ZLUDA v6 bringt Nvidias 32-Bit-PhysX auf AMD-Radeon-GPUs. Die Open Source Bibliothek emuliert CUDA auf nicht Nvidia Hardware. Ein erster Benchmark in Mafia II zeigt den Unterschied: 26,2 FPS ohne, 80,2 FPS mit ZLUDA. PhysX-Effekte wie Trümmer und Flammen erscheinen erstmals auf einer Radeon-Karte. Kommerzielles Funding gibt es für das Projekt nicht mehr. Entwickler Andrzej Janik arbeitet allein daran – als Wochenendbeschäftigung.
26 auf 80 FPS – was ZLUDA v6 in der Praxis leistet
Die Zahl, die zählt, steht in Mafia II. Auf einem System mit Ryzen 9 9950X3D und Radeon RX 9070 XT liefert das Spiel mit aktiviertem PhysX ohne ZLUDA durchschnittlich 26,2 FPS – praktisch unspielbar. Mit ZLUDA v6 springt die Bildrate auf 80,2 FPS.
Das ist mehr als eine Verdreifachung, die aus einer Ruckelpartie ein flüssiges Spielerlebnis macht. Noch wichtiger als die reine Performance ist der visuelle Gewinn: Trümmer, realistische Flammen und zerstörbare Umgebungen erscheinen auf Hardware, die sie offiziell nie rendern sollte.
Bisher brauchte man dafür entweder eine Nvidia-Karte oder eine zweite GPU als dedizierten PhysX-Beschleuniger. ZLUDA macht beides überflüssig – auf einem Markt, den Nvidia mit 94 Prozent Anteil fast allein beherrscht.
Ein Projekt ohne Budget, ein Entwickler ohne Team
Die Entwicklung von ZLUDA steht seit etwa drei Monaten ohne kommerzielle Finanzierung da. Wie Tom’s Hardware berichtet, hatte AMD das Projekt 2022 zunächst finanziert – 2024 dann die Zahlungen eingestellt und Janik sogar zum Neuschreiben des Codes gezwungen. Ein anonymer Sponsor sprang Ende 2024 ein, doch auch diese Unterstützung ist ausgelaufen.
Janik entwickelt ZLUDA seither als reines Wochenendprojekt. Dass gerade jetzt eine so substanzielle Erweiterung wie PhysX-Support erscheint, liegt an einem radikalen Prioritätswechsel: Nicht mehr das wirtschaftlich Sinnvolle zählt, sondern „das, was mir am meisten Spaß macht.“
Die Geschichte des Projekts liest sich wie eine Blaupause für den Zustand des GPU-Markts. AMD investierte ursprünglich, weil Nvidias CUDA-Ökosystem eine fast unüberwindbare Hürde für KI-Workloads darstellt. Nach dem Rückzug blieb Janik mit einem Problem zurück, das eigentlich ein milliardenschwerer Konzern lösen müsste.
Was funktioniert – und wo es noch hakt
ZLUDA v6 ist kein fertiges Produkt, sondern eine Pre-Alpha. Flüssigkeitssimulationen zeigen Grafikfehler, und das Laden der Bibliothek in Steam-Spiele beschreibt Janik selbst als mangelhaft. Wer ZLUDA ausprobieren will, muss aktuell noch den Quellcode editieren und selbst kompilieren.
Neben PhysX bringt Version 6 grundlegende Textur-Unterstützung – genug, um Blender zum Laufen zu bringen. Die Windows-Integration wurde überarbeitet: Der ZLUDA-Loader erkennt fehlende ROCm-Bibliotheken jetzt automatisch. Dazu kommen Dutzende Compiler-Fixes und Verbesserungen an den Performance-Bibliotheken, getrieben vor allem durch Nutzer-Feedback aus der PyTorch-Community.
Dass ausgerechnet ein Open Source Projekt die PhysX-Lücke auf AMD-Hardware schließt, passt ins Bild. Immer wieder zeigt sich, dass AMD-Besitzer bei PC-Releases benachteiligt werden – sei es durch fehlende FSR-4.0-Unterstützung oder schlechtere Treiber zum Launch. ZLUDA ist die Antwort von unten, wo die Hersteller von oben keine liefern.
PhysX 2026: Warum das überhaupt noch relevant ist
PhysX war Nvidias Middleware für hardwarebeschleunigte Physik-Effekte – detaillierte Trümmer, Stoffsimulation, Partikel. In modernen Spielen wurde sie von Engine-eigenen Lösungen wie Chaos in der Unreal Engine und Havok abgelöst. Nvidia selbst hat 32-Bit-CUDA-Support auf aktuellen Blackwell-GPUs zunächst gestrichen und nur für ausgewählte Titel wieder aktiviert.
Doch genau dieser Rückzug macht ZLUDA relevant. Hunderte Spiele aus der PhysX-Ära – darunter die Batman Arkham Reihe, Borderlands 2 und Mirror’s Edge – laufen ohne Nvidia-Hardware mit abgespeckter Physik oder gar nicht flüssig. ZLUDA öffnet diese Bibliothek für AMD-Besitzer.
Die eigentliche Leistung von ZLUDA reicht über PhysX hinaus. Das Projekt beweist, dass CUDA-Exklusivität kein Naturgesetz ist – und dass eine Ein Mann Wochenendbeschäftigung technische Mauern einreißen kann, an denen Konzerne schlicht kein Interesse haben. Mit 94 Prozent Marktanteil gibt es für Nvidia keinen Grund, diese Mauer selbst einzureißen.