Zwei Jahre nachdem Blizzard erstmals durchblicken ließ, dass die Switch 2 technisch für Diablo 4 bereit sei, verdichten sich die Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Release. Der notorisch treffsichere Dealabs-Leaker Billbil-kun berichtet, dass das Action-RPG entweder am 15. oder 18. September für Nintendos Hybrid-Konsole erscheint – für 69,99 Euro. Eine physische Version soll es geben, aber: Statt eines Moduls liegt nur ein Download-Code in der Box.
Vom Rating-Board auf die Bühne: Was der Leak verrät
Dass es diesmal nicht bei einem isolierten Gerücht bleibt, liegt an zwei unabhängigen Puzzleteilen. Sowohl die taiwanische als auch die indonesische Klassifizierungsbehörde listen Diablo 4 – konkret die Erweiterung Lord of Hatred – bereits für die Switch 2. Solche Ratings tauchen selten Monate vor einem Release auf. Sie erscheinen dann, wenn ein fertiger Build zur Prüfung vorliegt.
Als wahrscheinlichsten Ort für die offizielle Ankündigung nennt Billbil-kun die Gamescom 2026, die vom 26. bis 30. August in Köln stattfindet. Xbox hat seine Präsenz für die Messe bereits bestätigt – Blizzard als Teil des Microsoft-Imperiums hätte dort die größte Bühne für einen Launch-Trailer, nur zwei bis drei Wochen vor dem gemeldeten Release.
Was der Leak nicht beantwortet: Enthält die Switch 2 Version beide Erweiterungen, also Vessel of Hatred und Lord of Hatred, oder nur das Grundspiel? Die Rating-Board-Einträge nennen explizit Lord of Hatred, was auf eine Complete Edition hindeutet – sicher ist das aber nicht.
70 Euro für einen Download-Code – Blizzards seltsames Signal
Dass ein Publisher 2026 eine „physische“ Version ausliefert, die keine Cartridge enthält, ist kein neues Phänomen. Dass dies aber zum vollen Preis von 69,99 Euro geschieht, macht die Sache bemerkenswert. Nintendo verlangt für Switch 2 Module höhere Fertigungskosten – darauf reagieren Dritthersteller zunehmend mit Code in a Box Lösungen. Bei einem Titel, der auf anderen Plattformen längst im Preis gefallen ist, wirft das die Frage auf: Ist das eine ernsthafte Investition in die Plattform oder ein kostengünstiger Nachschlag?
Blizzard selbst hatte den Switch 2 Port früh mit Vorsicht behandelt. Die Live-Service-Infrastruktur, die ständige Online-Anbindung für Seasons und Events – all das musste erst auf Nintendos Architektur funktionieren. Dass es nun offenbar klappt, ist ein technischer Meilenstein. Der Code in a Box Ansatz untergräbt diesen Eindruck jedoch ein Stück weit.
Was Lord of Hatred mitbringt – und was das für den Port bedeutet
Die zweite Erweiterung, Lord of Hatred, überdachte das Leveldesign grundlegend und erschien Ende April für PC, PS5 und Xbox Series X/S. Sie brachte die Region Skovos, zwei neue spielbare Klassen – Paladin und Warlock – sowie das War-Plans-Endgame-System, das Spielern mehr Freiheit bei der Progression gibt. Dazu gesellen sich ein Horadric-Cube-Crafting-System und – tatsächlich – ein Angel-Minispiel.
Game Director Zaven Haroutunian sagte im PCGamesN-Roundtable: „Wir denken, Lord of Hatred ist das beste Diablo 4, das es je gab – für uns ist es der ultimative Ausdruck des Spiels.“
Lead System Designer Colin Finer ergänzte: „So viele der Features sind ein Liebesbrief an Diablo und seine Spieler. Es war eine enorme Liebesarbeit des Teams.“
Sollte die Switch 2 Version tatsächlich beide Erweiterungen enthalten, wäre der 70 Euro Preis zumindest inhaltlich gerechtfertigt. Ein reiner Base-Game-Port zum selben Preis sähe dagegen dürftig aus – zumal der Paladin sich in Season 13 als Balancing-Problem erwies und die Klasse auf dem Handheld kaum besser balanciert sein dürfte.
September-Start und die Frage, ob Blizzard liefert
Der Zeitpunkt ist klug: Zwischen dem Summer Game Fest Rummel und dem Weihnachtsgeschäft liegt der September als ruhigeres Fenster. Die Switch 2 hat seit ihrem Launch im Juni 2025 über 10 Millionen Einheiten verkauft – eine installierte Basis, die hungrig nach einem echten Action-RPG mit Endgame-Tiefe ist. Path of Exile 2 ist nicht auf der Plattform. Diablo 4 hätte das Feld für sich allein.
Was zählt, ist die Ausführung. Blizzard muss beweisen, dass die Switch 2 Version kein technischer Kompromiss wird, sondern ein vollwertiger Port mit flüssiger Performance und vollständiger Online-Anbindung. Bei 70 Euro darf die Messlatte nicht tiefer hängen als anderswo.


