Nacon Studio Ghent hat jahrelang mit dem Ruf einer mittelmäßigen Jagdsimulation gekämpft – jetzt soll eine Demo beweisen, dass UE5 und SimFauna den Sprung schaffen. Die Hunting Simulator 3 Demo zum Steam Next Fest (19.–26. Oktober) gewährt erste Einblicke in die Colorado-Wildnis, das SimFauna-System und das überarbeitete Ökosystem. Jahrelang belächelten Hardcore-Jäger die Reihe als Arcade-Ableger für Sonntagsjäger – doch mit 35+ Tierarten, dynamischer Fauna und zwei 100-km²-Karten könnte Nacon den Sprung in die Liga von theHunter tatsächlich schaffen.
Die Demo als letzte Bewährungsprobe
Wer die Steam-Seite von Hunting Simulator 2 heute aufruft, findet 68 Prozent positive Reviews – ein „Mixed“-Prädikat, das die Diskrepanz zwischen PR-Sprache und Spielerrealität schonungslos offenlegt. Die Demo zum Steam Next Fest ist Nacons Chance, dieses Erbe abzuschütteln. Sie öffnet einen begrenzten Bereich der Colorado-Wildnis, zeigt eine Auswahl der 75 Waffen und lässt euch erstmals den Polaris Ranger EV UTV durch unwegsames Gelände steuern.
Der entscheidende Unterschied zur Vergangenheit liegt nicht in der Zahl der Inhalte, sondern in ihrer Darbietung. Der Gameplay-Trailer zu Hunting Simulator 3 zeigt eine Colorado-Karte, die nicht mehr wie eine leere Kulisse wirkt, sondern wie ein Ort mit eigener Logik: Tiere hinterlassen Fährten, der Wind trägt Gerüche, der Hund arbeitet aktiv mit. Ob die Demo dieses Versprechen einlöst, entscheidet weniger über den Launch-Erfolg als über die Frage, ob Nacon die Serie endgültig aus der Arcade-Ecke holt.
Die Demo-Frist ist kurz: Sie läuft nur bis zum 26. Oktober, drei Tage vor dem Vollrelease am 29. Oktober für PS5, Xbox Series X|S und PC. Wer bis dahin keinen Eindruck gewinnt, muss 49,99 Euro auf den Tresen legen – ohne Rückgaberecht, versteht sich. Ein Release in dieser Preisklasse ohne umfassende Demo-Phase wäre ein Vertrauensvorschuss, den Nacon nach Hunting Simulator 2 nicht mehr verdient hat.
SimFauna soll die Fassade einreißen
SimFauna ist kein austauschbares Marketing-Label, sondern der Versuch, das Kernproblem der Vorgänger zu lösen – eine statische Welt, in der Tiere auf Schienen liefen und der Spieler lediglich zur richtigen Zeit am richtigen Ort stehen musste. Nacon Studio Ghent beschreibt das System als dynamisches Ökosystem, in dem Tiere altern, sich vermehren und auf Umwelteinflüsse reagieren. Das klingt nach dem fundamentalen Unterschied zwischen einer Zielscheiben-Simulation und einer echten Jagd.
Die technische Grundlage dafür liefert Unreal Engine 5, doch die Engine allein garantiert keine lebendige Fauna. Die Steam-Seite listet Mindestanforderungen, die mit einer RTX 2060 und 8 GB RAM vergleichsweise zahm ausfallen – ein Hinweis darauf, dass SimFauna eher über Logik als über Rohleistung funktioniert. Was die Demo zeigen muss: ob die Tiere tatsächlich eigene Entscheidungen treffen oder ob Nacon lediglich die Spawn-Raten erhöht und das als „Ökosystem“ verkauft.
Der Maßstab für diese Frage liegt nicht in Nacons PR-Material, sondern in den Zahlen des Genre-Primus. theHunter: Call of the Wild hält auf Steam regelmäßig 5.000 bis 8.000 gleichzeitige Spieler und erreichte im Dezember 2024 einen Allzeit-Peak von 25.225 – fünf Jahre nach Release. Hunting Simulator 2 dümpelt bei geschätzten 51.000 verkauften Einheiten auf Steam. Die Lücke zwischen Anspruch und Realität ist der eigentliche Gegner, den SimFauna bezwingen muss.
Der Angriff auf den Genre-Thron
Was die Demo verschweigt: Hunting Simulator 3 mag technisch aufgerüstet sein, doch der Weg zur Genre-Krone führt über eine Frage, die sich nicht in Trailern beantworten lässt. theHunter hat sich über Jahre eine Fangemeinde erarbeitet, die Ballistik, Windrichtungen und Tierverhalten bis ins Detail seziert. Way of the Hunter hat mit über einer Million verkaufter Einheiten bewiesen, dass auch ein Newcomer mit Hartnäckigkeit und Community-Nähe bestehen kann – obwohl die Metacritic-Werte mit 66 bis 72 eher mittelmäßig ausfielen.
Nacon Studio Ghent sitzt dagegen in einem strukturellen Dilemma. Das Studio, 2020 als Neopica von Nacon übernommen und 2024 umbenannt, beschäftigt rund 30 Entwickler. Diese Mannschaft muss eine UE5-Produktion stemmen, während der Publisher im selben Zeitraum Bilanzzahlen veröffentlicht, die von Konsolidierung und Kostendisziplin geprägt sind. Die Ankündigung von Hunting Simulator 3 im November 2024 las sich wie ein Befreiungsschlag. Ob die Demo dieses Versprechen einlöst, ist nicht nur eine Frage der Spielqualität, sondern eine der Studio-Kapazität.
Die eigentliche Pointe liegt woanders: Nacon braucht keinen Genre-Primus zu stürzen. Es reicht, wenn Hunting Simulator 3 die eigene Vergangenheit hinter sich lässt und als glaubwürdige Alternative für alle positioniert, die theHunter zu sperrig und Way of the Hunter zu unfertig finden. Der Sprung von 68 Prozent auf eine stabile „Positive“-Wertung wäre bereits ein Sieg – für die Serie, für das Studio und für alle, die nach Jahren des Stillstands endlich wieder eine Jagdsimulation mit Zukunftsperspektive wollen.