Japan ist nicht einfach eine Kulisse – es ist ein Lebensgefühl, das man entweder trifft oder verfehlt. Playground Games scheint genau zu wissen, wo der Unterschied liegt: Für Forza Horizon 6 hat das Studio neun japanische Künstler ins Boot geholt, die der offenen Spielwelt etwas verleihen, das kein Entwicklerteam allein hätte erschaffen können. Was dabei entstanden ist, reicht von cyberpunkdurchtränkten Festivalriesen bis hin zu Manga-Charakteren an Kreuzungen, bei denen man zweimal hinschauen möchte.
Nebuta, Meeresräuber und Mythos: Die ersten drei Künstler im Fokus
Im Rahmen der dreiteiligen Reihe „Art of Driving“ werden alle neun Künstler vorgestellt – die ersten drei sind nun enthüllt. Satoshi Fujita, besser bekannt unter dem Namen Dragon76, schuf ein Wandbild, das vom Nebuta-Festival im Norden Japans inspiriert ist. Diese Feierlichkeit ist bekannt für ihre riesigen, beleuchteten Floats aus Washi-Papier und Draht, die mythologische Gestalten darstellen. Fujita griff sich Susanoo-no-Mikoto heraus – eine der am häufigsten dargestellten Figuren der japanischen Mythologie – und interpretierte ihn gemeinsam mit einem Drachen in einem futuristisch-neonhaften Stil neu. Das Ergebnis ist kein historisches Abbild, sondern eine lebendige Kollision zweier Epochen.
Kazuhisa Uragami wiederum schuf eine Figur, die er selbst als „edlen Außenseiter“ bezeichnet: einen von persönlicher Gerechtigkeit geleiteten Charakter, der Piratenästhetik mit mechanischen Elementen verbindet. Zahnräder, Metallkomponenten und ein leuchtendes rotes Tuch prägen das Bild – das Tuch als Hommage an klassische japanische Heldenfiguren und gleichzeitig als Symbol für Kyushu als „Land des Feuers“. Im Hintergrund: eine Industrielandschaft mit glühenden Funken, die an die Stahlwerke der Region Kitakyushu erinnert. Ein Kunstwerk, das Regionalstolz und ästhetisches Handwerk auf bemerkenswerte Weise verschmelzen lässt.
Manga trifft Shibuya: Inko Ai Takitas neun Charaktere
Inko Ai Takita schlug einen gänzlich anderen Weg ein. Sie erschuf neun Manga-Figuren, die auf den Werbetafeln des Shibuya Crossings zu sehen sein werden – eines der meistfotografierten Orte Japans und gleichzeitig ein Symbol schlechthin für urbane Reizüberflutung. Zu den Figuren zählen unter anderem Mr Hot Bun Man, der auf einer lokalen Köstlichkeit aus der Stadt Gyoda basiert, sowie Jun, eine Kreation mit unverkennbaren Anklängen an den Horror-Manga-Meister Junji Ito. Besonders sticht Sakura Fukatsu hervor – eine Gestalt in einem Kimono aus der Edo-Zeit, die städtische Mythen und Legenden verkörpert. Diese Charaktere sind kein dekoratives Beiwerk, sondern eingebettete Erzählfragmente, die die Spielwelt mit einer kulturellen Tiefe durchziehen, die man sonst selten in einem Rennspiel findet.
Release, Preis und was noch kommt
Forza Horizon 6 erscheint am 19. Mai 2026 für Xbox Series X|S und PC – und ist dank Game Pass ohne Aufpreis im Abo enthalten. Die Standardedition ist im Microsoft Store und auf Steam für 69,99 Euro erhältlich, die Premium Edition schlägt mit 119,99 Euro zu Buche. Wer schon vor Release einen ersten Eindruck gewinnen möchte: Hands-on-Vorschauen gehen bereits am 8. April online. Die verbleibenden sechs Künstler der „Art of Driving“-Reihe werden in den kommenden Wochen vorgestellt – es bleibt also noch einiges zu entdecken, bevor das Spiel die Startlinie überquert.


