Wolltet ihr euch schon mal wie ein Gott auf dem Schlachtfeld fühlen? Dann habt ihr jetzt die Möglichkeit dazu, denn der Doom Slayer ist zurück – aber anders als gedacht. Anstatt auf einer Mars-Raumstation, wie es noch in Doom (2016) der Fall war, Dämonen in die Hölle zurückzubefördern, befinden wir uns im Prequel Doom: The Dark Ages in fremden Welten – mit Cyber-Rittern, riesigen futuristischen Städten, Wäldern und vielen weiteren Gebieten, die nach den beiden Vorgängern zunächst eher überraschen. Wie sich das Ganze anfühlt, erfahrt ihr jetzt!
Dunkle Zeiten brechen an
Nach den Geschehnissen auf der Mars-Station, dem Besuch in der Hölle und dem Besiegen der Höllenpriester auf der Erde geht man nun zurück und möchte die Ursprünge des legendären Doom Slayers beleuchten. Wer jetzt glaubt, dass man sich im dritten Teil seit dem Reboot ewig mit Cutscenes und Erklärungen auseinandersetzen muss, der täuscht sich. Nein, wir befinden uns sofort in einem Krieg gegen Höllenhorden. Doch der Doom Slayer ist nicht allein, denn auf dem Planeten Argent D’Nur – der eine Art Techno-Mittelalter-Setting mitbringt – kämpfen auch die Night Sentinels und die mysteriösen Maykrs gegen die Höllenbestien.

Einst gelangte der Slayer (am Ende von Doom 64) in diese Welt, wurde aufgenommen, stieg dort in den Reihen auf und wurde immer mächtiger. Doch auch den Maykrs wurde der Slayer zu mächtig, und so legten sie ihm eine Kette in Form des sogenannten Tethers an, um ihn zu kontrollieren, da sie ihn für eine Bedrohung hielten. Doch der Slayer hat andere Pläne.
Mittlerweile als Legende und sogar Gottheit verehrt, wurde er erschaffen, um der Hölle die Stirn zu bieten. Dabei rüsten ihn die Maykrs weiter mit Waffen und Equipment aus – ohne zu wissen, dass sich der Doom Slayer aus seiner Gefangenschaft befreien will. Dabei helfen ihm die Night Sentinels, angeführt von König Novik – ein Kriegervolk, das ebenfalls die Bedrohung aus der Hölle bekämpft.
Der Look, gerade in den Cutscenes, wirkt wie ein Mix aus Game of Thrones, Star Wars und Diablo. Soll heißen: mittelalterliche Rüstungen, Waffen und Burgen treffen auf Sci-Fi-Elemente, und das Ganze wirkt düster und dämonisch. Ein interessanter Ansatz, der sich durchaus für einen neuen Anlauf zur Verfilmung eignen würde.
Vom Krieger zum Gott
Wie schon erwähnt, wird der Doom Slayer von allen Fraktionen gleichermaßen verehrt und auch gefürchtet. Eine Legende, die allein über Sieg oder Niederlage im Kampf gegen die Dämonen entscheiden kann. Der Doom Slayer ist in seiner Rüstung zwar nicht unbesiegbar, aber verdammt noch mal mächtiger als alles andere. Das liegt auch daran, dass die Entwickler bewusst eine Veränderung wollten: Verglich man den Antihelden in Doom Eternal mit einem Kampfjet, so bezeichnet man ihn hier als alles niederwalzenden Panzer. Und: Yeah! Das spürt man in jeder Sekunde.

Nicht nur, dass die Night Sentinels – die in manchen Levels herumstehen und sich im Hintergrund am Kampf beteiligen – vor Ehrfurcht erstarren, wenn er mit mächtig tönendem Schritt an ihnen vorbeischreitet, es fühlt sich auch einfach so an. Das Sounddesign ist wuchtig: Jeder Schritt fühlt sich mächtig an, jeder Schlag fühlt sich mächtig an, und jeder verdammte Kill fühlt sich mächtig an. Schlägt der Slayer von einem höher gelegenen Ort auf den Boden, pulverisiert er Gegner im Umkreis.
Kill with Style
Einmal mehr hat man in Doom ein abwechslungsreiches Arsenal an Waffen zur Verfügung. Altbekanntes, aber auch Neues ist dabei zu finden. Ein Schädelmaschinengewehr namens Pulverisierer taugt am besten zur Crowd Control, der Pfähler dient als ballistisches Scharfschützengewehr, und mit der Kettenkugel lassen sich wunderbar Schilde von Gegnern entfernen.
Dabei gibt es von jeder Kategorie auch mehrere mögliche Waffen. Statt des Pfählers lässt sich beispielsweise auch der Schredder ausrüsten, der ebenfalls mit Pfahlmunition arbeitet, aber eher als Maschinengewehr funktioniert. Den Klassiker – die Kampf-Schrotflinte – gibt es natürlich auch wieder, um die Dämonenbrut zu entsorgen.
Motorsägen-Captain-America
Aber was rede ich von Waffen – der Star von Doom: The Dark Ages ist natürlich der Kampfschild! Ein Mix aus dem Schild von Captain America, einer Säge und einem Rammbock. Wer Angst hatte, dass der Doom Slayer nun zu passiv agiert und ständig blockt, der täuscht sich. Denn der Schild ist eine sehr offensive Angelegenheit. Natürlich kann er erhoben werden, um Treffer aus Nah- und Fernkampf zu absorbieren, nur „bricht“ er irgendwann und muss sich wieder aufladen.
Darum muss man auf eine andere Taktik setzen. Das Herumgehüpfe vom Vorgänger hat ein Ende.
Stattdessen kann man mit dem Schild auf Gegner zustürmen und diese pulverisieren – oder bei größeren Exemplaren zumindest dicken Schaden verursachen. Das funktioniert auch über sehr große Distanzen und bringt enorme Dynamik ins Kampfgeschehen, vor allem, wenn man das Waffenarsenal sowie die Nahkampfmöglichkeiten effektiv nutzt. Mit mehreren Ladungen kann die Kampfmaschine nämlich auch zuschlagen oder einen Morgenstern verwenden, um zusätzlichen Schaden zu verursachen oder Schilde zu zertrümmern.
Sollten größere Gegner zu sehr nerven, so kann der Slayer seinen Schild in sie hineinwerfen. Dieser sägt sich dann hinein und betäubt den Dämon für einige Zeit – genug, um sich mit anderen Gegnern zu beschäftigen oder ihn gezielt auszuschalten. Mit der Zeit bekommt man einen starken Flow und ein Gefühl von Unbesiegbarkeit. Kombiniert man die Moves gekonnt, regnet es Leben, Energie und Munition nach passenden Kills. Außerdem verlangen die verschiedenen Gegnertypen stets andere Taktiken und Waffen.
Die Glory-Kills sind dieses Mal aufgrund des neuen Kampfsystems etwas in den Hintergrund gerückt – was den Flow verstärkt, aber auch schade ist. Erwischt man Gegner mit dem Schildwurf oder anderen Aktionen aus dem richtigen Winkel, gibt es dennoch coole Kill-Animationen. Bei Mini-Bossen wird stets das Herz herausgerissen und zu Boni wie mehr Leben, Schild oder Munition verarbeitet.
Looten, aber kein Leveln
Als wären das nicht schon genug Möglichkeiten, um Dämonengedärme zu verteilen, kann man im späteren Verlauf auch Gold und weitere Währungen einsammeln. Diese dienen zur Verbesserung der Waffen, des Schilds oder des Morgensterns. Zwar sprechen die Entwickler teilweise von Builds, doch soweit würde ich nicht gehen – fleißige Sammler können in einem Durchgang alles upgraden.

Dennoch sollte man sich überlegen, welche Waffen man bevorzugt und welche zum eigenen Spielstil passen. Gerade bei den Waffen gibt es bei Upgrades oft zwei Optionen, von denen man nur eine aktivieren kann – diese lässt sich aber jederzeit ändern. Ebenso, ob man lieber auf den Panzerhandschuh setzt, der Gegner elektrisieren und Kombos ermöglichen kann, oder auf den schildvernichtenden Morgenstern. Auch hier können beide Varianten separat aufgerüstet werden.
Zwar kann der Doom Slayer an den dazugehörigen Schreinen nicht direkt aufgerüstet werden, doch durch die erwähnten Mini-Bosse steigern sich im Spielverlauf Leben, Schild und Munitionskapazität.
Aber da man sich ab Minute eins ohnehin schon extrem mächtig fühlt, fällt das nicht negativ ins Gewicht.
Zusätzlich verstecken sich in den 22 Levels allerlei Sammelobjekte: Die typischen Actionfiguren werden ergänzt durch weitere Items zum Aufleveln der Waffen sowie Skins. Schön dabei: Zu Beginn eines Levels wird angezeigt, wie viel es zu finden gibt – auf der (teilweise etwas unübersichtlichen) Karte werden sie als Fragezeichen markiert.
Mit allen Mitteln in die Hölle und zurück
Optisch kann Doom: The Dark Ages sich deutlich mehr austoben als seine Vorgänger: Statt den immer gleichen Marslandschaften und Raumstationen gibt es hier Wälder, Städte und Burgen. Zudem sind die Levels nicht nur schlauchförmig, sondern teils auch offener und frei erkundbar – was für Abwechslung sorgt. Und: Man darf endlich einen Atlan steuern – riesige Maschinen, die die Night Sentinels entworfen haben, um großen Dämonen gehörig aufs Fressbrett zu geben.

So fühlt man sich nicht nur göttlich, sondern auch wie eine Art Godzilla. Zwar ist das Gameplay hier recht simpel (Gehen, Schlagen, Blocken), doch die Abschnitte fühlen sich einfach fett an. Weitere Abwechslung bringt der Flugdrache, den der Slayer in manchen Missionen besteigt. Mit ihm verfolgt man Raumschiffe und attackiert Gegner in einer Art Drohnenmodus. Zudem können immer wieder stationäre Geschütze verwendet werden.
Die Technik
Doom: The Dark Ages ist unglaublich wuchtig. Jeder Schuss, jeder Schildschlag und selbst jeder Schritt knallt ordentlich. Dazu gibt es einen gelungenen Metal-Soundtrack, der zwar nicht ganz an den Vorgänger heranreicht, aber zwischen brutal und episch alles erfüllt, was man sich erwartet.
Optisch zeigt sich der neue Teil – wie bereits erwähnt – deutlich abwechslungsreicher und mutiger als zuvor. Im späteren Spielverlauf gibt es einige Überraschungen zu entdecken. Grafisch ist Doom auf hohem Niveau: Effekte, Schatten und Weitsicht – hier gibt es einiges zu sehen, vor allem weil sich auch im Hintergrund oft viel tut und die Welten wunderbar gestaltet sind. Da lohnt es sich, mitten im Action-Gemetzel auch mal innezuhalten, damit die gelungenen Level nicht spurlos an einem vorbeiziehen.