Asha Sharma hat den Xbox-Reset im Juli angekündigt, jetzt legt die CEO den Zeitplan nach: drei weitere Entlassungsrunden bis Januar. Der Fortune-Bericht nennt konkrete Monate – Oktober, November, Januar – und bestätigt, dass von den geplanten 3.200 Stellen erst 1.868 gestrichen sind. Wer nach fünf Studios und 1.868 Kündigungen noch an eine sanfte Landung glaubt, verwechselt einen Konzernumbau mit einem Betriebsausflug.
Der Layoff-Kalender steht
Die nächste Entlassungswelle rollt noch im Oktober an, zwei weitere folgen im November und Januar. Das ist kein Gerücht aus einem Discord-Kanal, sondern der Fahrplan, den Microsofts Xbox-Chefin intern bereits kommuniziert hat. Der Fortune-Bericht beruft sich auf mit den Plänen vertraute Personen und skizziert einen Kahlschlag, der sich über das gesamte Geschäftsjahr 2027 zieht.
Von den im Juli angekündigten 3.200 Stellen sind bis heute 1.868 gestrichen – 1.600 sofort, 268 im September. Die verbleibenden rund 1.330 verteilen sich auf drei Wellen. Wer jetzt glaubt, das sei der Endspurt, unterschätzt die Mechanik: Jede Welle demoralisiert die Belegschaft aufs Neue, weil niemand weiß, ob der eigene Stuhl in der nächsten Runde wackelt.
Die erste Welle trifft Microsoft mitten in der heißen Phase vor dem Weihnachtsgeschäft. GTA 6 steht vor der Tür, die Xbox-Hardware verkauft sich so schlecht wie nie zuvor, und ausgerechnet jetzt dünnt der Konzern die Teams aus, die den Karren aus dem Dreck ziehen sollen. Das Timing ist kalkuliert: Wer Kosten senken will, drückt vor dem Bilanzstichtag.
Was von den Studios übrig bleibt
Der Verkauf von Ninja Theory und Undead Labs sollte die Studios retten, doch für Senua sieht es düster aus. Im Juli klang es noch nach einem sauberen Schnitt: Double Fine und Compulsion gehen unabhängig, Ninja Theory und Undead Labs finden neue Eigentümer, die die Finanzierung für Senua und State of Decay 3 stemmen. Vier Monate später steht Ninja Theory vor dem Aus – die Deals mit potenziellen Käufern sind geplatzt, erste Layoffs laufen.
Undead Labs hat den Absprung geschafft – über die eigens gegründete Holding Full Measure, an der alle Mitarbeiter Anteile halten. Ein cleverer Move, aber kein Modell für die gesamte Branche: Ein Studio kann sich selbst kaufen, wenn die Belegschaft blutet und das Kapital für ein fertiges Spiel reicht. Ninja Theory hatte dieses Glück nicht.
Die Divestments sind keine Rettungsaktion, sondern eine Bilanzkosmetik. Microsoft stößt Studios ab, die nicht in die neue Franchise-Strategie passen – und spart gleichzeitig die Kosten für Schließungen. Was bleibt, ist ein Portfolio aus Mega-Marken wie Minecraft, Call of Duty und World of Warcraft. Der Rest darf gehen.
Game Pass soll derweil die Wachstumsstory retten. Asha Sharma hat intern verkündet, der Dienst habe „nach einem Allzeit-Tief wieder Wachstum erreicht“ – Game Pass wächst wieder, zumindest in der Erzählung. Der Preis dafür: Call of Duty fliegt aus dem Day-One-Angebot, die Abo-Stufen werden umgebaut, und kleinere Studios zahlen die Rechnung.
Ein Konzern auf Verkaufskurs
Microsofts Geduld mit Xbox hat einen Preis: 3.200 Stellen, fünf Studios und eine Marke, die intern längst als Abspaltung gehandelt wird. Der Fortune-Bericht zitiert Microsoft-Manager Judson Althoff mit dem Satz: „Wir hätten sie nicht auf ein Geschäft gesetzt, das wir verkaufen wollen.“ Das klingt beruhigend, bis man die Fußnote liest: Althoff sagt auch: „Es wird eine Tonne Spekulation geben. Die Zeit wird es zeigen.“
Satya Nadella hat den Reset längst als „großartig“ gefeiert, während die Belegschaft unter einem jährlichen Kündigungsrad bangt. Die Diskrepanz zwischen Konzernspitze und Studioflur könnte größer nicht sein: Hier der CEO, der von „Billion-Dollar-Chancen“ spricht, dort der Entwickler, der nach der dritten Welle nicht weiß, ob sein Projekt noch existiert.
Die Hardware-Zahlen untermauern den Ernst der Lage. Die aktuelle Xbox-Generation hat knapp ein Drittel der PS5-Verkäufe erreicht, die US-Verkäufe brachen zuletzt um 33 Prozent ein. Project Helix soll es richten – doch das Gerät wird intern auf 1.200 bis 1.800 Dollar taxiert. Project Helix wird also teuer, und Analysten warnen bereits vor einem Absatzeinbruch von bis zu 38 Prozent, wenn die Konsolenpreise wirklich in diese Regionen klettern.
Asha Sharma hat einen langen Atem versprochen. „Wir sind nicht hier, um das Minimum zu tun, damit das Geschäft gerade so läuft“, sagte sie Fortune. „Wir sind hier, um die Nummer eins im Entertainment zu werden.“ Der Satz hat Wucht – nur klingt er in einem Jahr, in dem 3.200 Menschen ihren Job verlieren und fünf Studios verschwinden, weniger nach Vision als nach Durchhalteparole.