Codemasters hat einen neuen Deep Dive zum 2026 Season Pack für F1 25 veröffentlicht – und der hat es in sich. Erstmals in der fast 20-jährigen Geschichte der F1-Spiele erscheint kein eigenständiger Jahrestitel. Die gesamte Saison 2026 steckt stattdessen in einem DLC, der am 3. Juni für 30 Euro auf PS5, Xbox Series X|S und PC erscheint. Grund dafür ist ein Komplett-Reboot der Reihe, der für 2027 geplant ist. Ob das Season Pack die Lücke füllt, hängt maßgeblich davon ab, wie gut die neuen Systeme am Lenkrad funktionieren.
- MADRING, Cadillac und Audi: Die sichtbarsten Neuzugänge des Season Pack
- Overtake Mode, Boost und Active Aero: Drei Systeme, die das Fahrgefühl auf den Kopf stellen
- Kein F1 26, dafür 30 Euro DLC: Die Strategie hinter dem Season Pack
- Was der Deep Dive verschweigt: Fehlende Modelle, kein Karriere-Transfer, keine Story-Teams
MADRING, Cadillac und Audi: Die sichtbarsten Neuzugänge des Season Pack
Das auffälligste neue Pflaster ist MADRING, der Stadtkurs in Madrid. Auf 5,4 Kilometern und mit 22 Kurven kombiniert die Strecke enge, technische Passagen mit langen Highspeed-Geraden – ein Layout, das Überholmanöver gezielt provoziert. Codemasters hat die Strecke auf Basis früher CAD-Daten von Grund auf neu gebaut und dabei Höhenprofil, Ideallinie und Rennfluss manuell nachjustiert. MADRING ist in Karriere, Grand Prix, Zeitfahren und My Team verfügbar, allerdings ausschließlich mit den 2026er-Boliden befahrbar.
Ebenfalls neu: Mit Cadillac und Audi wächst das Starterfeld auf elf Teams – das gab es zuletzt 2016. Cadillac bringt als erster großer US-Hersteller Valtteri Bottas und Sergio Pérez an den Start, während Audi den Sauber-Rennstall übernimmt. Bei Racing Bulls rückt Rookie Arvid Lindblad an die Seite von Liam Lawson, und Isack Hadjar wird neuer Teamkollege von Max Verstappen bei Red Bull. Im My-Team-Modus trittst du mit deinem eigenen Rennstall als zwölftes Team an – ein Novum, das die Karriere-Modi spürbar aufwertet.
Die Entwickler betonen im Deep Dive immer wieder, dass die 2026er-Autos „leichter, kleiner und reaktionsfreudiger“ sein sollen. Im Klartext: weniger Masse, kürzerer Radstand, direkteres Lenkverhalten. Wer mit einem Force-Feedback-Lenkrad spielt, dürfte den Unterschied sofort spüren.
Overtake Mode, Boost und Active Aero: Drei Systeme, die das Fahrgefühl auf den Kopf stellen
Das Herzstück des Season Pack sind drei neue Fahrhilfen, die das taktische Racing radikal verändern – und direkt aus dem echten F1-Regelwerk 2026 stammen.
Overtake Mode: Sobald du innerhalb einer Sekunde Rückstand auf ein vorausfahrendes Auto an einem Erkennungspunkt vorbeifährst, schaltet das System einen konzentrierten Elektro-Boost von knapp 500 zusätzlichen PS frei – einsetzbar auf der gesamten folgenden Runde. Anders als beim alten DRS ist der Boost nicht an eine feste Zone gebunden. Du entscheidest, wo du die Extra-Power zündest. Timing wird damit zur zentralen taktischen Disziplin: Zu früh gezündet, und der Gegner kontert am Ende der Gerade. Zu spät, und die Lücke bleibt zu.
Boost Mode: Unabhängig vom Overtake Mode kannst du jederzeit manuell auf die Batterie zugreifen. Der Haken: Der Boost entlädt den Akku rasant schnell. Das Spiel belohnt hier vorausschauendes Energiemanagement – eine Mechanik, die in der realen Formel 1 2026 unter dem Begriff „Manual Override“ für hitzige Diskussionen sorgt.
