Mit rund 637 Millionen Euro Umsatz und knapp 7,9 Millionen Verkäufen katapultiert sich EA Sports FC 27 an die Spitze der weltweiten Spiele-Charts. Während der Schiedsrichter die neue Saison gerade erst angepfiffen hat, rollt der virtuelle Ball längst durch ein milliardenschweres Flutlicht-Spektakel. Doch hinter dem gigantischen Rekordstart verbirgt sich ein knallharter Strategiewechsel, der die Konkurrenz deklassiert und das bisherige Veröffentlichungsmodell komplett auf den Kopf stellt.
Vorbesteller treiben den Umsatz auf Rekordniveau
Knapp zwei Wochen nach dem Verkaufsstart zieht Electronic Arts an der gesamten Jahreskonkurrenz vorbei. Wie der Bericht von Marktforscher Rhys Elliott vorrechnet, überholte EA damit sogar Capcoms Horror-Schwergewicht. Resident Evil Requiem hielt mit geschätzten 498 Millionen Euro (558 Millionen Dollar) seit Februar die Spitzenposition, muss sich nun aber mit Rang zwei begnügen. Dahinter folgen Forza Horizon 6 mit 477 Millionen Euro (534,3 Millionen Dollar) und Crimson Desert mit 381 Millionen Euro (426,7 Millionen Dollar).
Dieser Erdrutschsieg beruht auf einem veränderten Kaufverhalten der Community. Laut den Erhebungen von Alinea Analytics gingen mehr als die Hälfte aller 7,9 Millionen Einheiten bereits in der Early-Access-Phase über die digitale Ladentheke. Millionen Fußballbegeisterte zahlten freiwillig den Aufpreis für die teurere Vorbesteller-Edition, nur um eine Woche früher auf den Platz zu dürfen. Der reguläre Erscheinungstermin verkommt dadurch fast schon zur Zweitverwertung für Nachzügler.
Trotz der spielerischen Mängel griffen Fans am ersten Tag massenhaft zu. Die Zugkraft der Lizenzen überstrahlt jede Kritik an unfertigen Modi oder trägen Abwehrreihen. Wer im kompetitiven Wettbewerb mithalten will, kauft nicht am Veröffentlichungstag, sondern sichert sich den Vorabzugang. Das treibt den durchschnittlichen Verkaufspreis pro Kopf massiv in die Höhe.
PlayStation schluckt drei Viertel der Community
Die Plattform-Verteilung offenbart eine drastische Schieflage im Markt. Satte 77,1 Prozent aller Spieler greifen auf Sonys Konsolen zu, womit PlayStation das unangefochtene Zuhause der virtuellen Kicker bleibt. Microsofts Xbox landet mit 15,9 Prozent weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz, während der PC via Steam lediglich 7 Prozent der Spielerschaft stellt.
Obwohl der Titel auf neun Plattformen parallel startete, teilen sich fast vier Fünftel des gesamten Kuchens auf ein einziges System auf. Im Vergleich zum Vorgänger legte der Umsatz auf PlayStation um 22 Prozent zu. Gleichzeitig brachen die Einnahmen auf der Xbox um 14 Prozent und auf Steam sogar um 17 Prozent ein. Der Zuwachs auf einer Plattform fängt die Verluste der anderen zwar auf, zementiert aber eine gefährliche Monokultur.
Ein beachtlicher Teil des Geldes stammt zudem noch immer aus der alten Hardware-Generation. Spieler auf PS4 und Xbox One steuerten zusammen rund 77 Millionen Euro (86,4 Millionen Dollar) bei, was 12,1 Prozent der Gesamteinnahmen entspricht. Analyst Elliott rechnet allerdings damit, dass dieser Anteil bald drastisch sinkt. Der bevorstehende Start von Grand Theft Auto 6 zwingt viele verbliebene Last-Gen-Besitzer im kommenden Jahr endgültig zum Hardware-Upgrade.
Frankreich und Amerika führen das Länderfeld an
Aufgeschlüsselt nach Regionen erweist sich Frankreich als ertragreichster Einzelmarkt. Rund 73,6 Millionen Euro (82,5 Millionen Dollar) gaben französische Fans für das Spiel aus. Die Vereinigten Staaten belegen mit 61 Millionen Euro (68,4 Millionen Dollar) überraschend den zweiten Rang und verweisen Großbritannien mit 54,7 Millionen Euro (61,3 Millionen Dollar) auf Platz drei.
Fußball gewinnt auf dem traditionell von Football und Basketball geprägten US-Markt spürbar an Boden. FC 27 generierte in den ersten Wochen mehr Umsatz als NBA 2K27 mit 276 Millionen Euro (309,1 Millionen Dollar) und College Football 27 mit 236 Millionen Euro (264,1 Millionen Dollar) zusammen. Der globale Sport holt auf amerikanischem Boden rasant auf.
Die deutschen Kicker sicherten sich mit 38,6 Millionen Euro (43,3 Millionen Dollar) den vierten Platz im weltweiten Ranking, gefolgt von Spanien mit 21,5 Millionen Euro (24,1 Millionen Dollar). Während Fans über den Stillstand auf dem Rasen klagen, übertrifft EA die eigenen finanziellen Erwartungen. In Mitteleuropa sitzt das Portemonnaie trotz aller Kritik weiterhin extrem locker.
Der eigentliche Geldregen beginnt erst jetzt
Die gemeldeten 637 Millionen Euro stellen lediglich das Fundament dar. Die Zahlen von Alinea Analytics erfassen ausschließlich den reinen Spielverkauf. Mikrotransaktionen, virtuelle Währungen und Kartenpakete für Ultimate Team sind in dieser Abrechnung noch gar nicht enthalten.
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen im Vergleich zu Einzelspieler-Erfolgen. Capcom hat mit Resident Evil Requiem sein Pulver weitgehend verschossen, da Story-Abenteuer nach dem Kauf kaum noch Folgeumsätze abwerfen. Für EA ist der Verkauf von fast acht Millionen Einheiten dagegen nur die Eintrittskarte in das lukrativste Live-Service-Modell der Branche. Die eigentliche Cashcow fängt erst an zu grasen, sobald die Wochenend-Wettkämpfe starten.
Das zeigt die absurde wirtschaftliche Macht dieser Reihe. Selbst in einem Jahr mit verhaltener Kritik und sinkenden Spielerzahlen auf PC und Xbox pulverisiert der Titel bisherige Rekorde. Wer glaubt, die Community würde Publisher für spielerische Stagnation mit Kaufboykotten bestrafen, wird von den realen Marktzahlen schonungslos eines Besseren belehrt.