Under a Rock treibt die Evolution seines Survival-Universums weiter voran – und diesmal geht es nicht um Basisbau oder Kampf-Verbesserungen, sondern um das, was die Community seit der Ankündigung am lautesten fordert: ein ausgeklügeltes Kreaturen-System. Nordic Trolls hat mit dem vierten Entwickler-Tagebuch die Zähmungs- und Begleiter-Mechaniken enthüllt, die weit über das übliche „Dino mit Keule bewusstlos prügeln“-Prinzip hinausgehen. Ein neuer Gameplay-Trailer zeigt das System erstmals in Aktion – inklusive Dodos, die plötzlich ganz anders aussehen, wenn sie auf dich zugerannt kommen.
Von der Zähmungsbox zur Ressourcen-Farm
Der Einstieg ins Kreaturen-Management beginnt mit einer Zähmungsbox – einer stationären Falle, die mit dem Lieblingssnack der jeweiligen Spezies geködert wird. Kein stundenlanges Pfeile-Schießen mit Betäubungsspitzen wie in ARK, sondern ein strategischer Ansatz: Finde heraus, was dein Ziel frisst, platziere die Box, warte ab. Nordic Trolls setzt hier bewusst auf einen weniger brutalen, fast schon trapper-artigen Zugang, der das Erkunden der Insel und das Studieren der Kreaturen belohnt.
Ist eine Kreatur gezähmt, zieht sie in deine Basis und liefert im Tausch gegen regelmäßige Pflege und Fütterung spezies-spezifische Ressourcen – ein passives Farm-System, das an die Nutztier-Mechaniken aus Valheim erinnert, aber mit einer entscheidenden Verschärfung: Vernachlässigte Tiere verwildern wieder, und zwar nicht immer leise. Eier legen sie nur, wenn sie zufrieden sind – und genau diese Eier sind der Schlüssel zur zweiten Ebene des Systems.
Begleiter mit Stats und Geschmack
Während gezähmte Kreaturen deine Basis-Infrastruktur bereichern, schlüpfen in der Brutstätte die eigentlichen Stars des Updates: die Begleiter. Aus den Eiern deiner Basistiere ausgebrütet, übernehmen sie eine fundamental andere Rolle. Sie kämpfen an deiner Seite, lassen sich reiten, transportieren Beute in einem ausbaubaren Inventar und gehorchen aufs Kommando.
Die sechs direkten Befehle lauten: Bleib, Folgen, Angreifen, Stopp, Aufsitzen, Wegschicken – ergänzt durch einstellbare Kampfhaltungen, die steuern, wie aggressiv oder defensiv sich dein Begleiter verhält. In der Praxis dürfte das vor allem in den Koop-Sessions mit bis zu 10 Spielern für taktische Tiefe sorgen.
Viel spannender ist aber das darunterliegende Stat-System. Begleiter besitzen fünf Kernwerte, die sich durch Nutzung verbessern:
- Beweglichkeit – beeinflusst Geschwindigkeit und Ausweichverhalten
- Wildheit – bestimmt den Angriffsschaden
- Lebenskraft – der klassische HP-Pool
- Traglast – wie viel Loot das Tier schleppen kann
- Robustheit – physische Widerstandsfähigkeit
Dazu kommt ein Stufen-System, mit dem Begleiter aufgewertet werden können. Und weil Nordic Trolls sein skurriles Setting offenbar mit Humor nimmt, lassen sich die Tiere mit Hütchen individualisieren – ein Detail, das im Kontrast zum harschen Survival-Alltag steht und bewusst den Charme von Palworlds Waffen-Penguinen zitiert.
Entscheidend für die Spielbalance: Anders als die stationären Basistiere können Begleiter im Kampf nicht dauerhaft sterben. Werden sie kampfunfähig, rappeln sie sich nach Ende der Gefahrensituation von selbst wieder hoch. Das verhindert Frust durch permanente Verluste und unterscheidet das System grundlegend von ARKs erbarmungslosem Permadeath für Kreaturen.
Zwischen Palworld und ARK – wo verortet sich Under a Rock?
Der Vergleich mit den beiden Genre-Schwergewichten drängt sich auf. Palworld kombiniert Kreaturen-Management mit Basisautomatisierung und Waffen-Gameplay – und wurde genau dafür 2024 zum Steam-Phänomen. ARK: Survival Evolved definierte das Dino-Zähmungs-Genre mit Brut-Mechaniken, Stammes-Kriegen und permanenter Verlustangst.
Under a Rock positioniert sich im Zwischenraum: Die Zweiteilung in passive Ressourcen-Tiere und aktive Kampf-Begleiter ist ein genuin eigener Ansatz. Das Fehlen von Permadeath senkt die Einstiegshürde und adressiert das größte Frust-Potenzial von ARK, während die Notwendigkeit, wilde Kreaturen zu ködern statt zu verdreschen, einen weniger aggressiven Spielstil fördert.
Im Januar zeigte der letzte größere Entwickler-Einblick noch die Verzahnung von Basisbau und Erkundung – inklusive Blaupausen-System und Discovery-Journal. Dass Nordic Trolls nun gezielt das meistgewünschte Community-Feature nachliefert, spricht für eine feedback-getriebene Entwicklung, auch wenn der Gesamtumfang bei einem 4-Personen-Team realistisch betrachtet nicht mit Palworlds 100-Pals-Katalog konkurrieren kann.
Vier Leute, kein Release – der Realitätscheck
So beeindruckend die gezeigten Systeme sind: Under a Rock wurde 2023 angekündigt und hat auch drei Jahre später kein Releasedatum – nicht einmal für einen Early Access Launch. Auf Steam steht nach wie vor schlicht „To be announced“. Nordic Trolls ist ein Mikro-Team, das zuvor mit dem VR-Titel Karnage Chronicles solide, aber keine Blockbuster ablieferte. Der Sprung vom linearen VR-Dungeon-Crawler zu einem prozeduralen Multiplayer-Survival-Epos ist sportlich ambitioniert.
Hinzu kommt Gameforge als Publisher – die Karlsruher haben ihr Kerngeschäft mit Free-to-Play-MMOs wie Metin2 und AION Classic aufgebaut und nur wenig Erfahrung mit Premium-Survival-Titeln. Wie sich das auf Monetarisierung und Release-Strategie auswirkt, ist bislang unklar. Die 450.000 Wishlist-Einträge zeigen zwar gewaltiges Interesse, aber zwischen Wishlist und Kauf liegt im Survival-Genre oft eine große Lücke – wie selbst Titel wie Enshrouded trotz glänzender Early-Access-Kritiken erfahren mussten.
