verbesserungen zurück. Aspyr verspricht 4K-Auflösung und mehr als 60 FPS auf allen Plattformen – von der Switch bis zur PS5. Laut IGN spendiert das Remaster dem 14 Jahre alten Spiel erstmals eine Lock-on Funktion für Gegner sowie die Möglichkeit, per Hot-Swap nahtlos zwischen den Helden zu wechseln. Der lokale Splitscreen-Koop für bis zu drei Spieler funktioniert ebenso wie Online-Koop.
Die Charaktere decken klassische Rollen ab: Eradan, der Waldläufer, setzt auf Fernkampf. Andriel, die Elbenmagierin, bringt Zauber ins Gefecht. Farin, der Zwerg, tankt den Nahkampf. Jeder Held lässt sich mit neuen Fähigkeiten und Ausrüstung aufwerten – das originale Deluxe- und Pre-Order-Equipment ist inkludiert. Das 2011 mit einem Metacritic-Score von 61 verhalten aufgenommene Original galt unter Fans dennoch als unterschätzter Koop-Geheimtipp.
Doch so erfreulich die Rückkehr ist: Aspyr hält sich mit Details zu den tatsächlichen Neuerungen auffällig zurück. Die Steam-Seite listet nebulös „brand-new narrative content“, ohne zu erklären, ob es sich um neue Quests, Dialoge oder ganze Handlungsstränge handelt. Der Launch-Trailer zeigt Gameplay, das dem Original frappierend ähnlich sieht. Auch Cross-Play zwischen den Plattformen wird mit keinem Wort erwähnt.
Vom Monolith-Aus zur Warhorse-Hoffnung: Warum das Remaster jetzt erscheint
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Warner Bros. hat im Februar 2025 Monolith Productions geschlossen – das Studio hinter Shadow of Mordor und Shadow of War. Das parallel entwickelte Wonder Woman Spiel wurde ersatzlos gestrichen. Für Tolkien-Fans klafft seither eine Lücke, die erst Warhorse Studios mit ihrem angekündigten Open World RPG in Mittelerde füllen dürfte – und das liegt noch Jahre entfernt.
In dieses Vakuum stößt Aspyr mit einer budgetfreundlichen Brückenlösung: 17,55 Euro bis zum 25. August, danach 19,50 Euro. Das ist kein Vollpreis, aber für ein 14 Jahre altes Spiel ohne bestätigte inhaltliche Erweiterung auch kein Selbstläufer.
Aspyrs jüngere Remaster-Bilanz ist durchwachsen: Deus Ex Remastered wurde nach Community-Kritik auf unbestimmte Zeit verschoben. Das KOTOR-Remake wechselte nach internen Turbulenzen von Aspyr zu Saber Interactive. War in the North profitiert immerhin davon, dass der Kern des Spiels – das Hack-and-Slash-Grundgerüst des 2011 geschlossenen Snowblind Studios – nie grundlegend kaputt war.
Fairer Preis, vage Versprechen: Wo die Legacy Edition wirklich steht
Die Legacy Edition macht genau das, was sie soll: ein delistedes Spiel zurück in die Stores bringen, technisch auffrischen und mit Lock-on sowie Hot-Swap spürbar modernisieren. Ob die „brand-new narrative content“ Substanz haben oder sich auf kosmetische Ergänzungen beschränken, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Für Koop-Fans mit Tolkien-Hunger ist der Shadow Drop ein willkommener Überraschungsrelease – mehr aber auch nicht.
Wer ein Remaster mit der Sorgfalt eines Nightdive-Titels erwartet, wird enttäuscht. Wer einfach nur War in the North endlich wieder auf aktueller Hardware spielen will, bekommt genau das – und das zu einem fairen Einstiegspreis.
