Forza Horizon 6 wird die PS5 in diesem Jahr aller Voraussicht nach nicht mehr erreichen. Während Playground Games die Community offiziell noch mit vagen Versprechungen für 2026 vertröstet, belegen neue Berichte aus dem Umfeld von Microsoft eine Verschiebung auf Anfang 2027. Hinter dem vermeintlichen Zeitmangel steckt allerdings ein knallhartes Kalkül der Chefetage, das den Release auf Sonys Konsole mit einem überraschenden Doppelpack verknüpft.
Ein Pakt mit dem ersten Add-on statt schneller Konsolen-Portierung
Monatelang durchstöberten PlayStation-Besitzer den digitalen Store auf der Suche nach dem versprochenen Vorbesteller-Button für Japans Hochglanz-Asphalt, doch die erhoffte Winter-Ausfahrt platzt zugunsten der ersten großen Erweiterung. Wie Branchen-Insider Tom Warren in seinem Newsletter für The Verge berichtet, hat Microsoft die PS5-Version von Forza Horizon 6 intern auf Anfang 2027 verschoben. Die Verzögerung entspringt dabei einem klaren Plan: Entwickler Playground Games soll den verspäteten Konsolen-Start direkt an das Debüt des ersten großen DLCs koppeln.
Damit widerspricht Warren den bisherigen Beschwichtigungen des Studios, das offiziell noch immer an einem Startfenster im laufenden Jahr 2026 festhält. Hinter den Kulissen zeichnete sich dieser Schritt jedoch längst ab, da die Portierung schlicht mehr Zeit verschlingt als ursprünglich veranschlagt. Bereits im Vorfeld berichtete VGC-Chefredakteur Andy Robinson von gravierenden Verzögerungen im Produktionsablauf. Seine knappe Einschätzung brachte das Problem auf den Punkt: „Es war einfach nicht fertig.“
Ein holpriger Technik-Auftritt auf Sonys Flaggschiff würde den glänzenden Ruf der Rennspiel-Reihe auf einen Schlag beschädigen.
Schließlich verzeiht das anspruchsvolle PlayStation-Publikum keine schwankenden Bildraten oder matschigen Texturen, wenn ein Vorzeige-Titel der Konkurrenz konvertiert wird. Weil die britischen Entwickler bereits vor Monaten einräumten, dass die riesige Spielwelt mehr Entwicklungszeit auf PS5 beansprucht, schien eine Notlösung im Weihnachtsgeschäft ohnehin riskant. Das Studio nutzt die zusätzliche Spanne im Kalender nun für den finalen Feinschliff, während parallel der erste große Ausbau der Karte entsteht.
Tokios Straßenschluchten und die Tradition teurer Erweiterungen
Dieser zusätzliche Feinschliff ist bitter nötig, denn die Spielwelt von Forza Horizon 6 sprengt alle bisherigen Dimensionen der Reihe. Seit dem erfolgreichen Start im Mai 2026 auf PC und Xbox Series X/S begeistern die detailverliebten Straßenviertel von Tokio mit einer vertikalen Dichte, die Hardware an ihre Grenzen treibt. Der Titel feierte damals mit gewaltigem Ansturm den größten PC-Erfolg der Xbox Game Studios und knackte binnen kürzester Zeit die Marke von fünf Millionen Spielern.
Genau hier setzt die Veröffentlichungsstrategie für das kommende Jahr an, nachdem das Rennspiel im Mai mit historischen Steam-Rekorden zum Start die Messlatte hochlegte. Playground Games hat bereits bestätigt, dass zwei vollwertige Erweiterungen für das Rennspiel fest eingeplant sind. Ein Erscheinen des ersten Zusatzinhalts rund zehn Monate nach dem Hauptspiel passt exakt in den historischen Rhythmus des Franchise. Schon bei den legendären Kooperationen mit Lego in Forza Horizon 4 oder den orangenen Looping-Pisten von Hot Wheels im fünften Teil nutzten die Entwickler zusätzliche Landmassen, um das Interesse der Community neu zu entfachen.
Für PlayStation-Käufer bedeutet dieser Plan im Frühjahr 2027 ein gigantisches Komplettpaket aus Hauptspiel und frischer Erweiterung zum Vollpreis. Microsoft vermeidet damit die Gefahr, dass ein später Port ohne Zusatzfutter verpufft, und schafft gleichzeitig einen lukrativen Kaufanreiz für ungeduldige Rennspiel-Enthusiasten. Diese Bündelung ist kein Zufall, sondern das direkte Resultat einer veränderten Firmenphilosophie in Redmond.
Microsofts PlayStation-Goldgrube diktiert den Veröffentlichungsplan
Der Blick auf die nackten Verkaufszahlen verrät, warum Microsoft diesen Schritt wagt und eine Verschiebung gelassen hinnimmt. Der direkte Vorgänger Forza Horizon 5 erwies sich auf der PS5 als absolute Gelddruckmaschine, fand dort über fünf Millionen Käufer und spülte über 300 Millionen Dollar Umsatz in die Kassen des Konzerns. Auch Titel wie Indiana Jones und der Große Kreis bewiesen eindrucksvoll, dass hochwertige Portierungen auf Sonys Plattform selbst mit mehrmonatiger Verzögerung die Spitzenplätze der Verkaufscharts stürmen.
Während treue Xbox-Spieler zunehmend in Richtung PC oder Cloud abwandern und Hardware-Verkäufe stagnieren, ist PlayStation längst zu einem unverzichtbaren Umsatzpfeiler für Microsoft Gaming mutiert. Niemand in Redmond denkt daran, den Port einzustampfen – dafür steht schlicht zu viel Geld auf dem Spiel. Die Verschiebung in das erste Quartal 2027 verschafft dem Titel eine breite Bühne abseits der berüchtigten Veröffentlichungsflut des Spätherbstes.
Für Fans im blauen Lager ist das verpatzte 2026-Versprechen zwar ein ärgerlicher Dämpfer, doch die Rechnung von Microsoft dürfte voll aufgehen. Ein technisch sauberer Japan-Trip inklusive brandneuer Erweiterung rechtfertigt den vollen Preis im PlayStation Store weitaus besser als ein überhasteter Vorweihnachts-Port mit Bildraten-Schluckauf. Wer Spitzenleistung fordert, muss eben ein paar Monate länger an der roten Ampel warten.

