Ich hatte bislang nicht viel mit dem Hellraiser-Universum zu tun und war auch noch nicht in Berührung geraten (zu junge Generation). Jedoch ist Clive Barker und seine Horrorstories durchaus ein hängengebliebener Begriff, der mich als Horror-Fan durchaus abgeholt hat. Mit Hellraiser: Revival bringt das staubig gewordene Franchise einen frischen Gruselwind auf die heimischen PC’s und Konsolen. Gerade das genagelte Gesicht des Franchises darf da nicht fehlen. Und Pinhead kommt auch tatsächlich in dem namensgebenden Titel vor. Ich hatte hohe Erwartungen, in ein für mich neues Horror-Universum von einem der wohl kreativsten Schriftsteller unserer Zeit eintauchen zu dürfen. Ob mir bzw. ihm das geglückt ist, könnt ihr im Review nachlesen.
Sunny Side up
Zugegeben … ich hatte keinen blassen Dunst über das Hellraiser-Universum, geschaffen von Clive Barker. Shame on me! Jedoch war der Aufschwung der Buchreihe und dessen Film etwas vor meiner Zeit. Darum habe ich mich um den neuen Titel rund um die Cenobites anfänglich extrem gefreut. Endlich einmal (für mich) neuer Wind in der Horror-Szene. Die innerliche immense Spannung an die Geschichte und dessen Verlauf hatten einen großen Reiz für mich. Steigen wir daher gleich in diesem Punkt ohne Umschweife ein.

Wir spielen Aiden, einen jungen Mann der mit seiner Freundin Sunny an die Grenzen des Vergnügens stößt. Im Boudoir läuft es zwischen den beiden nämlich recht ausgefallen. Spielzeuge, Klammern, Nadeln und etwas Blut gehören dort mittlerweile zum Standard. So haben wir auch einen seltsamen Würfel für diverse Spielchen ergattert und setzen diesen beim Liebesakt auch gleich ein. Dass wir damit die Cenobiten, Dämonen einer Parallelwelt die Lust und Leiden verkörpern, auf den Plan rufen ist dabei unbeabsichtigt.
Auf deren Einladung hin den Empfindungen sowohl von Schmerz und Freude zu frönen, lehnen wir als Aiden prompt ab, während Sunny auf das Angebot einsteigt. Gleich darauf wird unsere geliebte Freundin vor unseren Augen via Ketten und Haken wortwörtlich zerrissen und in die Parallelwelt, dem sogenannten Labyrinth, gezogen. In der Hoffnung, unserer Freundin doch noch helfen zu können, wagen wir (nackt) unsere ersten Schritte in das Labyrinth und beginnen so unsere Schreckensreise durch die Abgründe der Hölle und dessen Anhänger.
Blut, Fleisch, Eingeweide und Nippel-Piercings
Nach der ersten Begegnung mit den Cenobiten und unserer Flucht vor Ihnen befinden wir uns in einem Bordell der Gelüste. Hier wird von den Anbetern der Cenobiten der Fleischeslust gefrönt. Angeführt von Marlowe einem maskierten Extremisten sind wir wild entschlossen unsere Freundin zu retten, den Cenobiten den Stinkefinger zu zeigen und unsere eigene Haut (mit Blessuren) aus der Affäre zu ziehen.
Dabei kämpfen wir uns zunächst mit Messers Schneide bewaffnet heimlich durch die wild gewordenen Anhänger, welche eine Art Kult um die Cenobiten herum aufgebaut haben. Die Hingabe zu ihren Meistern ist dermaßen groß, dass sie sogar Unschuldige oder gar eigene Anhänger foltern und offen als Opfer zur Schau stellen. In den Fluren, Gängen und Hallen des Kulthauses treffen wir daher immer wieder auf gehäutete Leichen, künstlerisch dargebrachte abgetrennte Körperteile und morbide Maschinen oder Vorrichtungen zur Hinrichtung … oder finalen Lustorgie … je nachdem.
Hellraiser: Revival nimmt dabei kein Blatt vor den Bildschirm. Egal ob Haut, Eingeweide, Genitalien, explizite gewalttätige oder sexuelle Darstellungen … (fast) alles wird gezeigt. Die Altersfreigabe ist definitiv angemessen! Das macht das Universum von Hellraiser gleich um einiges blutiger, gewalttätiger und horrorlastiger, als bisherige Titel in diesem Genre. Als Vergleich denke ich an verwüstete und heruntergekommene Dörfer, in denen man die ein oder andere verwesende Leiche findet (ala Resident Evil zum Beispiel).

Hier wird aufgebahrt eine nackte, zum Teil gehäutete Frau gezeigt, deren Haut stilvoll wie ein rotes Ballkleid vom Körper hängt, während das Gesicht bis auf die Knochen entfernt wurde. Diese künstlerische Darstellung macht Hellraiser: Revival zu einem absoluten Hingucker … wenn man auf derlei Horror-Material steht. Ich bin nicht selten mehrere Sekunden vor einer solchen Schaustellung stehen geblieben und habe bewundert. Großes Lob an den Gore und die Designer dieser skurrilen Skulpturen.
Gleichzeitig wird uns stellenweise eine dichte Horror-Atmosphäre spendiert. Auch wenn beispielsweise unsere erste Flucht aus dem Labyrinth wie ein mittelprächtiger Hindernislauf vorkommt. Die Verfolgung, das plötzliche Auftauchen der Cenobiten und die überraschenden Kehrtwendungen in den Labyrinthwegen sind grandios in Szene gesetzt. Nebenher schwelt die Parallelwelt der Cenobites bedrohlich und endlos wirkend unter uns. Für mich ein absolutes Highlight.
