Du fliegst auf Frankfurt zu, die Sonne steht tief, die Wolken sehen aus wie gemalt. Dann der Blick nach unten: Die Skyline erinnert an einen 3D-Druck, bei dem das Filament ausgegangen ist. Der Microsoft Flight Simulator 2024 kann atemberaubend aussehen – aber genau dann, wenn es auf die Photogrammetrie ankommt, verwandeln sich Städte in Matsch. Die Foren sind voll von Tipps, die meisten raten zur neuen Grafikkarte. Dabei liegt das Problem meist woanders. Und es hat nicht nur eine, sondern gleich mehrere Ursachen.
Fünf Ebenen, ein Problem: Wo die Photogrammetrie wirklich hakt
Das Photogrammetrie-Problem im MSFS 2024 ist wie ein undichter Wasserhahn: Du suchst die eine undichte Stelle, aber meistens sind es mehrere gleichzeitig. Die Community in den offiziellen Foren und auf AVSIM hat in den letzten Monaten fünf unabhängige Ursachen-Ebenen identifiziert – und die meisten Spieler drehen an der falschen Schraube.
Da wäre zunächst die Netzwerk-Ebene: VPN-Tunnel, die den Datenstrom in virtuelle Adapter umleiten, ISP-Routing-Probleme zu den Azure-Servern oder einfach zu wenig Bandbreite. Dann die Grafik-Einstellungen: Dynamic Settings, das standardmäßig aktiviert ist und die Texturauflösung aggressiv runterregelt. Dazu kommen Cache-Probleme, Addon-Konflikte und nicht zuletzt server-seitige Drosselung durch Asobo selbst.
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen reichen drei bis vier gezielte Handgriffe, um das Problem in den Griff zu bekommen. Du musst nur in der richtigen Reihenfolge vorgehen.
Die Top-5-Fixes, die sofort wirken
Platz 1: Dynamic Settings ausschalten. Diese Option in den Grafik-Einstellungen ist standardmäßig aktiviert und senkt automatisch LOD, Texturauflösung und andere Parameter, um eine Ziel-Framerate zu halten. Sie reagiert besonders aggressiv in Photogrammetrie-Gebieten. Der Fix ist simpel: Grafik-Einstellungen aufrufen, Dynamic Settings deaktivieren. Ein Thread im offiziellen MSFS-Forum bestätigt, dass dieser eine Schalter bei den meisten Nutzern 80 Prozent der Unschärfe beseitigt – und auch der offizielle MSFS-Support-Guide führt Dynamic Settings als erste Maßnahme.
Platz 2: Terrain LOD auf 200 oder höher setzen. Der Gelände-Detailgrad steuert im MSFS 2024 nicht nur die Geometrie, sondern direkt auch die Texturauflösung. Bei Standardwerten um 50 oder 100 bleibt die Photogrammetrie zwangsläufig matschig. Ab TLOD 200 wird sie merklich schärfer, ab 400 – wenn dein System das mitmacht – ist sie auf dem Niveau des Vorgängers.
Platz 3: VPN-Adapter deaktivieren. Wenn du einen VPN-Dienst nutzt – oder früher genutzt hast –, prüfe in den Windows-Netzwerkeinstellungen, ob noch virtuelle Adapter aktiv sind. TAP-Windows, NordVPN, WireGuard: Alles, was nicht deine physische Ethernet- oder WLAN-Verbindung ist, sollte deaktiviert sein. Der VPN-Tunnel muss nicht einmal aktiv sein – allein die Existenz des virtuellen Adapters kann Windows dazu bringen, den Datenstrom falsch zu routen.
Platz 4: Rolling Cache löschen und Größe prüfen. Der Rolling Cache puffert gestreamte Geländedaten. Ist er korrupt oder zu klein, werden Daten schneller überschrieben, als der Sim sie abrufen kann. Lösche den Cache in den Einstellungen unter General → Data, und setze die Größe auf mindestens 64 GB – besser 150 GB, wenn du viel fliegst. Der MSFS-Support empfiehlt diesen Schritt ebenfalls. Wichtig: Nutze eine schnelle NVMe-SSD dafür. Die Server-Infrastruktur von Asobo war nach dem Launch massiv überlastet – unser Bericht zu den Serverproblemen erklärt, warum der Cache auf deiner Seite umso wichtiger ist.
Platz 5: Ethernet statt WLAN. Klingt banal, ist aber in der Praxis einer der effektivsten Fixes. WLAN zeigt im Speedtest oft gute Werte, leidet aber unter Jitter und sporadischem Paketverlust – beides tödlich für den Photogrammetrie-Stream. Ein sauber verlegtes Ethernet-Kabel eliminiert diese Probleme komplett.
Feintuning für Fortgeschrittene
Wenn die Top-5-Fixes nicht reichen, gibt es noch ein paar tiefere Stellschrauben. Der flightsim.to-Guide hat eine umfassende Sammlung zusammengestellt.
Secondary Scaling in der UserCfg.opt: In der Konfigurationsdatei unter %APPDATA%\Microsoft Flight Simulator 2024\UserCfg.opt findest du den Parameter SecondaryScaling. Wer eine leistungsstarke Grafikkarte hat, kann den Wert auf 2.0 setzen – das verbessert die Schärfe der Photogrammetrie massiv, kostet aber entsprechend Performance.
DLSS-Qualität prüfen: DLSS auf Performance oder Ultra Performance weicht Texturen stark auf. Setze DLSS mindestens auf Balanced, besser auf Quality. Alternativ: TAA mit einem Sharpen-Wert von 100 oder höher kombinieren. Der DLSS Swapper erlaubt es, neuere DLSS-Versionen in den MSFS 2024 einzuspielen, die bessere Ergebnisse liefern.
Manual Cache für deine Lieblingsregionen: Wenn du immer dieselben Städte anfliegst, lohnt sich der manuelle Cache. Du kannst Gebiete in den Einstellungen vorcachen und vermeidest so Streaming-Probleme in diesen Zonen. Der MSFS-Support erklärt, wie du Gebiete in den Einstellungen vorcachen kannst.
Addon-Konflikte prüfen: Besonders Google Maps Mods oder ältere 3rd-Party-Sceneries überschreiben die Bing-Photogrammetrie. Deaktiviere sie testweise. Ein Blick in die Windows-Hosts-Datei lohnt sich – Google-Maps-Mods hinterlassen dort oft Einträge, die den Datenstrom umleiten.
Was du nicht fixen kannst: Manche Ursachen liegen außerhalb deiner Reichweite. Regionale Bing-Daten liefern grundsätzlich schlechtere Photogrammetrie – das ist ein Datenquellen-Problem. Die Übergänge zwischen Terrain-Mesh und Photogrammetrie-Zonen bleiben unscharf, weil die Engine das so rendert. Und der Engine-Bug, dass MSFS 2024 selbst bei TLOD 400 texturseitig schlechter abschneidet als der Vorgänger bei TLOD 100, muss von Asobo per Patch behoben werden. Ein Thema, das im MSFS-Forum ausführlich dokumentiert ist.

