Asus hat auf der Computex 2026 das ROG Xbox Ally X20 enthüllt – und das Gerät ist ein Frontalangriff auf Valves Steam Deck OLED. Ein 7,4 Zoll großes OLED-Panel mit bis zu 1.400 Nits Spitzenhelligkeit, magnetische TMR-Joysticks als Stick-Drift-Prävention und ein transluzentes Jubiläumsgehäuse zum 20. Geburtstag der Republic-of-Gamers-Marke klingen nach einem Pflichtkauf für Handheld-Enthusiasten. Doch der Teufel steckt im Detail: Asus verkauft das Ally X20 ausschließlich im Bundle mit der AR-Gaming-Brille ROG XREAL R1 Edition 20 – und schweigt sich beharrlich über den Preis aus.
OLED als schärfste Waffe – und was das technisch bedeutet
OLED in einem Gaming-Handheld ist kein triviales Upgrade. Anders als LCD-Panels leuchten organische Leuchtdioden selbst, brauchen keine Hintergrundbeleuchtung und liefern perfektes Schwarz – aber sie kämpfen mit höherer Hitzeentwicklung, potenziellem Einbrennen und einem tendenziell höheren Stromverbrauch. Asus versucht, diese physikalischen Nachteile mit einem neu konstruierten Kühlkanal auszugleichen, der den Luftstrom gezielt an der APU vorbeiführt und die Oberflächentemperatur des Displays niedrig halten soll.
Auf dem Papier liefert das Ally X20 einen Bildschirm, der das OLED-Panel des Steam Deck klar übertrumpft. Die Eckdaten:
- 7,4 Zoll statt 7,0 Zoll (Ally X) bzw. 7,4 Zoll (Steam Deck OLED)
- 120 Hz Bildwiederholrate mit voller FreeSync-Premium-Pro-Unterstützung
- 1.400 Nits Spitzenhelligkeit – das Steam Deck OLED schafft 1.000 Nits
- HDR-fähig mit dem von Asus „Nebula HDR Display“ getauften Panel
Der Haken: Unter der Haube werkelt exakt derselbe AMD Ryzen AI Z2 Extreme wie im günstigeren Ally X. 24 GB LPDDR5X-RAM und 1 TB NVMe-Speicher mit PCIe 4.0 bleiben unangetastet. Wer auf einen echten Leistungssprung hofft, wird enttäuscht – das Ally X20 ist ein Display-Upgrade, keine neue Hardware-Generation. Asus selbst räumt ein, dass der neue Kühlkanal „wahrscheinlich keinen signifikanten Boost bei Bildraten oder visueller Qualität“ bringt – diese ungewöhnlich ehrliche Formulierung in den Specs spricht Bände.
TMR-Joysticks und das stickdriftfreie Versprechen
Neben dem OLED-Display sind die neuen Joysticks mit TMR-Technologie (Tunnel-Magnetoresistance) das zweite große Upgrade. Anders als herkömmliche Potentiometer-Sticks, die durch physische Kontakte mit der Zeit verschleißen und zum gefürchteten Stick-Drift neigen, setzen TMR-Sensoren auf magnetische Widerstandsmessung – berührungslos und damit theoretisch verschleißfrei.
Im Vergleich zu den ebenfalls magnetischen Hall-Effekt-Sensoren, die etwa der vor wenigen Wochen gestartete Steam Controller von Valve nutzt, liefern TMR-Joysticks eine höhere Auflösung und geringere Latenz bei gleichzeitig niedrigerem Stromverbrauch. Für ein Handheld, bei dem jede Minute Akkulaufzeit zählt, ist das kein nebensächliches Detail. Die Rohdaten erwähnen den direkten Vergleich mit dem Steam Controller ebenfalls – Asus positioniert das Ally X20 hier bewusst als technisch überlegen.
Die AR-Brille im Bundle – Pflichtkauf oder versteckte Preistreiberei?
Die ROG XREAL R1 Edition 20, die Asus dem Ally X20 beilegt, ist kein billiges Giveaway. Alleinstehend kostet die AR-Brille mit ihrem Micro-OLED-Display rund 850 Euro im deutschen Handel. Die Specs sind beeindruckend:
- Virtuelles 171-Zoll-Display aus 4 Metern Entfernung
- 240 Hz Bildwiederholrate bei 0,01 ms Reaktionszeit
- 95 Prozent des fokussierten Sichtfelds abgedeckt
- Natives 3DoF-Tracking mit Anchor-Modus zum Fixieren des Bildschirms
- Anschluss per USB-C direkt an die Ally-Geräte
Dass Asus das Ally X20 nicht einzeln verkauft, sondern ausschließlich im Bundle mit dieser Brille, ist eine klare strategische Entscheidung – und ein potenzielles Problem für Käufer. Wer bereits eine VR- oder AR-Brille besitzt oder schlicht kein Interesse an dem Zusatz hat, wird zwangsweise mitbezahlen. Die Jubiläums-Edition 20 beider Geräte (Handheld und Brille) in mattem Schwarz mit goldenen Akzenten und dem Anniversary-Branding unterstreicht den Sammlercharakter, ändert aber nichts am grundsätzlichen Bundle-Zwang.
Der fehlende Preis – und was das Schweigen verrät
Asus hat auf der Computex 2026 weder einen Preis noch ein Releasedatum für das Ally-X20-Bundle genannt. Das ist kein Zufall. Ein kurzer Blick auf die Preisschilder der Einzelkomponenten macht klar, warum:
- Das Basismodell ROG Xbox Ally kostet derzeit 599 Euro
- Ally X liegt bei 899 Euro
- Die ROG XREAL R1 einzeln: rund 850 Euro
Rechnet man konservativ mit einem Aufpreis von 150 bis 200 Euro für das OLED-Upgrade und die TMR-Sticks gegenüber dem regulären Ally X, landet man bei mindestens 1.050 Euro für das Handheld allein – plus 850 Euro für die Brille. Ein Bundle-Preis unter 1.500 bis 1.800 Euro erscheint unrealistisch. Und genau hier liegt die Krux: Das Steam Deck OLED kostet nach den massiven Preiserhöhungen durch den globalen RAM-Engpass inzwischen 779 Euro (512 GB) oder 919 Euro (1 TB) – und das ohne nervigen Bundle-Zwang.
Microsofts eigenes Handheld-Projekt liegt derweil auf Eis, was die asymmetrische Partnerschaft zwischen Redmond und Asus weiter zementiert. Das Ally X20 ist faktisch das nächstbeste „Xbox-Handheld“ auf absehbare Zeit – zu einem Preis, der viele abschrecken dürfte.