500 Millionen Dollar für sieben Jahre Xbox-IP. Netflix legt das Angebot auf den Tisch, Xbox-Chefin Asha Sharma antwortet mit 800 Millionen. Netflix zieht das Angebot zurück. Was bleibt, ist ein Konzern, der Studios schließt, um Kosten zu senken, und gleichzeitig ein Angebot ablehnt, das die Produktionskosten von zwei AAA-Spielen gedeckt hätte.
Netflix zieht den Stecker
Die Absage kam nicht von Xbox. Netflix nahm das Angebot vom Tisch, nachdem der Xbox-Vorstand den Preis um 60 Prozent nach oben geschraubt hatte. Ein Bericht des Puck-Journalisten Matthew Belloni nennt die Zahlen: 500 Millionen Dollar für sieben Jahre exklusive Lizenzrechte an Xbox-Marken für Filme und Serien. Xbox-Chefin Asha Sharma und ihr Business-Affairs-Team konterten mit 800 Millionen. Netflix-CFO Spencer Neumann fand die Forderung zu teuer. Das Geschäft war tot, bevor es offiziell wurde.
Die Zahl 500 Millionen wirkt im ersten Moment wie ein Angebot aus dem Lehrbuch für überteuerte Lizenzdeals. Im Kontext der Xbox-Sparte ist sie etwas anderes: ein Rettungsanker, den der Konzern selbst abgeschnitten hat. Seit Juli hat Microsoft 1.868 der geplanten 3.200 Stellen gestrichen, fünf Studios wurden geschlossen oder verkauft. Drei weitere Kündigungswellen rollen bis Januar – Oktober, November, Januar, das steht im Fortune-Bericht.
Xbox erklärte auf Anfrage, man habe „rekordverdächtiges Interesse“ an den eigenen IPs erhalten. Netflix sei ein geschätzter Partner, man freue sich auf die kommenden Minecraft- und Diablo-Serien. Das ist PR-Sprech für: Wir haben den Deal vermasselt und suchen jetzt nach kleineren Fischen. Der Puck-Bericht legt nahe, dass Xbox bereits mit anderen Partnern über Einzeldeals verhandelt. Die große Exklusivität ist vom Tisch.
Die Rechnung, die Xbox nicht aufmacht
800 Millionen Dollar für sieben Jahre klingen nach einem stolzen Preis. Pro Jahr sind das etwa 114 Millionen. Netflix‘ Content-Budget lag 2026 bei rund 20 Milliarden Dollar, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 500 Millionen entsprechen 2,5 Prozent eines einzigen Jahresbudgets – für sieben Jahre exklusiver Rechte an über 20 Franchises, von denen laut Xbox-COO Matt Booty jedes Einzelne lebenslang mindestens eine Milliarde Dollar eingespielt hat.
Die Gegenrechnung sieht anders aus. Gears of War: E-Day hat laut Analystenschätzungen von Alinea Analytics gerade einmal 230.000 Exemplare verkauft, davon 168.000 auf Steam und nur 62.000 im Xbox-Ökosystem. Die Entwicklungskosten werden auf über 370 Millionen Euro geschätzt. 500 Millionen Dollar – nach aktuellem Kurs etwa 460 Millionen Euro – hätten diese Summe fast vollständig gedeckt. Stattdessen verkauft Microsoft das Spiel im Game Pass, wo 722.000 Abonnenten 30 Dollar extra zahlten, um fünf Tage früher loszuballern. Der Umsatz rettet den ersten Monat, nicht die Bilanz.
Xbox hat nicht zu hoch gepokert. Xbox hat an einem Tisch gesessen, an dem es nicht pokern konnte. Ein Konzern, der Studios schließt, um Quartalszahlen zu retten, kann keine 800 Millionen fordern, ohne dass der Verhandlungspartner lacht. Netflix hat nicht gelacht. Netflix hat einfach aufgelegt.
Kleinere Deals statt großer Exklusivität
Xbox verhandelt weiter – nur nicht mehr über das Gesamtpaket. Die Strategie hat einen Namen: Cross-Media. Asha Sharma will Xbox-Marken aus dem Konsolenkosmos herausführen, so wie es Amazon mit Fallout vorgemacht hat. Sie sagt: „Call of Duty ist größer als das Marvel Cinematic Universe.“ Sie sagt auch: „Große Spiele sind Kultur, und Kultur ist Entertainment.“ Das ist die Linie eines Konzerns, der seine Marken monetarisieren muss, weil das Kerngeschäft nicht mehr trägt.
Die laufenden Projekte zeigen, wohin die Reise geht. Der Gears-of-War-Film bei Netflix ist in Produktion, mit David Leitch als Regisseur und Jon Spaihts als Drehbuchautor. Die animierte Diablo-Serie wurde auf der BlizzCon 2026 offiziell bestätigt, ein Startdatum gibt es nicht. Die Minecraft-Serie hängt seit Jahren im Entwicklungslimbo, frühestens 2027, wahrscheinlich 2028.
Das sind keine schlechten Nachrichten. Es sind kleine Nachrichten. Ein Gears-Film und eine Diablo-Serie sind nett. Sie sind aber nicht das, was 800 Millionen Dollar wert ist. Xbox hat den großen Deal abgelehnt und macht jetzt das, was es immer macht, wenn der große Wurf scheitert: Es verkleinert den Anspruch und nennt es Strategie.