Nintendo hat einen Prozess am Hals, der das Unternehmen mehr kostet als er jemals einbringen könnte. Die Patentklage gegen Palworlds Entwickler Pocketpair, 2024 mit großem Getöse eingereicht, schrumpft nach Analyse eines führenden Fachmanns für geistiges Eigentum auf einen möglichen Schadensersatz von lächerlichen fünf Millionen Yen zusammen – keine 30.000 Dollar. Zum Vergleich: Nintendo verbuchte im letzten Geschäftsjahr allein 40 Millionen Dollar Verlust durch Patentstreitigkeiten. Der Prozess ist wirtschaftlich gescheitert, bevor das Gericht überhaupt entschieden hat.
Warum Nintendos Patentklage auf 30.000 Dollar Schadensersatz schrumpft
Die Rechnung ist simpel und für Nintendo vernichtend. Die Patente, auf die sich die Klage stützt, wurden erst im Laufe des Jahres 2024 erteilt – Monate nach Palworlds explosivem Launch im Januar 2024, der das Spiel binnen eines Monats auf 25 Millionen Spieler katapultierte. Schadensersatz kann Nintendo ausschließlich für Verkäufe in Japan während des kurzen Zeitfensters zwischen Patenterteilung und den ersten Änderungen an Palworlds Spielmechaniken fordern.
Die entscheidenden Fakten: Das Gericht terminiert die Beweisaufnahme auf den 1. Oktober, eine Einschätzung folgt am 9. November 2026. Ursprünglich forderte Nintendo rund zehn Millionen Yen – etwa 66.000 Dollar. Doch selbst dieser ohnehin bescheidene Betrag hat sich halbiert.
„Es bleibt nur ein kurzes Zeitfenster mit begrenztem Verkaufsvolumen – und das territorial beschränkt auf Japan – für das Nintendo Schadensersatz fordern kann“, erklärt Florian Mueller in seiner Analyse auf games fray. Der Fachmann für geistiges Eigentum und ehemalige Blizzard-Mitarbeiter hält sogar ein komplettes Scheitern der Klage für möglich: Pocketpair hat nach seiner Darstellung zahlreiche Anfechtungen der Patentgültigkeit und Argumente zur Nichtverletzung vorgelegt. Die maximal möglichen fünf Millionen Yen seien „Peanuts für beide Seiten und lediglich ein Rundungsfehler verglichen mit Nintendos Prozesskosten.“
Nintendos Patentstrategie unter Beschuss von Tokio bis Washington
Dass der Prozess so kläglich schrumpft, ist kein isolierter Einzelfall. Nintendos gesamte Strategie, Spielmechaniken per Patent zu monopolisieren, gerät international unter Druck – wir haben das in unserem Bericht zu Nintendos bizarrem Patentfeldzug bereits detailliert analysiert.
- Das japanische Patentamt (JPO) hat zwei der drei klagerelevanten Patente als zweifelhaft eingestuft und verwies auf frühere Beispiele aus Monster Hunter 4, ARK und Pocketpairs eigenem Craftopia.
- Das US-Patent- und Markenamt (USPTO) wies einen Nintendo-Patentantrag zurück, der offensichtlich auf Palworlds Mobile-Version zielte, wie auch eine Analyse auf Kotaku festhält.
- Der Patentanwalt Kirk Sigmon nannte Nintendos neue Patente mit Bezug zu Pokémon „ein peinliches Versagen des Patentsystems der USA“, das „hätte nie passieren dürfen.“
Nintendos eigener Geschäftsbericht beziffert die Verluste aus Patentstreitigkeiten für das letzte Fiskaljahr auf 40 Millionen Dollar. Die Klage gegen Palworld ist wirtschaftlich ein Verlustgeschäft – und zwar selbst dann, wenn Nintendo wider Erwarten gewinnen sollte.
Palworld 1.0 erscheint unbeeindruckt von Nintendos Klage
Für Pocketpair ist die juristische Bedrohung weitgehend vom Tisch. Nintendo hat den Umfang seiner Forderungen im November 2025 selbst auf ältere Versionen von Palworld eingeschränkt – also genau jene Versionen, die das Studio längst überarbeitet hat, nachdem es wegen der Klage Features streichen musste. Gegen aktuelle Spielversionen oder das mit Spannung erwartete Palworld 1.0 mit gewaltigem Umfang hat Nintendo keinerlei Handhabe.
Pocketpair zeigt sich von all dem unbeeindruckt und kündigte während des laufenden Verfahrens sogar ein eigenes Kartenspiel an – eine kaum verhohlene Provokation in Richtung des Kartenspiels von Pokémon. Dass die Community Nintendos Vorgehen zunehmend kritisch sieht, zeigt auch das massive Review Bombing gegen Pokémon Legenden Z-A, bei dem der Rechtsstreit mit Palworld als Begründung für Negativwertungen herhalten musste.