Razer spendiert dem PC-Setup mit dem Tartarus V2 Pro eine radikale Frischzellenkur und verbannt die veraltete Mecha-Membran-Technik endgültig von der Schreibtischplatte. Das kompakte Gaming-Keypad setzt auf 31 programmierbare Tasten und bündelt Razers teuerste Sensoren in einem einzelnen Gehäuse, um anspruchsvollen MMO- und Shooter-Spielern endlich wieder ein erstklassiges Werkzeug für komplexe Hotbars an die Hand zu geben.
Flaggschifftechnik landet im kompakten Keypad
Wer schon mal versucht hat, im hektischen Raid-Chaos gleichzeitig auszuweichen, Cooldowns zu timen und komplexe Makros durchzujagen, kennt das Dilemma normaler Tastaturen: Drei Finger kleben permanent auf WASD fest, während der Rest der Hand verzweifelt über die Zahlenreihe stolpert. Genau hier setzt Razer mit dem Tartarus V2 Pro an und befördert ein Gerätesegment aus dem Dornröschenschlaf, das viele Hersteller längst abgeschrieben hatten. Statt das Tastenfeld wie früher mit abgespeckter Zweitverwertungs-Technik abzuspeisen, bedient sich Razer ungeniert im obersten Regal der eigenen E-Sport-Flotte.
Das Herzstück stammt nämlich eins zu eins aus den gefeierten analogen optischen Tastaturen des Hauses. Statt einfacher Kontaktschalter tasten Infrarot-Lichtschranken jeden Millimeter des Tastenhubs stufenlos ab. Befehle werden über echtes 8000-Hz-HyperPolling in winzigen 0,125-Millisekunden-Intervallen ins System gefeuert – eine Latenz, die selbst im wildesten Gefecht dafür sorgt, dass jede Eingabe unmittelbar und ohne das kleinste Zögern registriert wird.
Schluss mit schwammigen Tastenanschlägen
Der eigentliche Gamechanger für die Praxis ist der Razer Analog Optical Switch Gen-2 mit flexibel anpassbarer Auslösehöhe zwischen 0,1 und 4,0 Millimetern. In Kombination mit Rapid Trigger bedeutet das schlicht: Sobald der Finger auch nur einen Zehntelmillimeter angelupft wird, setzt sich der Schalter sofort zurück – perfekt für blitzschnelle Richtungswechsel in kompetitiven Shootern, bei denen herkömmliche mechanische Tasten viel zu träge wirken. Dass Razer die Schalter ab Werk schmiert und das Innere mit dichtem Akustikschaum auskleidet, beseitigt zudem das hohle Plastikklappern, das die Serie jahrelang wie ein billiges Gimmick wirken ließ.
Dieser Schwenk ist die längst überfällige Entschuldigung an die Community. Beim Vorgänger Tartarus V2 hatte Razer Core-Gamer noch mit der berüchtigten „Mecha-Membran“ vor den Kopf gestoßen – ein klickender Zwitter aus Gummiglocke und Metallfeder, der sich nach wenigen Monaten schwammig anfühlte und im Dauerfeuer regelmäßig verreckte. Auch das Daumenpad war eine notorische Schwachstelle. Beim Pro-Modell wandert nun die Sensorik der driftfreien TMR-Sticks aus den Wolverine-Controllern ins Gehäuse: Tunnel-Magnetoresistenz statt mechanischer Schleifkontakte bedeutet echte analoge Bewegungsfreiheit, ohne dass der Stick nach einem halben Jahr in eine Richtung zieht.
Barrie Ooi, Chef der PC-Gaming-Sparte bei Razer, ordnet das Upgrade entsprechend selbstbewusst ein: „Spiele haben sich enorm weiterentwickelt, und Spieler erwarten heute mehr Kontrolle, Präzision und Flexibilität von ihrer Hardware. Unser Razer Analog Optical Switch Gen-2 bietet höhere Präzision und einen erweiterten Auslösebereich, sodass Spieler genau festlegen können, wie jede Taste reagieren soll. Gleichzeitig ermöglicht der TMR-Thumbstick flüssige analoge Bewegungen ohne Stick Drift. Das Tartarus V2 Pro ist kompromisslos auf maximale Kontrolle ausgelegt: mehr Eingaben, präzisere Steuerung und mehr Möglichkeiten zur Individualisierung.“
Damit das Handgelenk bei ausufernden Progress-Raids nicht schlappmacht, lässt sich die Handballenauflage diesmal nicht nur in der Länge verschieben, sondern auch stufenlos zur Seite neigen, um sich dem natürlichen Winkel der Hand anzupassen.
Razers Angriff auf teure Boutiquen
Wirtschaftlich ist dieser Vorstoß ein direkter Angriff auf eine Nische, die Razer jahrelang kampflos Spezialanbietern überlassen hatte. Weil die großen Peripherie-Konzerne lieber die nächste leicht modifizierte Standard-Tastatur auf den Markt warfen, wanderten leidgeprüfte MMO-Veteranen scharenweise zu Herstellern wie Azeron ab, die mit 3D-Druck-Chassis und echten Analogsticks vorlegten. Zusammen mit dedizierten MMO-Mäusen will Razer diese lukrative Zielgruppe jetzt zurückholen – diesmal mit der Verarbeitungsqualität einer weltweiten Großserie inklusive strukturierter PBT-Tastenkappen, die auch nach monatelangem Dauereinsatz nicht speckig glänzen.
Verwaltet werden die bis zu 24 Tastenbelegungen auf drei Onboard-Profilen zwar regulär über die Softwareschnittstelle Razer Synapse, doch wer auf LAN-Events oder Turnieren unterwegs ist, braucht die Software nicht einmal: Die wichtigsten Parameter für Auslösehöhe und Rapid Trigger lassen sich direkt über Farbcodes am Gerät nachjustieren. Alle weiteren Details finden sich auf der offiziellen Produktseite des Tartarus V2 Pro. Nach Jahren des Stillstands zeigt Razer hier endlich wieder Mut zur Nische – und liefert ein Werkzeug ab, das den Begriff „Pro“ auf dem Karton tatsächlich verdient.