Es gibt Momente in der Geschichte der Videospiele, die sich wie Mythen anfühlen. Momente, die so lange herbeigesehnt, so oft diskutiert und zu einem derartigen Phantom der Popkultur wurden, dass ihre tatsächliche Ankunft einer übernatürlichen Erscheinung gleicht. Nun ist ein solcher Moment gekommen. Nach über sechs Jahren des sehnsüchtigen Wartens, der unzähligen Memes und des kollektiven Seufzens einer ganzen Community ist die Stille gebrochen. Team Cherrys legendärer Nachfolger, Hollow Knight: Silksong, ist nicht länger ein ferner Traum oder ein Running Gag. Er ist Realität. Ohne große Vorwarnung, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ist das meisterwartete Indie-Spiel des Jahrzehnts erschienen.
Der Mythos wird zur Realität
Was einst als bescheidener DLC für das Meisterwerk Hollow Knight begann, wuchs über die Jahre zu einem vollwertigen, fast mythischen Epos heran. Die spärlichen Informationen und die ohrenbetäubende Stille der Entwickler nährten einen Kultstatus, der seinesgleichen sucht. Jede Nintendo Direct, jede große Spielemesse wurde zum Ritual der Hoffnung und der anschließenden, sanften Enttäuschung. Silksong wurde zum digitalen Godot, auf den alle warteten. Diese schier endlose Geduldsprobe hat nun ein abruptes, glorreiches Ende gefunden. Das Spiel ist für Xbox Series X/S, PS5, PC, Xbox One, PS4 sowie Nintendo Switch und die kommende Switch 2 verfügbar. Abonnenten des Game Pass können sich ebenfalls ohne zusätzliche Kosten in das Abenteuer stürzen.
Ein Ansturm, der die Dämme bricht
Die vielleicht eindrucksvollste und gleichzeitig amüsanteste Facette dieses Überraschungs-Releases ist die schiere Wucht, mit der er die digitale Welt getroffen hat. Der Ansturm war so gewaltig, dass er etablierte Vertriebsplattformen schlichtweg in die Knie zwang. Steam, die größte PC-Plattform, kapitulierte unter der Last der Anfragen. Unzählige Anhänger, mich eingeschlossen, scheiterten beim Versuch, die Store-Seite überhaupt aufzurufen oder den Titel aus dem Warenkorb heraus zu bezahlen. Ein kurzer Blick auf die Daten von SteamDB bestätigt, dass der Titel „einer extrem hohen Menge an Traffic standhält“, was darauf hindeutet, dass die tatsächlichen Spielerzahlen noch weit über den bereits sichtbaren liegen. Doch nicht nur Valves Plattform ächzte unter der Last. Berichte, wie jener von Tom Warren von The Verge, zeichnen ein Bild des totalen Chaos, bei dem Käufe auf Xbox und Nintendo Switch 2 ebenfalls fehlschlugen. Die Server-Infrastruktur des Internets war auf die geballte Macht der Hollow-Knight-Jünger schlicht nicht vorbereitet.
Die Weber des Meisterwerks
Dieses Chaos ist letztlich der schönste Beweis für die phänomenale Arbeit und die Leidenschaft, die Team Cherry in ihr Projekt investiert hat. Es ist ein Triumph für ein kleines Studio, das mit seinem Debüt die Herzen von Millionen eroberte und eine Erwartungshaltung schuf, die normalerweise nur den größten Blockbustern vorbehalten ist. Während sich die digitalen Wogen langsam glätten und die Server wieder zu Atem kommen, beginnt für Millionen von Spielenden nun endlich die eigentliche Reise. Ein neues Königreich will erkundet, neue Feinde wollen bezwungen und die Geheimnisse von Hornet wollen gelüftet werden. Das Warten ist vorbei. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen.