EA Sports FC 26 steht vor dem kuriosesten Moment der Post-FIFA-Ära: Die erste Männer-WM seit der Trennung von FIFA rückt an, und EA darf sie nicht „FIFA World Cup“ nennen. Der Workaround heißt „The World’s Game“ – ein Update, das am 28. Mai 2026 erscheint, 53 teils lizenzierte Nationalteams bringt und ab 4. Juni einen 48-Team-Turniermodus freischaltet. Doch zwischen den Zeilen steckt mehr Sprengstoff als ein Nullnummernspiel in der Nachspielzeit: US-Sanktionen, Lizenz-Lücken und ein Ultimate-Team-Lockvogel namens Pelé.
WM ohne FIFA-Namen – EAs größter Lizenz-Trick seit der Scheidung
Seit EA und FIFA sich 2023 überwarfen, heißt die Reihe EA Sports FC. Die neue Realität: Der Weltverband kassiert nicht mehr mit, und EA darf das offizielle WM-Branding nicht verwenden. Statt eines „FIFA World Cup 2026“-Modus gibt es einen schlichten „internationalen Turniermodus mit 48 Nationalmannschaften“.
Die Mechanik orientiert sich trotzdem eng an der realen WM: Drei Gruppenphasen-Matches, die beiden bestplatzierten Teams jeder Gruppe sowie die acht besten Drittplatzierten ziehen in eine 32er-K.-o.-Runde ein. Zwei neue lizenzierte Stadien – Gillette Stadium und BMO Field – plus ein fiktives „Central Maw“-Stadion sollen WM-Atmosphäre simulieren. Es ist funktional das, was frühere FIFA-Titel als offiziellen WM-Modus boten – nur ohne Hymne, ohne markenrechtlich geschützte Insignien und ohne das Wort „FIFA“ irgendwo im Menü.
Für wen das wie eine Mogelpackung klingt: EA hat schlicht keine Wahl. Die FIFA-Lizenz ist weg, und eine neue zu kaufen wäre absurd teuer. Stattdessen setzt der Publisher auf das, was er selbst kontrolliert – die Klub- und Nationalmannschaftslizenzen.
US-Sanktionen, Lizenzpolitik und fünf generische Teams
Dass Geopolitik bis in dein Ultimate-Team-Menü durchschlägt, ist die absurd-konkrete Pointe dieses Updates. Das Team-Lineup liest sich stellenweise wie eine außenpolitische Stellungnahme der US-Regierung:
- 53 voll lizenzierte Nationalteams, 41 davon nehmen an der realen WM 2026 teil. Darunter Brasilien, England, Frankreich, Deutschland, Argentinien – die üblichen Verdächtigen, aber auch Usbekistan und Kap Verde.
- Ägypten und Japan – nicht lizenziert, aber mit authentischen Spielernamen. Heißt: Mo Salah und Kollegen sind erkennbar, aber das Trikot ist generisch.
- Algerien, Curaçao, Iran, Irak und Jordanien – komplett generische Teams, keine echten Spieler, keine Wappen. Warum? EA erklärt es im Statement mit der Brechstange: „Die Aufnahme von Nationalteams hängt von unserer Fähigkeit ab, Lizenzrechte direkt zu sichern und geltende Gesetze und Vorschriften – einschließlich US-Sanktionen – einzuhalten, die unsere Partnerschaftsmöglichkeiten mit bestimmten Verbänden einschränken können.“
- Bosnien und Herzegowina sowie DR Kongo – zwar voll lizenziert, starten aber mit generischen Trikots. Die authentischen Kits kommen „in einem späteren Update“.
Dass US-Außenpolitik darüber entscheidet, ob du mit dem Iran spielen kannst, ist eine Story, die kein Marketing-Team erzählen will – und genau deshalb gehört sie hier hin.
53 Teams, 100 neue UT-Karten und ein 93er-Pelé als Lockvogel
Ultimate Team wird mit dem Update zur WM-Content-Schleuder:
- Pelé als 93-GES-ICON – geschenkt für jeden, der sich zwischen 5. Juni und 24. Juli einloggt. Dazu drei „Choose Your Journey“-Evolutionen. Der Haken ist offensichtlich: Der Login-Bonus ist reine Engagement-Mechanik, die dich ins Ökosystem zurückzieht.
- Rivellino und Mario Kempes als brandneue ICONs, die am 19. Juni mit speziellen „Greats of the Game“-Versionen debütieren.
- Über 100 neue internationale Spieler fließen in den FUT-Kartenpool.
- Ein neues Token-System ersetzt ab Season 8 die wöchentlichen Belohnungen. Maximal 1.000 Tokens pro Woche, insgesamt 5.000 während des Festival of Football. Tokens gibt’s für Rivals, Squad Battles, Rush und spezielle SBCs – aber nicht im Store zu kaufen.
- Evo Undo: Du kannst Evolutionen zurücksetzen und Spieler wieder handelbar machen. Eine Funktion, auf die die Community seit Monaten wartet.
- PlayStyles Lab: Erlaubt dir, bei bestimmten Evolutionskarten die PlayStyles selbst zu wählen.
Das klingt nach viel – und ist es auch. Aber die Frage bleibt: Warum kommt dieser Inhalts-Tsunami erst jetzt, acht Monate nach Release?
Vom Launch-Desaster zum WM-Rettungsanker
FC 26 startete im September 2025 mit erheblichen Problemen. Der Early Access für Deluxe-Edition-Käufer war von technischen Turbulenzen geplagt, das Spiel rutschte in ein historisches Bewertungsdebakel und ein 12-Cent-Regionalpreis-Glitch brachte das Ultimate-Team-Ökosystem ins Wanken. Kurzum: Das Spiel hatte einen rauen Start.
Das WM-Update kommt daher nicht nur zur Feier des Tages, sondern als strategische Rehabilitierungsmaßnahme zur Halbzeit des Produktzyklus. Mit einem aufpolierten Turniermodus, neuen ICONs, Token-System und Evo-Undo liefert EA genau das, was die Spielerbasis bei Laune hält – bis im September FC 27 vor der Tür steht.
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