Der Grafikkartenmarkt war jahrelang ein Dreikampf, in dem AMD und Nvidia abwechselnd die Schlagzeilen beherrschten und Intel zumindest als ernstzunehmender Neueinsteiger galt. Diese Ära scheint vorbei zu sein. Ein aktueller Bericht zeigt, wie vollständig Nvidia die Konkurrenz aus dem Feld gedrängt hat – und die Zahlen, die dabei ans Licht kommen, sind so eindeutig, dass sie kaum zu glauben sind.
94 Prozent Marktanteil – ein Monopol in Sichtweite
Das Technikmarktforschungsunternehmen Jon Peddie Research hat die Marktanteile im Grafikkartensegment für das vierte Quartal 2025 ausgewertet – und das Ergebnis ist ernüchternd für alle, die auf fairen Wettbewerb hoffen. Nvidia hält demnach 94 Prozent des diskreten Grafikkarten-Markts für PCs. AMD kommt gerade noch auf 5 Prozent – ein dramatischer Rückgang gegenüber den 15 Prozent, die das Unternehmen im vergleichbaren Quartal des Vorjahres verzeichnete. Intel begnügt sich mit einem einzigen Prozent. Wer in den vergangenen Monaten eine neue Grafikkarte für seinen PC gekauft hat, hat mit überwältigender Wahrscheinlichkeit zu einer Nvidia-Karte gegriffen – und das war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Marktdurchdringung, die in dieser Konsequenz ihresgleichen sucht.
KI-Boom, Rekordeinnahmen und eine strategische Partnerschaft
Nvidias Vormachtstellung speist sich aus mehreren Quellen gleichzeitig. Die RTX-50-Serie, die Anfang 2025 auf den Markt kam, setzte erneut Maßstäbe im Konsumerbereich. Gleichzeitig ist Nvidia seit Jahren der wichtigste Ausrüster für KI-Rechenzentren weltweit – ein Geschäftsfeld, das dem Unternehmen im ersten Quartal 2025 Rekordeinnahmen bescherte. Bemerkenswert ist auch eine strategische Kapitalmaßnahme: Nvidia investierte rund 4,6 Milliarden Euro in Stammaktien von Intel – ausgerechnet einem der direkten Konkurrenten im Grafikkartenmarkt. Ob dieser Schachzug langfristig Früchte trägt, bleibt abzuwarten. Kurzfristig unterstreicht er, dass Nvidia sich in einer Position befindet, aus der heraus das Unternehmen die Branchenstruktur aktiv mitgestalten kann.
RAM-Krise trifft auch Nvidia – und zwingt zu Kursanpassungen
Trotz der dominanten Stellung bleibt Nvidia nicht unverwundbar. Die anhaltende globale Arbeitsspeicherknappheit hat auch den Grafikkartenhersteller zu spürbaren Reaktionen gezwungen. Die Produktion der GeForce RTX 5070 Ti wurde eingestellt, und dem Vernehmen nach könnte die RTX 5060 als nächste betroffen sein. Gleichzeitig kursieren Berichte, Nvidia könnte die Produktion der älteren RTX 3060 wiederaufnehmen, um die Angebotsengpässe zumindest teilweise zu kompensieren. Analysten von Micron zufolge dürfte die Speicherknappheit noch weit über das Jahr 2026 hinaus anhalten – ein Szenario, das die Preise für Grafikkarten auf absehbare Zeit unter Druck hält und Käufer zwingt, entweder tief in die Tasche zu greifen oder auf günstigere Alternativen auszuweichen, von denen es immer weniger gibt.
Was bleibt dem Markt ohne echten Wettbewerb?
Die Konsequenzen einer derart einseitigen Marktverteilung sind langfristig kaum abzuschätzen. Wettbewerb hat die Grafikkartenbranche über Jahrzehnte angetrieben – er sorgte für Innovation, hielt Preise in einem halbwegs akzeptablen Rahmen und gab Käufern echte Wahlmöglichkeiten. Mit einem Marktanteil von 94 Prozent ist Nvidia de facto Alleinherrscher, und weder AMD noch Intel scheinen in der Lage zu sein, diese Dynamik kurzfristig zu verschieben. Für Gamer und PC-Enthusiasten bedeutet das: mehr Abhängigkeit, weniger Verhandlungsmacht – und die Gewissheit, dass Nvidia die Preisgestaltung der kommenden Jahre nahezu unilateral bestimmen wird.
Macht dich Nvidias marktbeherrschende Stellung beim Kauf einer neuen Grafikkarte nachdenklich – oder greifst du trotzdem bedenkenlos zur RTX-Serie? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!