Während die Spieleschmiede CD Projekt RED mit ihrer legendären The Witcher-Reihe stets eigene, originelle Geschichten erzählte, war der literarische Kosmos des Schöpfers Andrzej Sapkowski immer der unverkennbare Quell der Inspiration. Alle drei bisherigen Spiele waren durchzogen von Elementen seiner Werke und schufen so eine Brücke zwischen den Medien. Nun, da alle Augen auf den mit Hochspannung erwarteten vierten Teil der Saga gerichtet sind, liefert Narrative Lead Philipp Weber selbst die neuesten Brotkrumen an Information, die darauf hindeuten, dass auch das kommende Rollenspiel-Epos tief in Sapkowskis Feder eintauchen wird.
Ein verräterisches Buch und ein vielsagender Kommentar
In einer Reihe von Social-Media-Posts, in denen er seine jüngste Ausbeute an Fantasy-Romanen zelebrierte, positionierte Weber ein ganz bestimmtes Buch prominent im Zentrum des Bildes: Sapkowskis The Witcher: Crossroads of Ravens. Doch es war nicht nur die visuelle Platzierung, die für Aufsehen sorgte. Auf die Frage eines Fans, ob er sich damit nicht die Geschichte spoilern würde, antwortete der Narrative Lead mit einer bemerkenswerten Offenheit. Er gab zu, dass er „aufgrund der Anforderungen des Jobs“ bedauerlicherweise bereits „alle wichtigen Punkte“ der Handlung kenne, das Buch aber dennoch genießen werde. Diese Aussage ist mehr als nur eine beiläufige Bemerkung; sie ist die bisher stärkste Indikation, dass die Erzählung des neuen Romans maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung von The Witcher 4 hat.
Ein Blick in die Vergangenheit als Blaupause für die Zukunft
Auf die weiterführende Frage, ob solche Punkte bereits in der Vergangenheit die Spiele beeinflusst hätten, enthüllte Weber den Modus Operandi des Studios. Er könne zwar nicht exakt verraten, wie CD Projekt RED die Handlungselemente aus Crossroads of Ravens für den kommenden Titel verwenden wird, zog jedoch eine faszinierende Parallele. Weber erinnerte daran, dass Sapkowskis anderer Roman, Saison der Stürme, veröffentlicht wurde, während sich The Witcher 3: Wild Hunt noch in der Entwicklung befand. Das Studio unternahm damals bewusst Anstrengungen, einige der neuen Elemente aus diesem Buch nachträglich in das Spiel zu integrieren. „Ihr könnt etwas Ähnliches erwarten!“, schloss Weber seine Ausführung ab und bestätigte damit quasi eine bewährte Vorgehensweise, die literarische Welt als lebendigen Fundus für die digitale zu nutzen.
Das Erbe eines Giganten und der Mut zur Innovation
Weber sprach zudem offen über den immensen Druck, der auf dem Team lastet. Die Frage „‚Witcher 3 war eines der besten Spiele aller Zeiten, wie wollen sie das toppen?‘“ begleitet die Entwicklung unweigerlich. Seine entwaffnend ehrliche Reaktion – „‚Ja, wie sollen wir das schaffen?‘“ – zeigt das Bewusstsein für die gewaltige Erwartungshaltung. Die Lösung liegt laut Weber jedoch nicht darin, das Meisterwerk von 2015 einfach nur zu übertreffen oder zu kopieren. Vielmehr will man der Philosophie treu bleiben, die The Witcher 3 so besonders machte: die unbedingte Sorgfalt, die tiefgründige Art des Geschichtenerzählens und die Liebe zum Detail. Gleichzeitig will man neue Fragen stellen und neue Wege beschreiten, damit sich der Titel wie eine „echte Fortsetzung“ anfühlt. Es geht um die gesunde Mischung aus dem Respekt vor dem, was war, und dem Mut, neue Dinge auszuprobieren, um dem Vermächtnis gerecht zu werden, ohne es schlicht zu wiederholen.