Wer den ganzen Tag mit einer flachen Maus arbeitet, kennt das Problem: Das Handgelenk knickt nach außen, der Unterarm verspannt sich, und nach ein paar Stunden meldet sich der kleine Finger. Vertikale Mäuse drehen die Hand in eine handshake-ähnliche Position und versprechen Entlastung. Genau dort setzt die ProtoArc EM11 Pro an – mit einem 58-Grad-Winkel und einer Bauform, die auf mittelgroße bis große Hände ausgelegt ist. Sie ist die Weiterentwicklung der EM11, die sich laut Hersteller über 1,2 Millionen Mal verkauft hat, und will deren größten Schwachpunkt beheben: das fehlende horizontale Scrollrad.
Größer, breiter, für große Hände gebaut
Die EM11 Pro ist kein Leichtgewicht im Wortsinn, aber sie fühlt sich so an. Mit etwa 15 Zentimetern von der Spitze bis zum Heck und rund 8,5 Zentimetern Breite ist sie deutlich voluminöser als die Vorgängerin. Diese Größe ist kein Zufall: Sie soll die Hand des Nutzers vollflächig abstützen und den Handballen am hinteren Ende der Maus ablegen, statt ihn in der Luft hängen zu lassen. Im Test lag die Maus bei längeren Sessions angenehm in der Hand, und die U-förmige Daumenauflage verhinderte, dass der Daumen unkontrolliert nach unten rutschte.

Der Preis für diese Größe ist ein Gewicht (ca. 122g), das im Verhältnis zum Volumen überraschend niedrig ausfällt. Bei 7200 DPI – der höchsten von sieben einstellbaren Stufen – macht sich das bemerkbar: Geraden geraten ins Zittern, und beim Anvisieren kleiner Punkte in CAD-Anwendungen wird die Maus schnell zur Geduldsprobe. Für Büroarbeit, Tabellen und Browser-Navigation ist das kein Problem. Für präzise Zeichenarbeit ist es eines.
Das horizontale Scrollrad ist mehr als eine Spielerei
Das auffälligste neue Element sitzt oberhalb der Vor- und Zurück-Tasten: ein gerastertes Scrollrad für horizontales Navigieren. In Tabellenkalkulationen, breiten Dashboards oder Zeitleisten erspart es den Griff zur Umschalttaste und das gleichzeitige Scrollen mit dem vertikalen Rad. Im Test fühlte sich das Navigieren durch Excel-Spalten spürbar flüssiger an, weil der Daumen nur eine kurze Bewegung machen muss, statt die Handposition zu verändern.
ProtoArc verbaut hier ein Metallrad, was sich in einem leicht metallischen Klickgeräusch niederschlägt. Das vertikale Rad arbeitet ebenfalls mit einer Rasterung, bietet aber keinen Freilauf. Wer von einer Logitech MX Master mit Hyper-Scroll verwöhnt ist, vermisst das schnelle Durchblättern langer Dokumente. Für die meisten Büro-Szenarien reicht die Rasterung jedoch aus.
Leise Klicks, aber der Kunststoff trübt den Eindruck
Die sechs programmierbaren Tasten – inklusive der beiden Haupttasten – klicken sehr leise, fast dumpf. In einem Großraumbüro oder beim Arbeiten in Rufweite anderer ist das ein echter Vorteil. Die Tasten sitzen fest, wackeln nicht und lösen zuverlässig aus, ohne dass es zu Fehlklicks kam. Nur wer das knackige Feedback einer mechanischen Maus bevorzugt, wird die dumpfe Rückmeldung als wenig befriedigend empfinden.

Weniger überzeugend ist die Haptik des Gehäuses. Der Kunststoff fühlt sich trocken und leicht staubig an, fast so, als hätte sich eine feine Schicht auf der Oberfläche abgesetzt. Das Material wirkt nicht billig verarbeitet, aber es vermittelt auch nicht das Wertigkeitsgefühl, das man von einer 50-Euro-Maus erwarten könnte. Im direkten Vergleich mit einer Logitech MX Vertical fällt der Unterschied deutlich auf: Die ProtoArc fühlt sich schlichter an, auch wenn sie funktional mithält.
Pairing-Knopf oben: eine kleine Revolution im Alltag
Eine der unscheinbarsten, aber praktischsten Änderungen betrifft den Pairing-Knopf. Statt ihn wie bei den meisten Mäusen auf der Unterseite zu verstecken, hat ProtoArc ihn oben neben das Daumenrad gesetzt. Wer zwischen mehreren Geräten wechselt – etwa zwischen einem Windows-Rechner, einem Mac und einem Tablet –, kann die Verbindung jetzt mit einem kurzen Druck umschalten, ohne die Maus umzudrehen. Drei Pairings stehen zur Verfügung: zwei Bluetooth-Kanäle und der mitgelieferte 2,4-GHz-Dongle, der in einem magnetischen Fach auf der Unterseite verschwindet.
Die Konfiguration der Tasten läuft komplett browserbasiert über hub.protoarc.com. Ein Software-Download entfällt, was besonders auf fremden Rechnern oder in Firmenumgebungen angenehm ist. Die Weboberfläche erkennt die Maus, sobald sie per Kabel verbunden ist, und erlaubt das Belegen von Tasten mit Makros, App-Wechseln oder Screenshots. Für Nutzer, die ohnehin nicht gern Treiber installieren, ist das ein elegantes System.

Für wen sich die EM11 Pro lohnt – und für wen nicht
Die ProtoArc EM11 Pro ist eine durchdachte Weiterentwicklung, die fast alle Kritikpunkte der EM11 ausräumt. Das horizontale Scrollrad ist kein Marketing-Gag, sondern eine echte Arbeitserleichterung. Der obenliegende Pairing-Knopf löst ein Problem, das viele Multi-Device-Nutzer erst bemerken, wenn sie es nicht mehr haben. Und die Ergonomie für große Hände ist stimmig: Die Hand liegt auf, der Daumen ruht, das Handgelenk bleibt gerade.
Doch das leichte Gewicht und die wenig einladende Kunststoffoberfläche verhindern, dass sich die Maus so hochwertig anfühlt, wie ihre Ausstattung vermuten lässt. Wer viel mit präzisen Linien arbeitet oder ein wertiges Gefühl in der Hand sucht, wird sich nach Alternativen umsehen. Wer dagegen den ganzen Tag Tabellen, Texte und Browser-Tabs durchpflügt und unter Handgelenksbeschwerden leidet, bekommt hier viel Ergonomie für vergleichsweise wenig Geld. Der Preis von 49,99 Euro ist für das Gebotene fair – vorausgesetzt, man kann mit dem Materialgefühl leben.
ProtoArc EM11 Pro
Die ProtoArc EM11 Pro überzeugt im Test mit starker Handgelenk-Entlastung und Daumenrad, zeigt bei präziser CAD-Führung aber Schwächen. Alle Stärken und Tücken.
Pruduktmarke: ProtoArc
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