Active Aero: Das Drag Reduction System (DRS) ist Geschichte. Stattdessen verstellst du Front- und Heckflügel nun aktiv während der Fahrt – und zwar in deutlich mehr Streckenabschnitten als zuvor. Im Corner Mode steht maximale Abtriebsleistung für Kurvengeschwindigkeit bereit, im Straight Mode klappen die Flügel flach für Topspeed. Das System erinnert konzeptionell an die aktive Aerodynamik, wie sie im Langstreckensport längst etabliert ist. Für alle, die keine Lust auf Knöpfchen-Management haben, gibt es eine Automatik-Option in den Fahrhilfen.
Kein F1 26, dafür 30 Euro DLC: Die Strategie hinter dem Season Pack
Dass die Saison 2026 kein eigenständiges Spiel bekommt, ist eine Zäsur. Codemasters arbeitet stattdessen an einem Reboot für 2027, der sich visuell und spielerisch komplett vom bisherigen ableiten soll. Der Season Pack überbrückt also ein Übergangsjahr – und kostet mit 30 Euro auf Konsole (25 Euro auf dem PC) deutlich weniger als ein Vollpreis-Release.
Wer F1 25 noch nicht besitzt, greift zur Season Edition für 50 Euro, die Basis-Spiel und DLC bündelt. Zum Vergleich: F1 25 kostete zum Launch 70 Euro. Der Preisabstand zwischen Bundle und klassischem Neukauf ist fair – vorausgesetzt, der DLC hält, was der Deep Dive inszeniert.
Der Schritt zum DLC-Modell kommt nicht überraschend, wenn man die jüngsten Entscheidungen des Studios betrachtet: Codemasters hat seine komplette Rally-Sparte eingestampft und alle Ressourcen auf die Formel 1 konzentriert. Der Druck, dass der Season Pack funktioniert, ist also doppelt hoch – er soll nicht nur die Spieler bei Laune halten, sondern auch das Vertrauen in den Reboot 2027 rechtfertigen.
Was der Deep Dive verschweigt: Fehlende Modelle, kein Karriere-Transfer, keine Story-Teams
So enthusiastisch der Deep Dive die neuen Features auch präsentiert – bei genauem Hinsehen bleiben einige Lücken, die das Studio eher beiläufig erwähnt:
- Unfertige Fahrzeugmodelle: Nicht alle finalen 2026er-Autos sind zum Release am 3. Juni verfügbar. Einige Modelle liefert Codemasters erst per Post-Launch-Update nach. Für einen DLC, der genau diese neue Fahrzeuggeneration verkaufen soll, ein fragwürdiger Zustand.
- Keine Karriere-Übernahme: Wer seine 2025er-My-Team-Karriere weiterführen will, schaut in die Röhre. Der Season Pack erfordert zwingend einen neuen Spielstand – alle Erfolge der ersten Saison bleiben im alten Modus zurück.
- Story-Fans gehen leer aus: Die beliebten Braking-Point-Teams Konnersport und APXGP lassen sich im 2026er-Content nicht ansteuern. Wer mit Aiden Jackson oder Sonny Hayes weitermachen wollte, wird enttäuscht.
- Die Oberflächlichkeit des Deep Dive: Was Codemasters als tiefgehende Analyse verkauft, bewertet die Fachpresse als überraschend dünn – die meisten gezeigten Inhalte waren bereits aus dem Reveal-Trailer bekannt. Echte neue Gameplay-Szenen, die die Feinheiten von Overtake Mode oder Active Aero im Rennkontext demonstrieren, blieben Mangelware.
Trotzdem: Der 2026 Season Pack adressiert genau das, was die F1-Community seit Jahren fordert – eine echte Regel-Revolution statt inkrementeller Updates. Dass er am Ende kein Vollpreisspiel, sondern ein DLC ist, könnte sich sogar als Vorteil entpuppen. F1 25 selbst kam mit Metascore 80 solide an, und der neue Content setzt genau dort an, wo das Basis-Spiel am meisten Potenzial für taktische Tiefe bietet.
Bleibt die Frage: Glaubt ihr, dass ein 30-Euro-DLC die Formel 1 2026 besser einfängt als ein vollwertiges Release – oder hätte Codemasters den Reboot lieber gleich dieses Jahr bringen sollen? Lasst eure Einschätzung da, ich bin gespannt auf eure Renn-Philosophie.
