Eine Waschmaschine mit Tentakeln. Hände, aus deren Handflächen Zähne wachsen. Ein Wesen, das den Raum selbst zu verbiegen scheint. Der neue Trailer zu Rules of Engagement: The Grey State zeigt in zwei Minuten mehr groteske Kreaturen, als die meisten Horror-Shooter in ihrer gesamten Kampagne. Grey State Studio setzt den Fokus diesmal komplett auf den kooperativen PvE-Modus. Dass der Trailer dabei kein einziges Wort über den eigentlich bestätigten PvPvE-Kern verliert, ist entweder kluge Zurückhaltung oder ein Warnsignal.
Tentakel, Zähne, Raumverzerrung – der Giger-Traum
Was der Trailer in knapp zwei Minuten an Gegnerdesign auspackt, ist bemerkenswert. Eine Waschmaschine mit peitschenden Gliedmaßen, als hätte Giger einen Bosch-Katalog illustriert. Ein lampenköpfiger Koloss. Hände mit Gebissen in den Handflächen. Und mindestens eine Kreatur, die wie eine Verzerrung der physikalischen Raumzeit wirkt. Das ist kein generischer Zombie-Shooter. Das ist Body-Horror mit biomechanischem Einschlag, der Giger und Lovecraft gleichermaßen zitiert.
Die Schauplätze wechseln dabei so schnell wie die Gegnertypen: Industrieanlagen, sanfte Hügel, ein abgelegenes Dorf, eine urbane Compound-Anlage. Die Kernschleife – Artefakte finden, entkommen – spielt sich auf Borealis Isle ab, einem Setting, das Grey State Studio schon bei der Enthüllung im Oktober als Schauplatz des „Horrorverse“ vorgestellt hat. Die Waffen reichen von Sniper Rifles über SMGs bis zu Sturmgewehren – solide, aber nicht der Grund, warum dieser Trailer im Gedächtnis bleibt.
Lovecraft trifft Extraction-Shooter – aber wo bleibt die PvP-DNA?
Und genau hier wird es interessant. Denn Rules of Engagement: The Grey State ist kein reiner PvE-Titel. Das Studio selbst hat nach dem Reveal im Oktober klargestellt: Der Kernmodus ist PvPvE, angelehnt an Extraction-Shooter. Dieser Trailer zeigt davon nichts. Kein gegnerisches Squad, kein Loot-Extrakt, keine Zone, aus der man fliehen muss.
Das kann Strategie sein – schließlich hat ARC Raiders bewiesen, dass ein später PvPvE-Fokus funktionieren kann, wenn der PvE-Unterbau stimmt. Embark Studios‘ Shooter startete ebenfalls mit reinem PvE-Fokus, bevor der Extraction-Teil nachgereicht wurde. Aber ARC Raiders hatte ein erfahrenes Studio hinter sich. Grey State Studio ist ein Neuling mit Tencent-Backing – und die Frage, ob der PvPvE-Teil mehr als ein Konzept ist, wird mit jedem reinen PvE-Trailer lauter.
Das Studio beschreibt sein Horrorverse als Schmelztiegel aus Büchern, Filmen und Creepypasta. Ein Entwickler sagt: Das hier ist nicht eine Horrorstory – es sind alle. Das klingt ambitioniert – und neben reinen Lovecraft-Coops wie The Mound könnte genau dieser Mix aus Horror-Universen der Differenzierungsfaktor sein. Aber Ambition allein hat noch keinen Extraction-Shooter getragen.
Free-to-Play, 2026, nur PC – was wir nicht wissen
Grey State Studio schweigt, wo Transparenz helfen würde. Ja, Rules of Engagement: The Grey State erscheint 2026. Ja, es wird Free-to-Play. Ja, die PC-Version ist bestätigt. Aber: kein Release-Monat, kein Konsolen-Release in Sicht, und vor allem: null Informationen darüber, ob PvE- und PvP-Progression getrennt oder vereint laufen. Das ist keine Nebensächlichkeit. Bei einem Free-to-Play-Titel entscheidet die Progression darüber, ob Spieler bleiben oder nach drei Runden deinstallieren – die ARC-Raiders-Community hat das bei der Skin-Debatte schmerzhaft erfahren.
2026 wird im Horror-Multiplayer-Segment ohnehin kein gemütliches Jahr. Once Human kriecht ebenfalls 2026 auf Konsolen, und der Extraction-Shooter-Markt ist inzwischen so dicht besiedelt wie eine Borealis-Isle-Ruine. Wer hier bestehen will, braucht mehr als eine Waschmaschine mit Tentakeln.
