Jez Corden hat auf dem Xbox Two Podcast einen Satz fallen lassen, der in der PC-Gaming-Szene nachhallt: Microsoft könnte Steam verlassen. Nicht morgen, nicht nächstes Jahr, nicht als Plan A. Aber die Pläne, von denen er wisse, würden Microsoft ein Fenster öffnen – ein potenzielles Fenster, um sich aus Steam zurückzuziehen. Trotzdem: Wenn einer der größten Publisher der Welt auch nur erwägt, die wichtigste PC-Plattform zu verlassen, horcht man auf.
Sharmas Reset und der Preis der Exklusivität
Unter Asha Sharma hat Xbox einen harten Strategiewechsel vollzogen. Weg von „überall spielen“, hin zu Exklusivität als Waffe. Gears of War: E-Day kommt nur auf Xbox. Clockwork Revolution ebenso. Die Preise für Series X und S sind in Europa und Großbritannien hochgeschnellt – ein Move, der Spielern wehtut, aber Margen sichert. Und mit Project Helix, der nächsten Konsolengeneration, denkt Microsoft offenbar grundsätzlich neu über den PC-Markt nach.
Drei Millionen Gründe, zu bleiben
Dass die Rechnung so einfach nicht aufgeht, beweist Forza Horizon 6. Der Open-World-Racer, erschienen am 19. Mai, wurde zum größten Steam-Launch in der Geschichte von Xbox Game Studios. Rhys Elliott von Alinea Analytics schätzt über drei Millionen verkaufte Einheiten bis zum 1. Juni – weniger als zwei Wochen nach Launch. Zum Vergleich: Halo: Campaign Evolved, das jüngste Aushängeschild des internen Studios, hat die Steam-Charts zuletzt nicht mal gestreift. Forza hingegen lief sofort. Der Unterschied? Ein Rennspiel, das jeder spielen will, auf einer Plattform, die jeder nutzt.
Drei Millionen Verkäufe in knapp zwei Wochen – das ist kein Nice-to-have. Das ist ein Geschäftsmodell. Microsoft bekommt auf Steam nicht nur Reichweite, sondern zahlende Kunden, die nie eine Xbox kaufen würden. Jeder dieser Käufer generiert Umsatz, den der Windows Store allein nicht ersetzen kann. Nicht mal annähernd.
Das Fenster, das keines ist
Was also meint Corden mit diesem „Fenster“? Vielleicht einen eigenen PC-Launcher, der endlich funktioniert. Vielleicht eine tiefere Integration von Game Pass in Windows, die Steam überflüssig machen soll. Vielleicht geht es um Project Helix selbst – eine Konsole, die PC-Spiele nativ ausführt und den Unterschied zwischen Xbox und Windows endgültig einebnet. In so einer Welt wäre Steam kein Partner mehr, sondern Konkurrent.
Noch ist das alles Zukunftsmusik mit vielen Konditionalen. Corden selbst hat auf X klargestellt, dass die von ihm beschriebenen Pläne nur potenziell ein Fenster öffnen – nicht mehr. Microsoft hat sich nicht geäußert. Steam natürlich auch nicht. Und die Gerüchte um eine Abspaltung oder einen Verkauf der Xbox-Sparte, die seit Monaten immer wieder aufflackern, machen die Lage nicht klarer.
Eines ist sicher: Wer Forza Horizon 6 auf Steam drei Millionen Mal verkauft, der verlässt Steam nicht. Es sei denn, er hat etwas gebaut, das noch größer ist. 2027 wird zeigen, ob Microsoft diesen Trumpf tatsächlich in der Hand hält.