Ein ganzes Jahrzehnt brodelte es in der Gerüchteküche, die Erwartungen schraubten sich ins Unermessliche. Nun ist Lost Soul Aside, das ambitionierte Action-RPG von Ultizero Games, endlich für PS5 und PC erschienen und hinterlässt ein Schlachtfeld gemischter Gefühle. Die ersten Urteile der Fachpresse zeichnen ein außerordentlich ambivalentes Bild eines Werks, das in einer fundamentalen Zwickmühle steckt. Auf der einen Seite steht ein Kampfsystem, das von vielen als brillant, pfeilschnell und technisch versiert gefeiert wird. Dem gegenüber positioniert sich jedoch eine Flut an Kritikpunkten, die das Gesamterlebnis für zahlreiche Spielende empfindlich trüben und den Titel von dem erhofften Meisterwerk-Status weit entfernen. Der aktuelle Metascore von 60 auf der PlayStation 5, basierend auf den ersten eingetroffenen Rezensionen, spricht eine deutliche Sprache und spiegelt diese innere Zerrissenheit wider.
Zwischen blitzendem Stahl und erzählerischer Leere
Wenn man in die Details der Kritiken eintaucht, kristallisiert sich ein klares Muster heraus. IGN Spanien vergibt eine solide 7 von 10 und lobt ausdrücklich die „rasanten Kämpfe voller cleverer Mechaniken“, die das Herzstück des Spiels bilden. Gleichzeitig bemängelt der Test jedoch eine „vergessenswerte“ Geschichte, „platte Charaktere“ und eine Welt, die letztlich keinerlei emotionale Bindung aufzubauen vermag. Noch drastischer formuliert es Eurogamer Deutschland in seinem 4-von-10-Urteil. Dort wird konstatiert, dass „Fans von präzisen, auf Fähigkeiten basierenden Kämpfen ihre Freude an den Auseinandersetzungen haben könnten“, während sich „alle anderen wahrscheinlich schwertun werden, über die Mängel hinwegzusehen“. Es ist die bittere Erkenntnis, dass spielmechanische Exzellenz allein heutzutage kaum noch ausreicht, um ein durchweg überzeugendes Erlebnis zu schaffen, wenn das narrative Fundament bröckelt und die Inszenierung keine Seele besitzt.
Ein Funken Hoffnung für Adrenalin-Junkies?
Doch nicht alle Stimmen stimmen in den Chor der Enttäuschten ein. Das Portal Gamersky zeigt sich mit einer Wertung von 8 von 10 deutlich positiver und preist die „dreißig Stunden reiner, berauschender Action“. Auch hier wird die Story zwar nicht in den Himmel gelobt, aber der Fokus klar auf den Aspekt gelegt, der Lost Soul Aside aus der Masse hervorhebt: sein kompromissloses und forderndes Kampfsystem. Für eine ganz bestimmte Zielgruppe, die spielerische Herausforderung über cineastische Erzählkunst stellt, scheint das Spiel also durchaus zu funktionieren. Ultizero Games hat indes bereits auf die Kritik reagiert und Updates angekündigt, die sich Problemen bei den Soundeffekten, dem Spielfortschritt im frühen Verlauf und der Steuerung annehmen sollen. Es bleibt die Hoffnung, dass die Entwickler ihr ungeschliffenes Juwel weiter polieren und zumindest einige der eklatantesten Schwächen ausmerzen. Am Ende steht ein Titel, der sein immenses Potenzial nur in einem einzigen, wenn auch brillanten, Teilaspekt voll entfaltet und die Geister scheidet wie kaum ein zweiter in diesem Jahr.