Wer in Motocross-Spielen bisher auf autopilotartigen Ideallinien durch die Kurven glitt, muss sich im Herbst auf schmerzhafte Lektionen für die Daumen einstellen. Publisher Nacon und Entwickler Artefacts Studio läuten mit einem neuen Trailer die heiße Phase vor dem Launch von MXGP 26 ein. Der knapp einminütige Vorgeschmack rückt vor allem das neue Aushängeschild der Simulation in den Fokus: Strecken, die sich unter den Stollen der Reifen Schicht für Schicht in unberechenbare Schlammlöcher verwandeln.
Jede Runde eine neue Grube: Wenn der Kurs deinen Rhythmus frisst
Das zentrale Verkaufsargument für den Neustart hört auf den Namen Dynamic Deformation. Wo frühere Ableger lediglich hübsche Texturen austauschten, gräbt sich das Fahrerfeld nun physisch in das Terrain ein. Jedes Bike fräst tiefe Rillen in den Matsch, die über das gesamte Rennen hinweg bestehen bleiben und das Verhalten der Maschine massiv beeinflussen.
Am Controller fühlt sich das erfreulich ungemütlich an. Wer in Runde vier stumpf dieselbe Anbremszone wählt wie kurz nach dem Startgatter, landet mit dem Vorderrad in einer bodenlosen Furche und fliegt im schlimmsten Fall kopfüber über den Lenker. Zusammen mit der neu geschriebenen Bike-Physik und einer wackeligen Helmkamera zwingt das System die Spieler dazu, die Strecke permanent mit den Augen abzutasten.
Dieser spürbare Sprung bei der Fahrphysik erklärt auch die längere Pause der Reihe. Erst der radikale Wechsel auf die Unreal Engine 5 schaffte das technische Fundament, um die verstaubten Pisten der alten Tage hinter sich zu lassen.
Vulkansand statt Einheitsbrei straft ungeduldige Gasfinger ab
Neben den tiefen Spurrillen entscheidet vor allem die Beschaffenheit des Untergrunds über Sieg oder Knochenbruch. Artefacts Studio hat die offiziellen Kurse der Saison 2026 mit grundverschiedenen Bodenbelägen ausgestattet, die sich gravierend auf das Einlenkverhalten auswirken.
Die Kontraste könnten kaum härter ausfallen. Während der vulkanische Boden im argentinischen Bariloche noch relativ viel Vortrieb generiert, gleicht der berüchtigte Tiefsand von Riola Sardo auf Sardinien einem zähen Treibsandbecken. Wer dort in Schräglage zu hektisch am virtuellen Gasgriff reisst, gräbt die Hinterachse bis zum Anschlag ein und verliert den Anschluss an die Spitzenfahrer. Dagegen verlangen kompakte Schotterpisten wie Pietramurata nach millimetergenauer Linienführung, weil das Bike auf dem harten Lehm fast wie auf Seife rutscht.
Diese kompromisslose Pisten-DNA hebt sich wohltuend von der Konkurrenz ab. Statt wie bei der derben Schlammschlacht im Vorgänger einfach nur Vollgas stehenzulassen, bestraft der neue Teil jede Unachtsamkeit mit spürbarem Grip-Verlust.
Bolzplatz für Schrauber statt klassischer Karriereleiter
Abseits der Kurvenkurse verzichtet der Titel allerdings auf filmreife Inszenierung. Wer auf eine vertonte Story-Kampagne mit dramatischen Zwischensequenzen hofft, wird bei den Franzosen vorerst nicht fündig.
Das Spiel konzentriert sich stattdessen auf das klassische Handwerk aus Grand Prix, Meisterschaft und Time Attack. Wer seine Stoßdämpfer und Übersetzungen in aller Ruhe justieren möchte, tobt sich im freien Trainingsareal namens The Compound aus. Schrauber dürfen sich an lizenzierten Teilen von KTM, Honda oder Kawasaki austoben und ihren Piloten in offizielle Monturen von Fox Racing oder Alpinestars stecken, um im Zehn-Spieler-Mehrspielermodus optisch Eindruck zu schinden.
Mit diesem schnörkellosen Fokus steuert die Simulation geradewegs auf den Herbst zu. Ähnlich wie frühere Vorbesteller-Köder der Serie zielt der aktuelle Trailer vor allem auf eingefleischte Rennsport-Puristen ab. Das Spiel erscheint am 1. Oktober 2026 für PC, PlayStation 5 sowie Xbox Series X/S und muss beweisen, ob die neue Engine-Power auch über eine komplette Meisterschaft fesselt.