Der beste Vergleich, der mir hier einfällt ist der erste Level von RE7. Ihr erinnert euch? Unbewaffnet, völlig baff, dass uns die Hand abgetrennt wurde, versuchen wir unseren Weg durch die engen Räume und Gänge des Entführerhauses zu bahnen, zeitgleich auf der Suche nach unserer geliebten Frau. Ständig verfolgt, von einem wahnsinnigen Hausherren. Exakt so müsst ihr euch die gesamte Spielzeit von Hellraiser: Revival vorstellen. Diese dichte, unausweichliche Atmosphäre mit wenig bis kaum Werkzeug zur Selbstverteidigung machte den damaligen Level von RE und Hellraiser: Revival aus.
Zugegeben, die reine Spielzeit von knapp 10 Stunden ist keine Brillanz. Wenn man jedoch bedenkt, dass die dichte Atmosphäre aufrecht erhalten werden muss, ist es jedoch halbwegs passabel. Preis-Leistungs-Verhältnis des Titels lasse ich jedem selbst überlassen zu bewerten.
Ähnlich wie in namhaften Horror-Spielen der gleichen Generation geraten uns nach einigen Spielstunden doch hilfreiche Gegenstände in die Hände. So benutzen wir Messer, Baseballschläger und anderes Handliches als Waffe. Diese gehen jedoch zu Bruch, können repariert oder ersetzt werden. Weiter fortgeschritten bekommen wir dann auch Schusswaffen zu greifen. Pistole, Schrotflinte … nichts überragend neues. Die Waffen lassen sich gegen gefundene Münzen aufwerten und verbessern. Kennen wir alles schon. Die abgekupferten Elemente zum RE-Nachbar sind oftmalig sehr auffällig (ausgeflippter Händler, Münzen, Inventarplätze, …). Man hat sich hier bewiesenermaßen erfolgreichen Mechaniken bedient. Nicht der dümmste Ansatz, jedoch etwas Neuigkeitswert wäre gut gewesen.
Eine weitere Waffe ist die sogenannte Konfiguration, über die wir auch eher schlecht als recht stolpern im Spiel. Dieser Spielwürfel-ähnliche Mechanismus hilft uns bei der Selbstverteidigung. Und zwar ermöglicht er uns die Telekinese zur Abwehr von Gegner oder hilft und bei diversen Rätseln in der Realwelt, wie auch im Labyrinth. Letztere sind übrigens mehr als einfach. Besorge dies, finde das, tausche Riesendildo und Peitsche gegen Schlüssel … Moment was? … Ja, richtig gelesen! Das treibt zwar ein kleines Schmunzeln auf die Lippen, wenn wir die Sub mit Lederschlegel züchtigen, zu mehr reicht es dann aber doch auch nicht.
Rudimentäre Basis, passend für das Genre
Wie bereits beschrieben ist die Basis des Spiels sehr rudimentär. Man findet altbekannte Elemente und Mechanismen wieder, die zugegebenermaßen nicht schlecht sind, aber absolut keine Innovation oder Neuerung mitbringen. So ist es leider auch mit den Kämpfen. Diese sind sehr schlicht gehalten und wirken dadurch recht unausgereift und plump. Dadurch, dass in der Anfangszeit die Stealth-Action Vorrang hat, kommt diese Spielmechanik nicht allzu massiv zum Einsatz. Später jedoch mit Schießereien mit mehreren Feinden wirkt es sehr zurückgeblieben und auch stellenweise zu einfach. Zum Glück handelt es sich nicht um ein brachiales Action-Game mit tonnenweise Gegnern. Es ist überschaubar und lockert die dichte Horror-Atmosphäre zwischen Katze-Maus-Szenen und Labyrinth-Entdeckungen durchwegs auf.
Die Gegner sind zuweilen menschlich, wenn auch in Latex und Leder vermummt oder übernatürliche Gestalten, um nicht das böse Wort Zombies zu verwenden. Bis auf die liebreizende Charlotte und die Obergauner Marlowe und die Cenobiten selbst, ändert sich das Feindbild leider etwas wenig. Schade.
Letztere sind übrigens fantastisch in Szene gesetzt. Neben Pinhead, dem offenkundigen Gesicht von Hellraiser, gibt es auch einige Artverwandte, die ebenfalls äußerlich und verhaltenstechnisch direkt aus dem Horrorroman von Clive Barker entsprungen sein könnten. Die Story selbst bringt anfänglich einige Wendungen und Überraschungen mit sich. Zumindest für mich, der sich im Hellraiser-Universum null auskennt. Es gibt zum späteren Zeitpunkt auch Ende-entscheidende Szenen in denen wir die Wahl haben den Cenobiten zu widerstehen oder dessen Angebot nachzukommen.
Hellraiser: Revival im Test – Pinhead ist zurück, zwischen Lust, Leiden und RE7-Gänsehaut - PixelCritics
Hellraiser: Revival im Test: Pinhead ist zurück – mit blutigen Gore-Kulissen, dichter RE7-Atmosphäre und altbekannter Kost. Lohnt sich der Horror-Trip?
Betriebssystem: PS5
Anwendungskategorie: Game
7.8