Es ist offiziell: Bungie zerschlägt sich selbst. Das Studio hat bestätigt, was sich seit Wochen abzeichnete – eine Reduktion der Belegschaft, die das Ende des Studios in seiner bekannten Form bedeuten könnte. Sony und Bungie trennen sich von mindestens 292 Mitarbeitern allein am Standort Bellevue, darunter das gesamte Destiny 2 Team. Der dritte und härteste Kahlschlag seit der Sony-Übernahme markiert den tiefsten Punkt einer Abwärtsspirale, die mit den neuen Entlassungen nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.
Das Ausmaß: 292 Entlassungen, gesamtes Destiny-Team aufgelöst
Die offiziellen Zahlen sind niederschmetternd. Laut Fox13 Seattle verlieren mindestens 292 Beschäftigte ihren Job – Stichtag ist der 9. Juli 2026. Bloomberg-Journalist Jason Schreier sprach bereits im Mai von „signifikanten“ Entlassungen, doch das tatsächliche Ausmaß übertrifft die düstersten Prognosen.
Forbes-Reporter Paul Tassi zufolge ist das gesamte Destiny-Team betroffen. „Es sind alle“, zitierte er seine Quellen – Ausnahmen gibt es kaum. Auch das Marathon-Team verlor Mitarbeiter, ebenso die SIE-Supportteams, die Bungies Betrieb managten. Sony-Chef Hermen Hulst bestätigte die Streichungen in einem internen Memo und sprach von einer schmerzhaften Entscheidung. Wer das Ende einer Ära verfolgt hat, wusste: Das Support-Ende für Destiny 2 war der Anfang vom Ende.
Drei Wellen in drei Jahren: Bungies Kollaps in Zahlen
Damit nicht genug: Parallel zu den Entlassungen verliert Bungie auch seine Führung. Justin Truman, der nach Pete Parsons die Studioleitung übernommen hatte, tritt zurück. Mitgründer Jason Jones hat das Studio Forbes zufolge ebenfalls verlassen. Als neuer Kopf rückt Poria Torken nach – ein ehemaliger Guerilla-Games-Manager.
Die personellen Verluste setzen eine Kette fort, die 2023 begann. Wie wir bereits dokumentierten, hatte Bungie die eigene Community jahrelang enttäuscht. Die geplante Rettung als Destiny Infinity scheiterte an den immensen Kosten. Sony verbuchte in den Quartalsberichten Milliardenverluste – insgesamt rund 765 Millionen Dollar Abschreibungen auf die Akquisition.
Die Chronologie des Niedergangs:
| Welle | Datum | Betroffene |
|---|---|---|
| 1. Welle | Oktober 2023 | ~100 Mitarbeiter |
| 2. Welle | Juli 2024 | 220 Mitarbeiter |
| 3. Welle | Juni 2026 | 292+ Mitarbeiter + Führungswechsel |
Marathon als letzte Hoffnung – mit dünner Basis
Alle verbleibenden Ressourcen fließen jetzt in Marathon, den Extraction Shooter, der im März 2026 startete. Herman Hulst betonte in seinem Memo, dass der Titel „ein wichtiger Teil unseres Portfolios“ bleibe. Die Realität sieht anders aus: Marathons Spielerzahlen auf Steam fielen innerhalb von zwei Monaten unter das Niveau von Destiny 2 – einem Spiel, das offiziell im Wartungsmodus ist.
Die Open Play Week zu Marathon geriet zusätzlich zum PR-Desaster: Spieler kauften während der Gratis-Aktion die Deluxe Edition und erhielten anschließend keinen dauerhaften Zugang zum Spiel.
Was vom Studio übrig bleibt
Bungie existiert weiter. Aber als Ikone der Branche dürfte das Studio Geschichte sein. Drei Entlassungswellen, gefloppte Erweiterungen und eine Führungsriege in Schockstarre – das sind die Bausteine dieser Talfahrt. Der Monument of Triumph Launch-Trailer war das letzte Lebenszeichen eines Teams, das einst Destiny erschuf. Die Server bleiben an, aber die Magie ist raus. Vielleicht entsteht aus dieser Asche etwas Neues. Aber wer die nackten Zahlen sieht, dem wird klar: Der Weg zurück an die Spitze ist kein Sprint – es ist eine Expedition ohne Karte.